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Stromspiegel

Zwei Transistoren kopieren einen Strom: Stromspiegel für eine LED-Kette aufbauen, Fehler durch Early-Effekt und Streuung mit Emitterwiderständen beseitigen.

7 Min. LesezeitStromspiegelCurrent MirrorStromspiegel TransistorStromspiegel berechnen

Ein Stromspiegel macht aus einem Strom, den du an einer Stelle einstellst, einen zweiten, gleich großen Strom an anderer Stelle – unabhängig davon, welche Spannung dort anliegt. Zwei gleiche Transistoren, deren Basen und Emitter verbunden sind, genügen dafür. Der eine misst den Referenzstrom, der andere bildet ihn nach.

In integrierten Schaltungen ist der Stromspiegel das häufigste Bauelement nach dem Transistor selbst: Er versorgt Differenzverstärker, ersetzt Kollektorwiderstände und verteilt Ruheströme über den ganzen Chip. Diskret aufgebaut nutzt du ihn, um mehrere LED-Ketten mit gleichem Strom zu versorgen, um einen Messstrom für einen Sensor zu erzeugen oder als aktive Last im Differenzverstärker mit Transistoren.

Schaltplan

NPN-Stromspiegel an +12 V: Rref 1 kΩ von +12 V an den Kollektor von T1, Kollektor und Basis von T1 verbunden, Basen von T1 und T2 verbunden, Emitter über RE1 und RE2 je 100 Ω an Masse, Kollektor von T2 über drei weiße LEDs an +12 V
Stromspiegel mit Emitterwiderständen: Rref legt den Strom fest, T2 zieht denselben Strom durch die LED-Kette.
  • T1, BC547B: als Diode geschaltet, Kollektor und Basis verbunden. Er setzt den Referenzstrom in eine Basis-Emitter-Spannung um.
  • T2, BC547B: bekommt dieselbe Basisspannung und führt deshalb denselben Strom, egal ob an seinem Kollektor 2 V oder 9 V liegen.
  • Rref, 1 kΩ: legt den Referenzstrom fest.
  • RE1 und RE2, 100 Ω: Emitterwiderstände. Sie gleichen Unterschiede zwischen den Transistoren aus und machen den Ausgang hochohmiger.
  • Last: drei weiße LEDs in Reihe, zusammen etwa 9 V.

So funktioniert die Schaltung

Durch Rref fließt ein Strom in den Kollektor von T1. Weil Kollektor und Basis verbunden sind, stellt sich T1 genau die Basis-Emitter-Spannung ein, die zu diesem Strom gehört – etwa 0,65 V. Ein Bipolartransistor ist ein spannungsgesteuertes Bauteil: Sein Kollektorstrom folgt der Basis-Emitter-Spannung nach IC = IS · eUBE / UT. T2 sieht dieselbe Spannung zwischen Basis und Emitter. Ist er ein gleicher Transistor bei gleicher Temperatur, führt er denselben Strom.

Mit Emitterwiderständen gilt dasselbe für die Summe aus Basis-Emitter-Spannung und Spannung an RE. Weil an RE hier rund 1 V liegt, fallen kleine Unterschiede der Basis-Emitter-Spannung kaum noch ins Gewicht. Das Verhältnis der Ströme bestimmen dann vor allem die Widerstände: Mit RE2 = 50 Ω statt 100 Ω liefert T2 ungefähr den doppelten Strom.

Drei Effekte machen den einfachen Spiegel ungenau:

  • Basisströme: Beide Basisströme kommen aus dem Referenzzweig. Bei hFE = 290 fehlen dem Ausgang dadurch 2 / 290 ≈ 0,7 %.
  • Early-Effekt: Der Kollektorstrom steigt leicht mit der Kollektor-Emitter-Spannung. T1 arbeitet bei 0,65 V, T2 vielleicht bei 8 V; mit einer Early-Spannung um 70 V sind das 10 % mehr Strom (Transistor-Kennlinienfelder).
  • Exemplarstreuung: Zwei lose Transistoren unterscheiden sich um einige Millivolt in der Basis-Emitter-Spannung. 2 mV bedeuten ohne Emitterwiderstände 8 % Stromunterschied, denn e2 mV / 26 mV ≈ 1,08.
Ausgangsstrom über der Kollektorspannung von T2: Der einfache Spiegel steigt von 10,3 auf 11,6 mA, mit 2 mV Versatz von 11 auf 12,5 mA; mit 100 Ω im Emitter bleibt er ab 1,1 V bei 10,25 mA waagerecht
Emitterwiderstände kosten 1 V Spannungsreserve, machen den Strom aber fast unabhängig von Kollektorspannung und Exemplar. Early-Spannung 70 V angenommen.

Das Diagramm zeigt den Unterschied. Der einfache Spiegel liefert bei 3 V am Kollektor 10,6 mA, mit 2 mV Versatz 11,4 mA, und der Strom steigt weiter mit der Spannung. Mit 100 Ω im Emitter bleibt er bei 10,25 mA, zwischen 3 V und 8 V ändert er sich um 0,02 mA. Der Preis: Unter etwa 1,1 V am Kollektor funktioniert der Spiegel nicht mehr, weil schon 1 V an RE2 liegt.

Dimensionierung

Vorgabe: Drei weiße LEDs mit je etwa 3,0 V sollen 10 mA bekommen, Versorgung 12 V.

1. Spannung an den Emitterwiderständen. Etwa 1 V ist ein guter Kompromiss: Gegen 2 mV Versatz bleiben nur 2 mV / 1 V = 0,2 % Fehler. Für 10 mA ist RE = 1 V / 10 mA = 100 Ω.

2. Referenzwiderstand. Durch Rref fließen der Referenzstrom und die beiden Basisströme. Mit UBE ≈ 0,65 V:

Iref = UB − UBERref + RE1 = 12 V − 0,65 V1 kΩ + 100 Ω ≈ 10,3 mA

3. Ausgangsstrom. Abzüglich der Basisströme:

Iaus ≈ Iref · hFEhFE + 2 = 10,3 mA · 290292 ≈ 10,25 mA

4. Spannungsreserve. An T2 bleiben 12 V − 9 V − 10,25 mA · 100 Ω ≈ 2 V. Das reicht, solange die LEDs zusammen weniger als etwa 10,8 V brauchen – auch eine Kette mit 3,4 V je LED funktioniert noch.

Weitere Ketten schließt du mit je einem weiteren Transistor samt 100-Ω-Emitterwiderstand an dieselbe Basisleitung an. Jeder zusätzliche Transistor zieht einen Basisstrom aus dem Referenzzweig; bis vier Ausgänge bleibt der Fehler unter 2 %.

Bauteilliste

BezeichnerWert/TypHinweis
T1, T2BC547Bgleicher Typ, gleiche Gruppe, dicht beieinander
Rref1 kΩ, 0,5 Wlegt den Strom fest
RE1, RE2100 Ω, 1 %Toleranz bestimmt die Genauigkeit des Verhältnisses
LED1–3weiß, 20-mA-Typzusammen 8,5 bis 10 V

Varianten

PNP-Spiegel. Mit BC557B an der Plusschiene schiebt der Spiegel Strom in eine Last, die an Masse hängt. Das ist die übliche Bauform als aktive Last in Verstärkern.

Wilson-Spiegel. Ein dritter Transistor im Ausgangszweig regelt die Kollektorspannung von T1 nach und hebt den Ausgangswiderstand um etwa den Faktor hFE/2. Der Basisstromfehler sinkt auf 2 / hFE2.

Widlar-Stromquelle. Nur RE2 bekommt einen Widerstand, RE1 entfällt. Dann ist der Ausgangsstrom viel kleiner als der Referenzstrom, etwa 50 μA aus 1 mA mit nur 1,5 kΩ. So erzeugt man in ICs kleine Ruheströme ohne riesige Widerstände.

Unabhängig von der Versorgung. Ersetzt du Rref durch eine Referenz, etwa eine Z-Diode mit Widerstand an der Basis eines einzelnen Transistors, wird daraus eine Konstantstromquelle mit Transistor. Für LED-Ketten mit größeren Strömen ist die Konstantstromquelle mit LM317 bequemer.

Typische Fehler

  • Ausgangsstrom viel zu groß oder zu klein: Ohne Emitterwiderstände und mit zwei Transistoren verschiedener Gruppen (A und C) können die Ströme um den Faktor zwei auseinanderliegen. Emitterwiderstände einbauen oder einen Doppeltransistor wie den BCM847BS nehmen.
  • Strom driftet beim Erwärmen: T2 wird durch seine Verlustleistung wärmer als T1, seine Basis-Emitter-Spannung sinkt um 2 mV/K, und er zieht mehr Strom (Temperaturverhalten von Halbleitern). Abhilfe: Emitterwiderstände, thermischer Kontakt zwischen beiden.
  • Kein Strom am Ausgang: Die Last braucht mehr Spannung, als übrig ist; T2 ist gesättigt. Miss die Kollektor-Emitter-Spannung von T2, sie muss über 0,3 V liegen.
  • Spiegel schwingt: Bei langen Leitungen zu den Lasten und schnellen Transistoren selten, aber möglich. Ein Kondensator von 10 nF von der Basisleitung nach Masse beruhigt.

Selbsttest

Warum ist T1 als Diode geschaltet?

Damit er sich selbst die Basis-Emitter-Spannung einstellt, die zum Referenzstrom gehört. Diese Spannung gibt er an T2 weiter.

Was passiert mit dem LED-Strom, wenn die Versorgung von 12 V auf 13 V steigt?

Der Referenzstrom steigt auf etwa 12,35 V / 1,1 kΩ ≈ 11,2 mA, der Ausgangsstrom mit. Der Spiegel kopiert, er stabilisiert nicht.

Wie bekommst du am Ausgang den doppelten Strom?

RE2 halbieren, also 47 Ω statt 100 Ω, oder zwei Ausgangstransistoren parallel mit je eigenem 100-Ω-Widerstand.

Warum verbessern Emitterwiderstände die Genauigkeit?

Ein Unterschied der Basis-Emitter-Spannungen verteilt sich jetzt auf rund 1 V am Widerstand statt auf die 26 mV der Exponentialkennlinie.

Welche Spannung braucht T2 mindestens am Kollektor?

Die Spannung an RE2 plus die Sättigungsspannung, hier etwa 1 V + 0,2 V ≈ 1,2 V.