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Brückengleichrichter

Wie vier Dioden in der Graetz-Brücke beide Halbwellen nutzen, welche Spannungen und Verluste entstehen und wie du die passende Brücke auswählst.

7 Min. LesezeitBrückengleichrichterGraetz-BrückeGleichrichterVollweggleichrichter

In jedem Gerät, das aus Wechselspannung eine Gleichspannung macht, sitzt er irgendwo am Anfang: im klassischen Trafonetzteil direkt hinter der Sekundärwicklung, im Schaltnetzteil gleich hinter dem Netzfilter, in der LED-Lampe im Sockel. Oft ist es ein kleiner schwarzer Block mit vier Beinen und den Zeichen ~, ~, + und −. Darin stecken vier Dioden, die so verschaltet sind, dass beide Halbwellen der Wechselspannung in dieselbe Richtung durch die Last fließen. Nach ihrem Erfinder Leo Graetz heißt die Schaltung auch Graetz-Brücke.

Aufbau und Funktionsweise

Eine einzelne Diode lässt nur jede zweite Halbwelle durch; die andere Hälfte der Energie bleibt ungenutzt. Die Brücke ordnet vier Dioden in einer Raute an. An zwei gegenüberliegenden Ecken liegt die Wechselspannung, an den beiden anderen wird die Gleichspannung abgenommen. Alle vier Dioden zeigen zur Plus-Ecke hin und von der Minus-Ecke weg.

  • Positive Halbwelle: Der linke Wechselspannungsanschluss ist positiv. Der Strom fließt durch die obere linke Diode zum Pluspol, durch die Last und über die untere rechte Diode zurück.
  • Negative Halbwelle: Jetzt ist der rechte Anschluss positiv. Der Strom nimmt die obere rechte Diode zum Pluspol, fließt wieder in derselben Richtung durch die Last und kehrt über die untere linke Diode zurück.
Brückengleichrichter in der positiven Halbwelle: Strom vom Plus-Anschluss über die obere linke Diode, durch R_L nach unten und über die untere rechte Diode zurück
Positive Halbwelle: Zwei Dioden leiten, die anderen beiden sperren. In der negativen Halbwelle wechseln sich die Paare ab – durch die Last fließt der Strom immer nach unten.

Es leiten also immer zwei Dioden in Reihe, die anderen beiden sperren. Das Ergebnis ist eine pulsierende Gleichspannung mit der doppelten Netzfrequenz: Aus 50 Hz werden 100 Halbwellen pro Sekunde. Mehr zur Rechnung mit Mittel- und Effektivwerten findest du unter Gleichrichtwert.

Schaltzeichen

Im Schaltplan zeichnet man die Brücke als Raute aus vier Diodensymbolen. Die Wechselspannungsanschlüsse tragen das Zeichen ~, die Gleichspannungsanschlüsse + und −. Viele Bibliotheken bieten auch ein Blocksymbol: ein Quadrat mit einem Diodenzeichen darin und den vier Anschlüssen. Allgemeine Regeln für Schaltzeichen findest du unter Schaltzeichen.

Schaltzeichen des Brückengleichrichters als Raute aus vier Dioden mit den Anschlüssen ~, ~, + und −
Alle Dioden zeigen zur Plus-Ecke: Die Raute ist das übliche Symbol der Graetz-Brücke.

Kennwerte

Ein Brückengleichrichter ist elektrisch nichts anderes als vier gleiche Dioden; das Datenblatt nennt die Werte pro Diode bzw. für die ganze Brücke:

KennwertBedeutungMB6S (SMD)GBU4M (bedrahtet)
URRMSperrspannung je Diode600 V1000 V
IF(AV)mittlerer Ausgangsstrom0,5 A4 A mit Kühlung, ohne deutlich weniger
IFSMStoßstrom, eine Halbwelle35 Arund 150 A
UFDurchlassspannung je Diode1,0 V bei 0,4 Aetwa 1,0 V bei 4 A
RthJAWärmewiderstand zur Umgebung70–85 K/Wstark abhängig von der Montage

Der Nennstrom gilt fast immer für eine bestimmte Gehäuse- oder Umgebungstemperatur und Montage. Beim GBU4 bezieht sich der volle Wert auf einen Aluminium-Kühlkörper; frei auf der Platine darf er nur einen Teil davon führen. Wie du das abschätzt, zeigt Wärme und Kühlung.

Bei älteren europäischen Typen steckt die Dimensionierung direkt im Namen: B250C1000 steht für eine Brücke (B) für bis zu 250 V Wechselspannung bei kapazitiver Last (C) und 1000 mA Strom. Eine B40C800 ist entsprechend für 40 V und 0,8 A gedacht.

Bauformen

Vom winzigen SMD-Baustein bis zum verschraubten Leistungsblock:

  • MBS / MBF: SMD mit vier Beinen, um 0,5–1 A, in Ladegeräten und LED-Treibern.
  • DB / DIP: bedrahtet wie ein kleines IC-Gehäuse, um 1–1,5 A.
  • GBU / KBU / KBP: flache Einreihenbauform mit vier Beinen, 2–8 A, oft mit Loch für einen Kühlkörper.
  • KBPC: quadratischer Block mit Flachsteckern oder Drahtanschlüssen und Schraubloch, 15–50 A.
Brückengleichrichter in den Bauformen MBS, DB, GBU und KBPC
Vier Bauformen für 0,5 A bis 50 A. Die Anschlüsse sind auf dem Gehäuse mit ~, ~, + und − bedruckt.

Die Belegung ist auf dem Gehäuse aufgedruckt, aber nicht einheitlich: Bei Einreihengehäusen sitzt + oft außen und ist durch eine abgeschrägte Ecke oder ein längeres Bein markiert. Natürlich lässt sich eine Brücke auch aus vier einzelnen Dioden aufbauen, etwa aus 1N4007 – sinnvoll, wenn die Wärme besser verteilt werden soll oder Schottky-Dioden mit kleinerem Spannungsabfall gebraucht werden.

Das Trafonetzteil durchgerechnet

Die typische Anwendung: Trafo, Brücke, Ladekondensator. Der Kondensator lädt sich in den Spannungsspitzen auf und versorgt die Last dazwischen. Dadurch schwankt die Ausgangsspannung nur noch um die Brummspannung ΔU. Weil die Last den Kondensator zwischen zwei Spitzen fast mit konstantem Strom entlädt, gilt näherungsweise:

ΔU ≈ I2 · f · C
Netzteil: Trafo 230 V auf 12 V, Brückengleichrichter GBU4, Ladekondensator 4700 µF und Last mit 1 A, Ausgang etwa 15 V
Ein ungeregeltes Netzteil: Die Brücke lädt den Kondensator in jeder Halbwelle nach.

Mit dem Rechner kannst du Kondensator und Brummspannung für deine Werte bestimmen:

Rechner

Gleichrichter und Siebkondensator

Scheitelwert am Trafo
16,97 V
Leerlauf am Elko
15,57 V
Gleichspannung mit Last
15,07 V
Tiefster Wert
14,57 V
Brummfrequenz
100 Hz
Kapazität rechnerisch
10 mF
Elko nach E6
10 mF
Elko-Nennspannung (mind. 17,27 V)
25 V
Sperrspannung Dioden ≥
18,67 V
Nachladen je Halbwelle
1,15 ms
Diodenstrom beim Nachladen ≈
8,72 A
Netz50 Hz12 V eff.+C10 mFLast1 AUDC ≈ 15,07 V15,57 V14,68 V12,57 V010 ms20 ms30 ms40 msuC am Elko, Brumm mit 10 mF: 889 mVZeit t – gestrichelt: gleichgerichtete Trafospannung, Achse beginnt nicht bei 0

Û = √2 · Ueff; Uleer = Û − n · UF (zwei Dioden im Strompfad); C = I / (fBr · UBr) mit fBr = 2 · f; UDC ≈ Uleer − UBr/2. Die Formel nimmt an, dass der Elko die ganze Brummperiode lang entladen wird – das liegt auf der sicheren Seite. Spannungsfestigkeit für Netz +10 % im Leerlauf; kleine Trafos liefern ohne Last zusätzlich 10 bis 25 % mehr als ihre Nennspannung, das steht im Datenblatt. Den Trafo legst du für deutlich mehr Effektivstrom aus als den Gleichstrom – Faustwert 1,8 · I. Der Diodenstrom beim Nachladen ist ein Mittelwert für eine ideale Quelle; die Spitzen liegen höher, Wicklungswiderstand und Streuinduktivität flachen sie ab.

Weitere Anwendungen

  • Netzgleichrichter in Schaltnetzteilen: Direkt an 230 V entstehen rund 325 V Scheitelspannung. Hier brauchst du mindestens 600 V Sperrspannung, und der Einschaltstrom in den leeren Kondensator muss unter IFSM bleiben – oft begrenzt ihn ein NTC-Heißleiter.
  • Verpolungssicherer Eingang: Eine Brücke vor einem Gerät sorgt dafür, dass es mit beliebiger Polarität arbeitet. Modellbahndecoder, Türsprechstellen und Power-over-Ethernet-Geräte nutzen das. Der Preis sind zwei Diodenspannungen.
  • Messgleichrichter: In analogen Wechselspannungsmessgeräten richtet eine kleine Brücke den Messstrom gleich.

Bei kleinen Spannungen und großen Strömen sind die Verluste der Siliziumdioden lästig. Dann helfen eine Brücke aus Schottky-Dioden oder eine aktive Brücke aus vier MOSFETs mit Steuer-IC, die nur noch wenige Zehntel Volt verliert.

Auswahl und Praxistipps

  1. Sperrspannung: mindestens die Scheitelspannung mit Reserve – bei Netzanwendungen 600 V oder mehr.
  2. Strom: Durchschnittsstrom der Last plus Reserve; prüfe, unter welcher Kühlbedingung der Nennwert gilt.
  3. Stoßstrom: Beim Einschalten lädt sich der leere Kondensator über die Brücke auf. Große Kondensatoren direkt am Netz brauchen eine Einschaltstrombegrenzung.
  4. Verluste und Wärme: 2 · UF · I abschätzen und mit dem Wärmewiderstand die Temperatur prüfen.

Häufige Fehler:

  • Oszilloskop-Masse an den Minuspol gelegt, während die Brücke direkt am Netz hängt: Die Masse des Oszilloskops ist geerdet, der Minuspol der Brücke liegt aber in einer Halbwelle über eine Diode am Außenleiter. Das gibt einen Kurzschluss über die Schutzerde. Messen an netzseitigen Schaltungen nur mit Trenntrafo oder Differenztastkopf.
  • Einen Wechselspannungsanschluss mit der Schaltungsmasse verbunden: Dann schließt eine der Dioden die Trafowicklung bei jeder zweiten Halbwelle kurz.
  • ~ und + verwechselt: Ein gedrehter Einbau verbindet die Wechselspannung direkt mit dem Elko. Die Belegung immer am Gehäuse und im Datenblatt prüfen.
  • Brummspannung vergessen: Ein Regler hinter der Brücke braucht seine Mindestspannung auch im Tal der Brummspannung.

Selbsttest

Wie viele Dioden leiten in einem Brückengleichrichter gleichzeitig?

Zwei, in Reihe; die anderen beiden sperren.

Welche Frequenz hat die Brummspannung hinter einer Brücke an 50 Hz?

100 Hz, weil beide Halbwellen genutzt werden.

Ein Trafo liefert 9 V Effektivwert. Auf welche Spannung lädt sich der Ladekondensator ungefähr auf?

9 V · 1,414 ≈ 12,7 V, abzüglich etwa 1,5 bis 2 V für zwei Dioden – also rund 11 V.

Wie groß ist die Brummspannung bei 0,5 A und 2200 µF an 50 Hz?

ΔU ≈ 0,5 A / (2 · 50 Hz · 2200 µF) ≈ 2,3 V.

Was bedeutet die Bezeichnung B80C1500?

Ein Brückengleichrichter für bis zu 80 V Wechselspannung bei kapazitiver Last und 1,5 A.