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Batterie-Backup und Power-Path

Ein Gerät läuft an USB und schaltet ohne Unterbrechung auf den Akku um: Power-Path mit Schottky-Diode und P-MOSFET, Lader und LDO durchgerechnet.

8 Min. LesezeitPower-PathBatterie-BackupAkku-UmschaltungUSB und Akku

Ein Datenlogger, eine Wetterstation oder ein smarter Türsensor soll am USB-Netzteil laufen und dabei seinen Akku laden – und bei einem Stromausfall einfach weiterarbeiten. Hängst du das Gerät direkt an den Akku und lädst diesen gleichzeitig, gibt es zwei Probleme: Der Lader sieht den Strom des Geräts als Ladestrom und erkennt das Ladeende nicht, und der Akku wird dauernd ein wenig ge- und entladen. Die Lösung heißt Power-Path: Steckt USB, versorgt USB das Gerät und lädt nebenbei den Akku. Fällt USB weg, schaltet die Schaltung den Akku ohne Unterbrechung auf die Last.

Dafür reichen eine Schottky-Diode, ein P-Kanal-MOSFET und ein Widerstand. Der Lader stammt aus der Ladeschaltung für Li-Ion-Zellen, dahinter erzeugt ein LDO-Regler 3,3 V für einen Mikrocontroller wie den ESP32.

Schaltplan

Power-Path: USB +5 V über Schottky-Diode D1 SS14 an die Lastschiene; P-MOSFET Q1 AO3401A mit Source an der Lastschiene, Drain am Akku und Gate am USB-Eingang; R1 10 kΩ vom USB-Eingang nach Masse; Lader TP4056 vom USB-Eingang an den Akku 3,0 bis 4,2 V; Lastschiene mit C2 10 µF an VIN und EN des LDO AP2112K-3.3; Ausgang 3,3 V bis 300 mA mit C3 10 µF
Steckt USB, sperrt Q1, und die Last hängt über D1 am Netzteil. Fehlt USB, zieht R1 das Gate auf Masse, und Q1 verbindet den Akku mit der Last.
  • D1, SS14: Schottky-Diode 1 A, 40 V. Sie führt den Laststrom aus USB und verhindert, dass der Akku in den USB-Anschluss zurückspeist.
  • Q1, AO3401A: P-Kanal-MOSFET im SOT-23, −30 V, −4 A, etwa 50 mΩ. Er verbindet den Akku mit der Last, wenn USB fehlt.
  • R1, 10 kΩ: zieht das Gate von Q1 ohne USB auf Masse.
  • IC1, TP4056: Lader, versorgt allein aus USB. Er sieht nur den Akku, nicht die Last.
  • IC2, AP2112K-3.3: LDO mit 3,3 V und bis 600 mA, mit 1 µF bis 10 µF Keramik stabil.
  • C2, C3, 10 µF: Keramik an der Lastschiene und am Ausgang.

So funktioniert die Schaltung

USB steckt. Die Lastschiene liegt über D1 bei 5 V − 0,35 V = 4,65 V. Das Gate von Q1 hängt direkt an 5 V, seine Source an 4,65 V: Die Gate-Source-Spannung ist positiv, ein P-MOSFET sperrt dann. Auch seine Body-Diode, die vom Drain (Akku) zur Source (Last) zeigt, sperrt, solange der Akku unter 4,65 V liegt – mit höchstens 4,2 V ist das sicher. Der Lader lädt den Akku ungestört.

USB fehlt. R1 zieht das Gate auf 0 V. Die Source liegt zunächst über die Body-Diode bei etwa UAkku − 0,65 V; die Gate-Source-Spannung wird damit deutlich negativ, Q1 schaltet durch und überbrückt seine eigene Body-Diode. Die Last hängt jetzt mit nur wenigen Millivolt Verlust am Akku. D1 sperrt in Gegenrichtung, sodass der Akku weder den Lader noch den USB-Anschluss speist.

Wie bei jedem P-MOSFET als High-Side-Schalter ist der Trick, die Gate-Spannung relativ zur Source zu sehen. Ungewöhnlich ist nur die Einbaurichtung: Die Source zeigt zur Last, damit die Body-Diode in der Umschaltlücke schon leitet.

Spannungsverlauf beim Abziehen von USB: Lastschiene fällt von 4,65 V auf 3,05 V und bleibt dort etwa 40 ms, während das Gate über R1 entladen wird; danach steigt sie auf 3,68 V; der 3,3-V-Ausgang sinkt in der Lücke kurz auf 2,93 V
Vereinfachter Verlauf. In der Lücke trägt die Body-Diode die Last; der Ausgang fällt nie aus, sinkt aber kurz unter 3,3 V.

Dimensionierung

Gegeben: ESP32-Board mit 3,3 V, im Mittel 80 mA, Spitzen bis 300 mA; Li-Ion-Zelle 2000 mAh; USB-Netzteil 5 V, 1 A.

1. Diode D1. Bei 300 mA hat die SS14 etwa 0,35 V Flussspannung und setzt 0,35 V · 0,3 A ≈ 0,1 W um. Sperren muss sie höchstens 4,2 V. Eine Silizium-Diode wie die 1N4001 ginge auch, doch mit 0,8 V läge die Lastschiene bei 4,2 V – dann könnte die Body-Diode bei vollem Akku nicht mehr sicher sperren.

2. MOSFET Q1. Ohne USB liegt am Gate 0 V, an der Source rund 3,7 V: UGS ≈ −3,7 V. Die Schwellspannung des AO3401A liegt bei −0,5 bis −1,3 V, er leitet also voll. Mit etwa 60 mΩ:

ΔU = I · RDS(on) = 0,3 A · 60 mΩ = 18 mV P = I2 · RDS(on) = (0,3 A)2 · 60 mΩ ≈ 5 mW

Selbst bei leerer Zelle mit 3,0 V bleibt UGS weit genug unter der Schwelle. Ein MOSFET mit −2 bis −3 V Schwelle wäre hier zu knapp; nimm einen Typ, der im Datenblatt bei −2,5 V spezifiziert ist.

3. Gate-Widerstand R1 und Umschaltlücke. R1 entlädt den USB-Eingang samt Kondensator C1 des Laders (10 µF) mit τ = R1 · C = 10 kΩ · 10 µF = 100 ms. Q1 schaltet ein, wenn das Gate etwa 1 V unter die Source gefallen ist, also unter 2,05 V:

t = τ · ln 3,05 V2,05 V ≈ 40 ms

So lange trägt die Body-Diode den Strom, und am LDO liegen nur 3,05 V an. Er gibt dann etwa 2,93 V aus – für die meisten Mikrocontroller kein Problem, der ESP32 etwa löst seinen Brown-out-Reset erst deutlich darunter aus. Ein größeres R1 verlängert die Lücke; 100 kΩ, wie man es oft sieht, ergäbe 400 ms. Mit USB fließen durch R1 nur 0,5 mA.

4. LDO. Der AP2112K hat bei 300 mA etwa 125 mV Dropout. Er regelt also, solange der Akku über 3,3 V + 0,125 V ≈ 3,43 V liegt. Darunter folgt der Ausgang der Zelle; ab etwa 3,0 V Zellspannung sollte die Software abschalten. Die Verlustleistung im Akkubetrieb ist höchstens (4,2 V − 3,3 V) · 0,3 A ≈ 0,27 W in der Spitze, im Mittel (3,7 V − 3,3 V) · 0,08 A ≈ 32 mW.

5. USB-Strombudget. Lädt der Akku mit 500 mA und läuft das Board mit 300 mA Spitze, braucht USB bis 0,8 A. Ein Rechner-Anschluss nach USB 2.0 liefert nur 500 mA – dort stellst du den Ladestrom mit 2,7 kΩ auf 444 mA ein oder nimmst ein Netzteil mit 1 A.

Rechner

Laufzeit von Akku und USV

Gespeicherte Energie
86,4 Wh
Nutzbar
58,8 Wh
Laufzeit
59 min
Akku7,2 Ah · 12 V = 86,4 Wh58,8 Whnutzbar 58,8 WhWandlerverlust (85 %) 10,4 WhReserve (80 % genutzt) 17,3 WhP = 60 WLast60 WLaufzeit59 min

Bauteilliste

BezeichnerWert/TypHinweis
D1SS14Schottky 1 A, 40 V, SMA
Q1AO3401AP-MOSFET, SOT-23, spezifiziert bei −2,5 V
R110 kΩGate-Pulldown
IC1TP4056 mit R_PROG 2,4 kΩBeschaltung siehe Ladeschaltung
IC2AP2112K-3.3LDO, SOT-23-5, Pin 1 VIN, 2 GND, 3 EN, 5 VOUT
C2, C310 µF, 10 VKeramik X5R
AkkuLi-Ion 2000 mAhmit Schutzschaltung

Varianten

Ideale Diode statt D1. Die 0,35 V an D1 kosten im USB-Betrieb 0,1 W. Ein Ideal-Dioden-IC wie der LM66100 ersetzt die Schottky-Diode durch einen geregelten MOSFET mit wenigen Millivolt Verlust; das Prinzip der einfachen Diodenlösung zeigt die Dioden-ODER-Schaltung.

Alles in einem IC. Lader mit eingebautem Power-Path wie der MCP73871 oder der BQ24074 erledigen Umschaltung, Ladestromaufteilung und Temperaturüberwachung selbst. Sie geben der Last Vorrang und laden den Akku nur mit dem Rest des USB-Stroms.

5-V-Ausgang. Braucht das Gerät 5 V auch im Akkubetrieb, folgt statt des LDO ein Aufwärtswandler (Boost). Im USB-Betrieb liegen an dessen Eingang dann 4,65 V, im Akkubetrieb 3 bis 4,2 V.

Größere Anlagen. Für 12-V- und 24-V-Systeme mit Bleiakku arbeitet dasselbe Prinzip mit größeren Bauteilen; Grundlagen zu solchen Anlagen stehen unter USV. Gegen falsch angeschlossene Akkus hilft zusätzlich ein Verpolungsschutz mit MOSFET.

Typische Fehler

  • Q1 falsch herum: Liegen Drain und Source vertauscht, zeigt die Body-Diode vom USB-Zweig in den Akku. Der Akku wird dann ungeregelt aus 4,65 V geladen – gefährlich. Die Source gehört an die Lastschiene.
  • Akku entlädt sich langsam bei gestecktem USB: Die Lastschiene liegt nicht hoch genug über dem Akku, etwa wegen einer Silizium-Diode statt Schottky. Die Body-Diode leitet dann schwach.
  • Gerät startet beim Abziehen neu: Die Umschaltlücke ist zu lang oder die Spannung darin zu tief. R1 verkleinern, Kondensatoren am USB-Eingang klein halten oder einen größeren Kondensator an die Lastschiene setzen.
  • Q1 schaltet bei Hitze nicht richtig ein: Der Sperrstrom der Schottky-Diode steigt mit der Temperatur stark und lädt über R1 das Gate auf. Bei 100 kΩ reichen einige zehn Mikroampere, um Q1 halb offen zu halten; mit 10 kΩ bleibt Reserve.
  • Ladung endet nie: Die Last hängt doch direkt am Akku statt an der Lastschiene. Prüfe, ob der Lader wirklich nur den Akku sieht.

Selbsttest

Warum sperrt Q1, wenn USB steckt?

Sein Gate liegt auf 5 V, die Source auf 4,65 V. Die Gate-Source-Spannung ist positiv, ein P-MOSFET leitet aber nur bei deutlich negativer Gate-Source-Spannung.

Wozu ist die Body-Diode von Q1 nützlich?

Sie überbrückt die Zeit, bis das Gate entladen ist. Die Last verliert dadurch nie ganz die Versorgung.

Warum hängt der Lader am USB-Eingang und nicht an der Lastschiene?

Er soll nur den Akku sehen. Säße die Last zwischen Lader und Akku, würde der Lader ihren Strom als Ladestrom messen und das Ladeende verpassen.

Wie lange dauert die Umschaltlücke mit R1 = 22 kΩ?

τ = 22 kΩ · 10 µF = 220 ms, also etwa 220 ms · 0,4 ≈ 88 ms.

Wie groß ist der Spannungsfall an Q1 bei 500 mA und 60 mΩ?

0,5 A · 60 mΩ = 30 mV.