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OTA – Transkonduktanzverstärker

Wie ein OTA aus Spannung Strom macht, warum sich seine Verstärkung per Steuerstrom einstellen lässt und wie du mit dem LM13700 einen VCA baust.

7 Min. LesezeitOTATranskonduktanzverstärkerOperational Transconductance AmplifierLM13700

In einem analogen Synthesizer dreht niemand am Lautstärkeregler, wenn ein Ton ein- und ausklingt – das erledigt eine Steuerspannung. Auch Filter, deren Grenzfrequenz einer Hüllkurve folgt, oder Kompressoren, die laute Stellen automatisch leiser machen, brauchen einen Verstärker, dessen Verstärkung sich elektrisch einstellen lässt. Der klassische Baustein dafür ist der OTA, der Operational Transconductance Amplifier. Er sieht im Schaltplan aus wie ein Operationsverstärker, liefert aber keinen Spannungs-, sondern einen Strom-Ausgang – und seine Verstärkung hängt an einem Steuerstrom.

Aufbau und Funktionsweise

Das Herz eines OTA ist ein Differenzverstärker aus zwei Bipolartransistoren, deren gemeinsamer Emitterstrom von außen vorgegeben wird. Dieser Strom heißt IABC (Amplifier Bias Current). Eine Spannungsdifferenz zwischen den Eingängen verschiebt den Strom von einem Transistor zum anderen. Drei Stromspiegel bilden die Differenz der beiden Kollektorströme und geben sie am Ausgang aus – als Strom, der in eine Last hinein- oder aus ihr herausfließt.

Der Zusammenhang zwischen Eingangsspannung UD und Ausgangsstrom heißt Steilheit oder Transkonduktanz gm. Sie ist ein Leitwert und wird in Siemens angegeben:

IA = gm · UD gm ≈ IABC2 · UT ≈ 19,2 1V · IABC

UT ist die Temperaturspannung, bei Raumtemperatur rund 26 mV. Entscheidend ist: gm ist proportional zu IABC. Verdoppelst du den Steuerstrom, verdoppelt sich die Verstärkung. Über rund drei Dekaden, etwa von 1 µA bis 1 mA, funktioniert das sauber.

Weil der Ausgang ein Strom ist, hat der OTA einen hohen Ausgangswiderstand – das Gegenteil eines OPV. Erst ein Lastwiderstand RL macht aus dem Strom eine Spannung. Die Spannungsverstärkung ist dann

V = gm · RL

Wie man Verstärkungsfaktoren in Dezibel umrechnet, zeigt Verstärkung und Dämpfung.

Schaltzeichen

Der OTA wird wie ein OPV als Dreieck mit einem invertierenden und einem nichtinvertierenden Eingang gezeichnet. Dazu kommt ein dritter Eingang für den Steuerstrom, meist an der Ober- oder Unterkante, beschriftet mit IABC. Viele Zeichner setzen an die Spitze zusätzlich das Symbol einer Stromquelle, um den Stromausgang deutlich zu machen.

Schaltzeichen eines OTA: Dreieck mit Eingängen minus und plus, Steuereingang I_ABC an der Unterkante und Stromquellensymbol am Ausgang
Der Steuereingang I_ABC unterscheidet den OTA vom gewöhnlichen OPV.

Kennlinie: nur kleine Eingangsspannungen

Der Differenzverstärker im OTA arbeitet ohne Gegenkopplung. Seine Übertragungskennlinie ist deshalb nur in der Mitte gerade. Schon ab etwa ±10 mV Eingangsspannung wird sie merklich krumm, ab rund ±100 mV liefert der Ausgang praktisch seinen Höchststrom ±IABC, egal, wie groß die Eingangsspannung noch wird. Der genaue Verlauf folgt dem Tangens hyperbolicus.

Übertragungskennlinie eines OTA: Ausgangsstrom über Differenzspannung, linear um null, Sättigung bei plus und minus I_ABC
Nur in einem schmalen Bereich um null ist der Ausgangsstrom proportional zur Eingangsspannung.

In der Praxis teilst du das Eingangssignal deshalb mit einem Spannungsteiler auf wenige zehn Millivolt herunter. Der LM13700 enthält zusätzlich Linearisierungsdioden an den Eingängen. Sie werden mit einem eigenen Strom vorgespannt und gleichen die Krümmung der Transistorkennlinie aus. Damit verträgt der Baustein bei gleicher Verzerrung deutlich größere Eingangssignale.

Kennwerte des LM13700

Der Klassiker CA3080 ist abgekündigt. Der heute übliche Typ ist der LM13700 mit zwei OTAs, Linearisierungsdioden und je einem Darlington-Puffer im DIP-16- oder SOIC-16-Gehäuse. Es gibt ihn von mehreren Herstellern, teils unter Bezeichnungen wie NJM13700. Die Werte gelten bei ±15 V:

KennwertLM13700
Versorgungbis ±18 V bzw. 36 V
Steilheit gm bei IABC = 500 µA6,7–13 mS, typisch 9,6 mS
Steuerstrom IABCbis 2 mA (absolut max.)
Ausgangsstrom bei IABC = 500 µA350–650 µA
Offset bei IABC = 500 µA0,4 mV typ., 5 mV max.
Slew-Rate50 V/µs
Gleichlauf der zwei Kanäle (gm-Tracking)0,3 dB
Ausgangsstrom der Pufferbis 20 mA

Der Eingang für IABC liegt intern etwa 1,4 V über der negativen Versorgung. Den Steuerstrom stellst du deshalb meist mit einem Widerstand von einer Steuerspannung aus ein. Wie eine Stromquelle grundsätzlich arbeitet, erklärt Konstantstromquelle.

Pinbelegung des LM13700 im DIP-16 von oben mit zwei OTAs, Diode Bias, Amp Bias, Ein- und Ausgängen und Puffern
Die beiden Hälften des LM13700 liegen spiegelbildlich; V− an Pin 6, V+ an Pin 11.

Anwendung: spannungsgesteuerter Verstärker (VCA)

Die Grundschaltung des VCA besteht aus einem Eingangsteiler, dem OTA, einem Lastwiderstand und einem Widerstand für den Steuerstrom. Der Puffer des LM13700 entkoppelt den hochohmigen Ausgang von der nächsten Stufe.

VCA mit OTA: Eingangsteiler 10 kΩ und 220 Ω, Lastwiderstand 10 kΩ am Ausgang, Steuerstrom über 56 kΩ von der Steuerspannung
Der Steuerstrom über R_ABC bestimmt, wie stark das Signal verstärkt wird.

Der Ausgangsstrom darf dabei nie größer sein als IABC. Hier sind es bei voller Aussteuerung etwa 1,05 V / 10 kΩ ≈ 105 µA Spitze – gut unter den 511 µA.

Weitere Anwendungen

  • Steuerbares Filter: Treibt der Stromausgang einen Kondensator statt eines Widerstands, entsteht ein Integrator. Als Spannungsfolger beschaltet, wird daraus ein Tiefpass mit fg = gm / (2π · C), solange das Signal klein bleibt. Mit gm = 96 µS (also IABC = 5 µA) und C = 10 nF liegt fg bei etwa 1,5 kHz; bei hundertfachem Steuerstrom bei 150 kHz. Der Grundgedanke ist derselbe wie beim RC-Glied, nur dass gm den Widerstand ersetzt.
  • Steuerbarer Widerstand: Ein OTA mit Rückführung vom Ausgang auf den Eingang verhält sich wie ein Widerstand vom Wert 1/gm – ein elektronisches Potentiometer ohne Schleifer.
  • Regelverstärker (AGC) und Kompressor: Ein Gleichrichter misst den Ausgangspegel und senkt bei lauten Signalen den Steuerstrom.
  • Modulator: Ein Signal am Steuereingang moduliert die Amplitude eines anderen Signals.
  • In ICs: Viele CMOS-Operationsverstärker und Filter in Chips sind intern als OTA aufgebaut. Als einzelnes Bauteil ist der OTA heute vor allem in Audio- und Synthesizerschaltungen zu Hause.

Auswahl und Praxistipps

Für neue Schaltungen mit digitaler Steuerung sind ein Digitalpotentiometer oder ein Mikrocontroller mit DSP oft einfacher. Der OTA spielt seine Stärken aus, wenn die Steuerung analog und schnell sein soll, etwa in Synthesizern oder Analogrechnern.

Häufige Fehler:

  • Eingangssignal zu groß: Mehr als einige zehn Millivolt ohne Linearisierungsdioden verzerren hörbar. Teile das Signal herunter.
  • Steuereingang an eine Spannung gelegt: IABC ist ein Strom. Ohne Vorwiderstand fließt zu viel; über 2 mA wird der Baustein beschädigt.
  • Temperatur vergessen: gm hängt über UT von der Temperatur ab und sinkt um etwa 0,3 % pro Kelvin. Für genaue Verstärkungen braucht es eine Regelschleife oder Kompensation. Mehr dazu unter Temperaturverhalten von Halbleitern.
  • Steuerdurchgriff: Ändert sich IABC schnell, erscheint ein Teil davon als Knacken im Ausgang. Abgleich des Offsets und ein symmetrischer Eingang mindern das.
  • Puffer falsch belastet: Der Darlington-Puffer braucht einen Emitterwiderstand nach V−, sonst arbeitet er nicht. Sein Ausgang liegt rund 1,4 V unter dem Eingang.

Selbsttest

Was liefert ein OTA am Ausgang?

Einen Strom, der proportional zur Differenzspannung an den Eingängen ist: IA = gm · UD.

Wie groß ist gm beim LM13700 mit IABC = 200 µA?

Etwa 19,2 / V · 0,2 mA ≈ 3,8 mS.

Welche Spannungsverstärkung ergibt sich damit an RL = 4,7 kΩ?

V = 3,8 mS · 4,7 kΩ ≈ 18.

Warum teilt man das Eingangssignal herunter?

Die Kennlinie ist nur für wenige Millivolt bis einige zehn Millivolt linear; größere Signale werden verzerrt.

Wozu dienen die Linearisierungsdioden im LM13700?

Sie gleichen die gekrümmte Kennlinie des Differenzverstärkers aus, sodass größere Eingangssignale mit geringer Verzerrung verarbeitet werden.