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OPV-Grundschaltungen

Spannungsfolger, nichtinvertierender und invertierender Verstärker, Addierer, Subtrahierer und Integrierer: wie die Grundschaltungen arbeiten und wie du sie berechnest.

8 Min. LesezeitOPV-Grundschaltungennichtinvertierender Verstärkerinvertierender VerstärkerSpannungsfolger

Ein Operationsverstärker allein ist ein Differenzverstärker mit absurd hoher Verstärkung. Erst zwei oder drei Widerstände machen daraus etwas Nützliches: einen Puffer, einen Verstärker mit genau zehnfacher Verstärkung, einen Mischer für Audiosignale oder einen Integrierer. Mit sechs Grundschaltungen lässt sich der größte Teil aller OPV-Anwendungen verstehen. Für alle gilt dasselbe Werkzeug: die beiden Regeln für den idealen OPV mit Gegenkopplung.

  • Regel 1: Der Ausgang stellt sich so ein, dass zwischen + und − keine Spannung liegt.
  • Regel 2: In die Eingänge fließt kein Strom.

Mit diesen Regeln und der Knotenregel rechnest du jede Schaltung in wenigen Zeilen aus. Wo die Regeln an Grenzen stoßen – Offset, Bandbreite, Aussteuerbereich –, hilft Operationsverstärker in der Praxis weiter.

Spannungsfolger (Impedanzwandler)

Die einfachste Schaltung: Der Ausgang ist direkt mit dem invertierenden Eingang verbunden, das Signal kommt an den nichtinvertierenden. Nach Regel 1 ist U_− = U_+, und weil U_− = UA ist, folgt:

UA = UE

Die Verstärkung ist 1. Wozu das gut ist? Der Eingang belastet die Quelle praktisch nicht (Regel 2), der Ausgang kann dagegen Milliampere liefern. Ein hochohmiger Spannungsteiler, ein Sensor oder ein Kondensator wird so gepuffert, ohne dass die nachfolgende Schaltung ihn belastet.

Nichtinvertierender Verstärker

Das Signal liegt am +Eingang. Ein Spannungsteiler aus R2 (vom Ausgang zum −Eingang) und R1 (vom −Eingang nach Masse) führt einen Teil der Ausgangsspannung zurück. Nach Regel 1 muss am −Eingang die Eingangsspannung liegen; der Teiler verlangt dafür am Ausgang

UA = UE · (1 + R2R1)

Die Verstärkung ist immer mindestens 1, das Ausgangssignal hat dieselbe Polarität wie das Eingangssignal, und der Eingangswiderstand ist sehr hoch.

Nichtinvertierender Verstärker: Eingang an +, R2 = 56 kΩ vom Ausgang zum −Eingang, R1 = 10 kΩ vom −Eingang nach Masse, daneben der Spannungsfolger mit direkter Rückführung
Rechts der Spannungsfolger, links der nichtinvertierende Verstärker – der Teiler R1/R2 bestimmt die Verstärkung.

Rechne Verstärkung und Widerstände mit dem Rechner nach:

Rechner

Verstärkung eines Operationsverstärkers

Verstärkung V
11
In Dezibel
20,8 dB
Eingangswiderstand
sehr hoch (OPV-Eingang)
−+R2 = 100 kΩuausR1 = 10 kΩueinEingangAusgangV = 11

V = 1 + R2 / R1, mindestens 1 (Spannungsfolger ohne R1). Gilt für einen idealen OPV mit sehr hoher Leerlaufverstärkung. Die Bandbreite sinkt etwa auf GBW / (1 + R2/R1); der Ausgang kommt nur so weit an die Versorgung heran, wie das Datenblatt erlaubt (Rail-to-Rail oder nicht).

Invertierender Verstärker

Hier liegt der +Eingang an Masse. Das Signal kommt über R1 an den −Eingang, R2 führt vom Ausgang dorthin zurück. Nach Regel 1 liegt auch der −Eingang auf 0 V, obwohl er nicht mit Masse verbunden ist – man nennt diesen Punkt virtuelle Masse. Durch R1 fließt deshalb I = UE / R1. Weil in den Eingang kein Strom fließt (Regel 2), muss derselbe Strom durch R2 weiter zum Ausgang. Der Ausgang liegt um I · R2 unter der virtuellen Masse:

UA = -UE · R2R1

Das Minuszeichen bedeutet Phasenumkehr: Positive Eingangsspannungen werden negativ. Die Verstärkung kann auch kleiner als 1 sein. Der Eingangswiderstand der Schaltung ist genau R1 – deutlich kleiner als beim nichtinvertierenden Verstärker.

Invertierender Verstärker: Eingang über R1 = 10 kΩ an den −Eingang, R2 = 100 kΩ vom Ausgang zurück, +Eingang an Masse, virtuelle Masse markiert
Der −Eingang liegt auf virtueller Masse; der Strom durch R1 fließt vollständig durch R2.

Addierer (Summierverstärker)

Hängst du an die virtuelle Masse eines invertierenden Verstärkers mehrere Eingangswiderstände, addieren sich ihre Ströme im Knoten. Alle fließen gemeinsam durch R2:

UA = -R2 · (U1R11 + U2R12 + ...)

Weil der Knoten auf 0 V liegt, beeinflussen sich die Eingänge nicht gegenseitig. Das ist das Prinzip eines Audio-Mischpults: Jeder Kanal hat seinen eigenen Eingangswiderstand, ein Potentiometer davor regelt die Lautstärke. Mit gewichteten Widerständen (R, 2R, 4R, 8R) entsteht ein einfacher Digital-Analog-Wandler (siehe AD- und DA-Wandler).

Subtrahierer (Differenzverstärker)

Beim Subtrahierer kommen beide Eingänge zum Zug: U1 über R1 an den −Eingang, U2 über einen Teiler aus R3 und R4 an den +Eingang. Sind die Widerstandsverhältnisse gleich (R2/R1 = R4/R3), gilt

UA = R2R1 · (U2 - U1)

Mit vier gleichen Widerständen ist UA = U2 − U1. So misst du die Spannung an einem Shunt-Widerstand, der nicht an Masse liegt, oder entfernst eine Störung, die auf beiden Leitungen gleich ist.

Subtrahierer: U1 über R1 an den −Eingang, R2 vom Ausgang zurück, U2 über R3 an den +Eingang, R4 vom +Eingang nach Masse
Der Subtrahierer verstärkt nur die Differenz der beiden Eingangsspannungen.

Integrierer und Differenzierer

Ersetzt du im invertierenden Verstärker R2 durch einen Kondensator, entsteht ein Integrierer. Der Strom UE / R lädt den Kondensator, und weil dessen Spannung mit der Ladung wächst (siehe Kondensator im Gleichstromkreis), steigt die Ausgangsspannung bei konstanter Eingangsspannung linear an:

ΔUA = -UE · ΔtR · C

Tauschst du Widerstand und Kondensator, wird daraus ein Differenzierer, dessen Ausgang der Änderungsgeschwindigkeit des Eingangs folgt. Er verstärkt hohe Frequenzen immer stärker und neigt zu Rauschen und Schwingen; in der Praxis begrenzt ein Serienwiderstand vor dem Kondensator seine Verstärkung. Integrierer und Differenzierer sind die Bausteine aktiver Filter und von PID-Reglern; ihren Frequenzgang zeigt das Bode-Diagramm.

Einseitige Versorgung

Viele Schaltungen laufen heute an 5 V oder 3,3 V ohne negative Spannung. Ein Wechselsignal wie Audio muss dann um die Mitte der Versorgung schwingen. Dazu legst du den +Eingang über einen Teiler aus zwei gleichen Widerständen auf UB / 2 (mit einem Kondensator gegen Masse geglättet) und koppelst das Signal über Kondensatoren ein und aus. Gleichspannungen wie Sensorsignale nahe 0 V verlangen einen OPV, dessen Eingang und Ausgang bis an die Masse reichen.

Praxistipps und häufige Fehler

  • Verstärkung von über 100 in einer Stufe: Die Bandbreite sinkt mit der Verstärkung, Offset und Rauschen werden mitverstärkt. Teile große Verstärkungen auf zwei Stufen auf.
  • Widerstände zu klein: Unter etwa 1 kΩ belastet das Rückkopplungsnetzwerk den Ausgang. Über einige 100 kΩ werden Eingangsströme und Streukapazitäten zum Problem. Ein Bereich von 1–100 kΩ ist für die meisten OPVs richtig.
  • Invertierender Verstärker an hochohmiger Quelle: Der Quellwiderstand addiert sich zu R1 und verändert die Verstärkung.
  • Ausgang am Anschlag: Prüfe, ob UE mal Verstärkung in den Ausgangsbereich passt – bei 5 V Versorgung und einem nicht Rail-to-Rail-fähigen OPV ist schon bei 3,5 V Schluss.
  • Kondensator parallel zu R2 vergessen: Ein paar Pikofarad dort begrenzen die Bandbreite und verhindern Schwingen mit Streukapazitäten am −Eingang.

Selbsttest

Welche Verstärkung hat ein nichtinvertierender Verstärker mit R1 = 4,7 kΩ und R2 = 47 kΩ?

1 + 47 / 4,7 = 11.

Welche Ausgangsspannung liefert ein invertierender Verstärker mit R1 = 22 kΩ und R2 = 47 kΩ bei 1 V Eingang?

−1 V · 47 / 22 ≈ −2,14 V.

Was bedeutet „virtuelle Masse“?

Der −Eingang des invertierenden Verstärkers liegt durch die Gegenkopplung auf 0 V, ohne mit Masse verbunden zu sein.

Wozu dient ein Spannungsfolger, wenn er doch nicht verstärkt?

Er puffert eine hochohmige Quelle: Sein Eingang belastet sie nicht, sein Ausgang kann Strom liefern.

Wie schnell ändert sich der Ausgang eines Integrierers mit R = 47 kΩ und C = 100 nF bei 0,5 V Eingang?

0,5 V / (47 kΩ · 100 nF) ≈ 106 V/s, also etwa 0,1 V pro Millisekunde, mit negativem Vorzeichen.