Folienkondensatoren sind groß genug für eine richtige Beschriftung – und genau deshalb steht auf ihnen oft mehr als auf jedem anderen Kondensator: Kapazität, Toleranz, Spannung, Folientyp, manchmal Klimadaten und Prüfzeichen. Leider in vielen Schreibweisen, je nach Hersteller und Jahrzehnt. Die Grundregeln für Zahlencodes, Toleranzbuchstaben und die Spannungscodes wie 2A stehen in Kennzeichnung von Kondensatoren – lies dort zuerst. Hier geht es um die Besonderheiten der Folie: wie die Zeilen aufgebaut sind, wie du Gleich- von Wechselspannung unterscheidest, was Kürzel wie MKP und Zahlen wie 40/105/56 bedeuten und wie du alte Farbcodes liest. Was hinter den Folien steckt, erklärt Folienkondensator.
Die Kapazität in vier Schreibweisen
Auf Folienkondensatoren begegnen dir vor allem diese Formen:
| Schreibweise | Beispiel | Bedeutung |
|---|---|---|
| dreistelliger Code in pF | 224 | 22 · 10⁴ pF = 220 nF |
| Vorsatz als Komma | 4n7, µ1, 2µ2 | 4,7 nF, 0,1 µF, 2,2 µF |
| Dezimalzahl ohne Einheit | .047 oder 0,47 | in µF: 47 nF bzw. 470 nF |
| Klartext | 0,1 µF oder 100 nF | wie angegeben |
Die Regel für Zahlen ohne Einheit: Mit Dezimalpunkt oder Komma ist fast immer Mikrofarad gemeint, ohne Dezimalpunkt bei drei Ziffern der Code in Pikofarad. Bei Folien ist Mikrofarad die natürliche Größenordnung; Werte unter 1 nF sind selten.
Direkt hinter der Kapazität folgt meist der Toleranzbuchstabe, bei Folien fast immer J (±5 %), K (±10 %) oder M (±20 %), bei Präzisionstypen auch F (±1 %) oder G (±2 %). Danach steht die Nennspannung – als Zahl, mit Einheit oder als Code.
Spannungscodes und Spannungsart
Die Spannungscodes aus Ziffer und Buchstabe kommen aus einer japanischen Norm und stehen meist vorne. Ergänzend zu den gängigsten Werten:
| Code | 0J | 1A | 1C | 1E | 1V | 1H | 1J | 2A | 2D | 2E | 2G | 2W | 2J | 3A |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Spannung | 6,3 V | 10 V | 16 V | 25 V | 35 V | 50 V | 63 V | 100 V | 200 V | 250 V | 400 V | 450 V | 630 V | 1 kV |
Die Ziffer nennt die Zehnerpotenz (0 für 1–9 V, 1 für 10–99 V, 2 für 100–999 V, 3 für Kilovolt), der Buchstabe die Ziffern.
Wichtig ist die Spannungsart. Ein Strich oder Gleichheitszeichen hinter der Zahl („63−“, „400=“) oder ein „DC“ steht für Gleichspannung, eine Tilde („250“) oder „AC“ für den Effektivwert einer Wechselspannung. Viele Folienkondensatoren nennen beides, etwa „630− / 250“. Für den Betrieb an Wechselspannung zählt immer der Wechselspannungswert.
Folienkürzel, Klimakategorie und Sicherheitsklasse
Oft steht der Folientyp im Klartext auf dem Gehäuse: MKT oder MKS (metallisiertes Polyester), MKP (metallisiertes Polypropylen), FKP (Polypropylen mit Folienbelägen), seltener MKC (Polycarbonat) oder KS (Polystyrol, siehe Styroflexkondensator). Das K in diesen Kürzeln heißt Kunststoff und hat nichts mit der Toleranz K zu tun – ein „MKT 1µ K“ hat also Polyesterfolie und ±10 %.
Bei Sicherheits- und Industriekondensatoren steht zusätzlich eine Klimakategorie nach IEC 60068-1 wie „40/110/56“. Die drei Zahlen bedeuten:
- 40 – untere Grenztemperatur −40 °C,
- 110 – obere Grenztemperatur +110 °C,
- 56 – der Kondensator hat 56 Tage feuchte Wärme (40 °C, 93 % relative Feuchte) überstanden.
Dazu kommen die Sicherheitsklasse (X1, X2, Y1, Y2) mit Wechselspannung und die Prüfzeichen, zum Beispiel ENEC, UL oder CQC.
Außenbelag und Raster
Manche Folienkondensatoren tragen einen Strich, einen Punkt oder einen Ring an einer Seite. Er markiert den Außenbelag des Wickels – keine Polarität. Legst du diesen Anschluss an Masse oder an den niederohmigeren Schaltungsknoten, schirmt die äußere Folie den Wickel gegen Einstreuungen ab. Das ist vor allem in empfindlichen Audio- und Messschaltungen nützlich.
Das Rastermaß steht nicht auf dem Bauteil. Du liest es aus dem Datenblatt oder misst den Abstand der Drähte: 5; 7,5; 10; 15; 22,5 oder 27,5 mm. Bei SMD-Folienkondensatoren findest du oft nur einen Herstellercode; den Wert erfährst du dann nur aus der Rolle oder durch Messen.
Farbcodes älterer Folienkondensatoren
Folienkondensatoren aus den 1960er- bis 1980er-Jahren, etwa die bunten, flachen Polyester-Typen mit fünf Farbbändern, tragen statt Zahlen einen Farbcode. Die ersten drei Bänder liest du wie beim Widerstands-Farbcode: zwei Ziffern und ein Multiplikator, das Ergebnis in Pikofarad. Das vierte Band kodiert die Toleranz, das fünfte die Nennspannung, meist 250 V oder 400 V. Die Farben dieser beiden Bänder wurden nicht einheitlich vergeben – nimm im Zweifel die niedrigere Spannung an oder ersetze den Kondensator durch einen modernen Typ.
Praxistipps
- Wechselspannung prüfen: Für Netz, Lautsprecherweichen mit hoher Leistung oder Resonanzkreise immer die AC-Angabe heranziehen, nicht die DC-Zahl.
- Folientyp beim Ersatz beachten: Ein MKT als Ersatz für einen MKP in einem Schaltnetzteil oder Snubber kann wegen höherer Verluste überhitzen.
- Großbuchstaben deuten: Ein K hinter der Zahl ist eine Toleranz, ein K in „MKT“ steht für Kunststoff.
- Unbekanntes nachmessen: Bei verblichenen Aufdrucken hilft ein Kapazitätsmessgerät. Die Spannungsfestigkeit kannst du damit nicht bestimmen; nimm dann einen Ersatz mit sicherer Spannung.
Selbsttest
Was bedeutet der Aufdruck „2J224K“?
630 V, 22 · 10⁴ pF = 220 nF, ±10 %.
Wie viel ist „.068“ auf einem Folienkondensator?
0,068 µF = 68 nF.
Was bedeutet „250~“?
250 V Effektivwert Wechselspannung.
Wofür steht die Klimakategorie 55/105/21?
Einsatz von −55 °C bis +105 °C, 21 Tage Feuchteprüfung bestanden.
Ein Folienkondensator hat einen Strich an einem Ende. Muss er gepolt eingebaut werden?
Nein, der Strich markiert den Außenbelag; er gehört an Masse oder den niederohmigeren Knoten, eine Polarität gibt es nicht.