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Kennzeichnung von Kondensatoren

Kapazität, Spannung, Toleranz und Polarität ablesen: Zahlencodes wie 104, Schreibweisen wie 4n7, Dielektrika X7R und C0G und die Markierung von Elkos.

6 Min. LesezeitKondensator104ElkoPolarität

Bei Kondensatoren gibt es keinen einheitlichen Code wie die Farbringe beim Widerstand. Je nach Bauform findest du Klartext („470 µF 25 V“), einen dreistelligen Zahlencode („104“), eine Schreibweise mit Vorsatz als Komma („4n7“) – oder überhaupt nichts. Dieser Artikel zeigt, wie du die üblichen Aufdrucke liest und woran du die gefährlichste Information erkennst: die Polarität gepolter Kondensatoren.

Klartext bei Elkos

Aluminium-Elektrolytkondensatoren sind groß genug für eine vollständige Beschriftung. Auf dem Becher stehen meist:

  • die Kapazität, etwa 470 µF,
  • die Nennspannung, etwa 25 V – die höchste Gleichspannung, die dauerhaft anliegen darf,
  • die höchste Betriebstemperatur, meist 85 °C oder 105 °C,
  • ein Minus-Streifen an der Seite des Minuspols.

Bei neuen, bedrahteten Elkos ist außerdem das Minusbein kürzer. Bei SMD-Elkos (dem kleinen Alu-Becher auf schwarzem Sockel) markiert ein dunkler Balken oder Halbmond auf der Oberseite den Minuspol.

Bedrahteter Elko mit Minus-Streifen und kürzerem Minusbein
Elko: Der Streifen mit den Minuszeichen und das kürzere Bein markieren den Minuspol.

Dreistelliger Zahlencode

Kleine Keramik- und Folienkondensatoren tragen oft drei Ziffern. Die ersten beiden sind die Ziffern, die dritte gibt die Zahl der Nullen an – das Ergebnis ist in Pikofarad:

104 = 10 · 104 pF = 100 000 pF = 100 nF
AufdruckRechnungKapazität
10110 · 10¹ pF100 pF
10210 · 10² pF1 nF
10310 · 10³ pF10 nF
10410 · 10⁴ pF100 nF
47447 · 10⁴ pF470 nF
10510 · 10⁵ pF1 µF
22022 · 10⁰ pF22 pF
22–22 pF

Vorsicht bei kleinen Werten: Zweistellige Aufdrucke wie „22“ meinen direkt 22 pF. Bei „220“ ergibt der Code 22 · 10⁰ pF = 22 pF – manche Hersteller drucken damit aber schlicht 220 pF, und vierstellige Zahlen wie „3300“ sind ohnehin direkt in pF gemeint. Ein Blick in die Größenordnung – ein kleiner Scheibenkondensator hat selten 220 pF in einem riesigen Gehäuse – hilft beim Einordnen. Die Einheitenvorsätze Piko, Nano und Mikro liegen jeweils um den Faktor 1000 auseinander.

Keramischer Scheibenkondensator mit Aufdruck 104
Keramikkondensator mit Code 104: 10 und vier Nullen in pF, also 100 nF.

Vorsatz als Komma, Toleranz- und Spannungscode

Ähnlich wie bei Widerständen („4k7“) steht bei Kondensatoren der Vorsatz oft an der Stelle des Kommas: 4n7 = 4,7 nF, 2µ2 = 2,2 µF, p68 = 0,68 pF, µ1 = 0,1 µF. Steht nur eine Zahl ohne Einheit da, hilft das Komma: Ohne Dezimalpunkt („3300“, „47“) ist meist Pikofarad gemeint, mit Dezimalpunkt („0.47“, „.033“) Mikrofarad – das findest du vor allem auf Folienkondensatoren. Auf Folienkondensatoren findest du danach häufig einen Toleranzbuchstaben und die Spannung, etwa „104K 100V“ oder „2A104J“.

Buchstabeunter 10 pFab 10 pF
B± 0,1 pF–
C± 0,25 pF–
D± 0,5 pF± 0,5 %
F± 1 pF± 1 %
G± 2 pF± 2 %
H–± 2,5 %
J–± 5 %
K–± 10 %
M–± 20 %
P–+ 100 / − 0 %
S–+ 50 / − 20 %
Z–+ 80 / − 20 %
Spannungscode1H2A2E2G2J
Nennspannung50 V100 V250 V400 V630 V

Bei sehr kleinen Kapazitäten ergibt eine Prozentangabe wenig Sinn – dort gelten B, C, D, F und G als absolute Abweichung in pF. Die stark unsymmetrischen Toleranzen wie Z findest du bei billigen Keramik- und Elektrolytkondensatoren, bei denen es nur auf „mindestens so viel“ ankommt.

Folienkondensator mit Aufdruck 2A473J und Aufschlüsselung des Codes
2A473J: Spannungscode 2A = 100 V, 473 = 47 nF, J = ± 5 %.

Keramik: Klasse und Dielektrikum

SMD-Keramikkondensatoren (MLCC) tragen fast nie einen Aufdruck – den Wert erfährst du nur von der Rolle, aus der Stückliste oder durch Messen. Im Datenblatt und auf der Rolle steht aber das Dielektrikum, und das ist mindestens so wichtig wie die Kapazität:

CodeKlasseTemperaturbereichKapazitätsänderungEinsatz
C0G (NP0)1−55 … +125 °C0 ± 30 ppm/KFilter, Oszillatoren, Zeitglieder
X7R2−55 … +125 °C± 15 %Abblocken, Koppeln
X5R2−55 … +85 °C± 15 %Abblocken, große Kapazität auf kleinem Raum
Y5V2−30 … +85 °C+ 22 / − 82 %nur unkritische Zwecke

Bei den Klasse-2-Codes steht der erste Buchstabe für die untere Temperatur (X = −55 °C, Y = −30 °C), die Ziffer für die obere (5 = +85 °C, 7 = +125 °C), der letzte Buchstabe für die zulässige Änderung über diesen Bereich.

Dielektrikum-Code X7R in seine drei Zeichen zerlegt
X7R: von −55 °C (X) bis +125 °C (7) ändert sich die Kapazität um höchstens ± 15 % (R).
Kapazität eines X5R-Kondensators über der Gleichspannung im Vergleich zu C0G
Typischer Verlauf: Ein 10-µF-X5R-Kondensator in 0603 behält bei 5 V nur noch rund ein Drittel seiner Kapazität, C0G bleibt konstant.

Tantal und andere Sonderfälle

Tantal-Elkos sind die große Ausnahme bei der Polaritätsmarkierung: Der Balken auf dem SMD-Gehäuse markiert hier den Pluspol. Bei bedrahteten Tantal-Perlen steht ein „+“ am Pluspol. Tantal verzeiht Verpolung und Überspannung besonders schlecht und kann dabei in Brand geraten.

SMD-Alu-Elko mit dunkler Markierung am Minuspol neben SMD-Tantal mit Balken am Pluspol
Vorsicht Verwechslung: Beim Alu-Elko markiert der dunkle Halbmond den Minuspol, beim Tantal der Balken den Pluspol.

Ältere Keramik- und Tantalkondensatoren findest du noch mit Farbpunkten oder -ringen. Die ersten beiden Farben sind wie beim Widerstand Ziffern, die dritte ist der Multiplikator – bei Keramik in pF, bei Tantal-Perlen meist in µF. Weitere Farben stehen für Toleranz oder Nennspannung, und genau diese Zuordnung unterscheidet sich von Hersteller zu Hersteller. Ohne die passende Tabelle des Herstellers bleibt dir hier nur das Nachmessen.

Funkentstörkondensatoren für Netzspannung tragen zusätzlich eine Sicherheitsklasse wie X2 oder Y2. Sie dürfen nur durch gleichwertige Typen ersetzt werden. Mehr über das Verhalten im Stromkreis steht unter Kondensator im Gleichstromkreis und kapazitiver Blindwiderstand.

Selbsttest

Welche Kapazität hat ein Kondensator mit dem Aufdruck 473?

47 · 10³ pF = 47 000 pF = 47 nF.

Wie erkennst du den Minuspol eines bedrahteten Aluminium-Elkos?

Am Streifen mit Minuszeichen auf dem Becher und am kürzeren Bein.

Was markiert der Balken auf einem SMD-Tantal-Kondensator?

Den Pluspol – anders als beim Aluminium-Elko.