<style>[reveal]{opacity:1 !important;transform:none !important}</style>

IP-Schutzarten (IP54, IP67 …)

Was IP-Codes nach EN 60529 bedeuten: beide Kennziffern für Fremdkörper und Wasser, Zusatzbuchstaben, typische Beispiele und Tipps für eigene Gehäuse.

6 Min. LesezeitIP-SchutzartIP-CodeEN 60529IP54

Dein Temperatursensor soll im Garten den Winter überstehen, die Steuerung einer Bewässerung sitzt neben dem Wasserhahn, und das neue Smartphone darf angeblich in die Badewanne fallen. Ob ein Gehäuse dafür taugt, verrät ein kurzer Code wie IP65 oder IP68. Er beschreibt, wie gut das Gehäuse das Innere gegen Berühren, Fremdkörper und Wasser abschirmt. Genormt sind die Codes in der DIN EN 60529 (VDE 0470-1); „IP“ steht für International Protection, oft auch als Ingress Protection gelesen.

Aufbau des Codes

Der Code besteht aus den Buchstaben IP und zwei Kennziffern, auf die optional noch Buchstaben folgen können:

  • Die erste Kennziffer (0 bis 6) gibt den Schutz gegen das Eindringen fester Fremdkörper an – und damit auch, ob du mit Fingern oder Werkzeug an gefährliche Teile im Inneren gelangen kannst.
  • Die zweite Kennziffer (0 bis 9) gibt den Schutz gegen Wasser an.
Der Code IP67 zerlegt: IP, erste Kennziffer 6 für Fremdkörper, zweite Kennziffer 7 für Wasser
So liest du einen IP-Code: Die erste Ziffer steht für Fremdkörper und Berührung, die zweite für Wasser.

Ist eine der beiden Eigenschaften nicht geprüft oder nicht angegeben, steht an ihrer Stelle ein X. Ein Kopfhörer mit IPX4 ist also gegen Spritzwasser geprüft, über den Staubschutz sagt der Code nichts. Das X bedeutet nicht „kein Schutz“ – das wäre eine 0.

Die erste Kennziffer: Fremdkörper und Berührung

Bei den Stufen 1 bis 4 prüft man mit genormten Prüfkörpern, ob diese durch Öffnungen ins Gehäuse gelangen. Bei 5 und 6 kommt das Gehäuse in eine Kammer mit feinem Prüfstaub.

ZifferSchutz gegen FremdkörperSchutz gegen Berühren mit
0kein Schutz–
1Fremdkörper ab 50 mm DurchmesserHandrücken
2Fremdkörper ab 12,5 mm DurchmesserFinger
3Fremdkörper ab 2,5 mm DurchmesserWerkzeug
4Fremdkörper ab 1,0 mm DurchmesserDraht
5staubgeschützt: Staub dringt nicht in schädlicher Menge einDraht
6staubdicht: kein Staub dringt einDraht
Vier Prüfkörper: Kugel 50 mm, gegliederter Prüffinger, Stab 2,5 mm und Draht 1,0 mm
Die Prüfkörper für die erste Kennziffer: Je höher die Ziffer, desto kleiner das Teil, das nicht hineingelangen darf.

Eine Steckdose mit IP2X sorgt also dafür, dass du mit dem Finger nicht an spannungsführende Teile kommst, eine Lüftungsöffnung mit IP4X lässt keinen 1-mm-Draht durch.

Die zweite Kennziffer: Wasser

Hier steigt die Belastung mit der Ziffer: von senkrecht fallenden Tropfen bis zum Hochdruckreiniger.

ZifferSchutz gegenPrüfung (vereinfacht)
0kein Schutz–
1senkrecht fallende TropfenTropfwasser von oben
2schräg fallende TropfenTropfwasser, Gehäuse bis 15° geneigt
3SprühwasserWasser bis 60° gegen die Senkrechte
4SpritzwasserWasser aus allen Richtungen
5StrahlwasserDüse 6,3 mm, 12,5 l/min, aus allen Richtungen
6starkes StrahlwasserDüse 12,5 mm, 100 l/min
7zeitweiliges Untertauchen30 Minuten, Unterkante 1 m tief
8dauerndes UntertauchenBedingungen legt der Hersteller fest, strenger als bei 7
9Hochdruck- und Dampfstrahlheißes Wasser mit 80 °C und hohem Druck aus kurzer Entfernung
Vier Szenen: Gehäuse unter Spritzwasser IPX4, unter Wasserstrahl IPX5, einen Meter unter Wasser IPX7 und tief unter Wasser IPX8
Die wichtigsten Wasserstufen in der Praxis: Spritzwasser, Strahlwasser, kurzzeitiges und dauerndes Untertauchen.

Bis zur Ziffer 6 schließt eine höhere Stufe die niedrigeren ein. Bei 7 und 8 ist das anders: Ein Gerät, das kurzes Untertauchen übersteht, muss deshalb noch keinem Wasserstrahl standhalten – der drückt Wasser mit ganz anderem Druck gegen die Dichtungen. Soll beides gelten, trägt das Gerät beide Angaben, etwa IP66/IP67.

Häufig liest du auch IP69K. Das K stammt aus einer Norm für Straßenfahrzeuge (heute ISO 20653) und kennzeichnet die Reinigung mit dem Hochdruck-Dampfstrahler, etwa in Lebensmittelbetrieben oder an Lkw-Komponenten. Seit 2013 kennt auch die EN 60529 eine Stufe 9 für diesen Fall.

Zusätzliche Buchstaben

Nach den beiden Ziffern dürfen noch Buchstaben folgen. Ein zusätzlicher Buchstabe A, B, C oder D gibt an, dass das Berühren gefährlicher Teile besser verhindert wird, als die erste Ziffer allein aussagt – mit Handrücken, Finger, Werkzeug oder Draht. Das ist nützlich, wenn ein Gehäuse zwar große Öffnungen hat (niedrige erste Ziffer), dahinter aber eine Abdeckung sitzt. IP20C heißt: Fremdkörper ab 12,5 mm werden abgehalten, mit einem 2,5-mm-Werkzeug kommt man trotzdem nicht an gefährliche Teile.

Ergänzende Buchstaben am Ende geben Prüfbedingungen an: H für Hochspannungsgeräte, M und S dafür, ob sich bewegliche Teile (etwa ein Lüfterrad) während der Wasserprüfung bewegten oder stillstanden, W für zusätzliche Wetterschutzmaßnahmen.

Typische Beispiele

Schutzartwo du ihr begegnest
IP20Geräte für trockene Innenräume, Netzteile im Verteiler, Hutschienenmodule
IP44Außensteckdosen mit Klappdeckel, Leuchten im Bad nahe Dusche und Wanne
IP54Werkzeugmaschinen, Schaltschränke in staubiger Werkstatt
IP65Außenleuchten, Industriegehäuse, die mit dem Schlauch abgespritzt werden
IP67wasserdichte Steckverbinder, Abzweigdosen im Erdreich, Outdoor-Sensoren
IP68Smartphones, Unterwasserleuchten, Pumpen
Drei Produkte: Außensteckdose mit Klappdeckel IP44, graue Kunststoff-Abzweigdose IP67 und ein Smartphone IP68
Drei Alltagsbeispiele: die Außensteckdose mit Klappdeckel, die dichte Abzweigdose und das Smartphone.

Worauf du bei eigenen Gehäusen achten musst

Die Schutzart auf dem Datenblatt gilt für das Gehäuse, wie es geprüft wurde – meist geschlossen und ohne Löcher. Jede Bohrung, jede Kabeldurchführung und jedes Display, das du einbaust, kann sie zunichtemachen.

  • Kabeldurchführungen: Nimm Kabelverschraubungen mit mindestens derselben Schutzart und dem passenden Klemmbereich für den Kabeldurchmesser. Eine Verschraubung für 6 bis 12 mm dichtet ein 4-mm-Kabel nicht.
  • Steckverbinder: Die Angabe IP67 gilt bei Steckverbindern in der Regel nur im gesteckten Zustand. Offene Buchsen brauchen eine Schutzkappe.
  • Dichtungen: Deckel gleichmäßig und mit dem angegebenen Drehmoment verschrauben; eine gequetschte oder verdrehte Dichtung ist undicht.
  • Kondenswasser: Ein dichtes Gehäuse, das sich tagsüber erwärmt und nachts abkühlt, saugt durch kleinste Undichtigkeiten feuchte Luft an, die innen kondensiert. Ein Druckausgleichselement mit wasserdichter, aber luftdurchlässiger Membran gleicht den Druck aus, ohne Wasser durchzulassen. Ein kleines Loch an der tiefsten Stelle lässt dagegen Wasser ablaufen, senkt aber die Schutzart.
  • Platine schützen: Eine Schutzlackierung (Conformal Coating) macht die Baugruppe zusätzlich unempfindlich gegen Feuchte und Betauung.
Kabelverschraubung im Schnitt mit Gehäusewand, Dichteinsatz und durchgeführtem Kabel
Eine Kabelverschraubung presst einen Dichteinsatz rund um das Kabel – nur im passenden Klemmbereich ist sie dicht.

Selbsttest

Was bedeutet IP54?

Staubgeschützt (Staub dringt nicht in schädlicher Menge ein) und gegen Spritzwasser aus allen Richtungen geschützt.

Ein Gerät ist mit IPX7 gekennzeichnet. Was sagt das über den Staubschutz?

Nichts – das X bedeutet, dass dieser Schutz nicht geprüft oder nicht angegeben ist.

Ist ein IP67-Gerät automatisch gegen Strahlwasser geschützt?

Nein. Bis Stufe 6 schließen höhere Ziffern die niedrigeren ein, 7 und 8 nicht; für beides braucht es eine Doppelangabe wie IP66/IP67.

Welcher Prüfkörper gehört zur ersten Kennziffer 2?

Der Prüffinger mit 12 mm Durchmesser; Fremdkörper ab 12,5 mm werden abgehalten.

Warum kann ein dichtes IP67-Gehäuse innen trotzdem nass werden?

Durch Kondenswasser: Temperaturwechsel pumpen feuchte Luft hinein, die sich innen niederschlägt. Ein Druckausgleichselement hilft.