<style>[reveal]{opacity:1 !important;transform:none !important}</style>

Logikfamilien und Kennzeichnung digitaler ICs

TTL, CMOS, 74HC, 74HCT, 74LVC und 4000er-Reihe: Pegel, Versorgungsspannung, Störabstand und wie du Bezeichnungen wie SN74HC00N entschlüsselst.

6 Min. LesezeitLogikfamilieTTLCMOS74HC

Ein NAND-Gatter ist ein NAND-Gatter – aber ein 74LS00, ein 74HC00 und ein 74LVC00 sind trotzdem nicht ohne Weiteres austauschbar. Sie gehören zu verschiedenen Logikfamilien: Bauteilreihen mit gemeinsamer Technologie, gemeinsamer Versorgungsspannung und gemeinsamen Schwellen dafür, was als „0“ und was als „1“ gilt. Wer digitale ICs kombiniert – etwa einen 3,3-V-Mikrocontroller mit einem 5-V-Baustein –, muss diese Familien kennen. Die Symbole der Gatter erklärt Schaltzeichen der Digitaltechnik.

Die Bezeichnung entschlüsseln

Die verbreitete 74er-Reihe hat ein einheitliches Namensschema. Am Beispiel SN74HC00N:

Bezeichnung SN74HC00N in Hersteller, Temperaturbereich, Familie, Funktion und Gehäuse zerlegt
SN74HC00N: Hersteller SN, Temperaturbereich 74, Familie HC, Funktion 00, Gehäuse N.
TeilBedeutung
SNHerstellerpräfix (jeder Hersteller hat eigene, z. B. SN, MC, CD, 74 ohne Präfix)
74Temperaturbereich: 74 = kommerziell/industriell, 54 = militärisch (−55 … +125 °C)
HCLogikfamilie: High-Speed CMOS
00Funktion: vier NAND-Gatter mit je zwei Eingängen
NGehäuse – herstellerabhängig, hier DIP-14

Die Funktionsnummer ist über alle Familien gleich: Ein 74LS00, 74HC00 und 74LVC00 enthalten alle vier NAND-Gatter mit gleicher Anschlussbelegung (beim gleichen Gehäuse). Das macht die Reihe so praktisch. Einige bekannte Nummern: 00 (NAND), 02 (NOR), 04 (Inverter), 08 (AND), 14 (Inverter mit Schmitt-Trigger), 32 (OR), 74 (D-Flipflop), 86 (XOR), 595 (Schieberegister).

Anschlussbelegung des 74HC00 im DIP-14 mit vier NAND-Gattern, GND an Pin 7 und VCC an Pin 14
Die Belegung des 74HC00 im DIP-14 – gleich bei 74LS00, 74HC00 und 74LVC00: Versorgung an Pin 14, Masse an Pin 7.

Die ältere CMOS-4000er-Reihe hat eigene Nummern ohne Bezug zur 74er-Reihe: 4011 (vier NAND), 4017 (Dekadenzähler), 4060 (Zähler mit Oszillator). Das „B“ in CD4011B steht für die gepufferte Ausführung.

Kurzzeichen in älteren Schaltplänen

In deutschen Schaltplänen und Lehrbüchern aus der Zeit vor den heutigen IEC-Symbolen trägt das Rechteck eines digitalen Bausteins oft keine Typnummer, sondern ein Kurzzeichen für seine Funktion. Es ist von grob nach fein aufgebaut: zuerst die Art der Schaltung, dann Zusätze wie Zählrichtung oder Code, am Ende die Zahl der Bits. „Z-Bin 4“ wäre so ein 4-Bit-Binärzähler, „S-V/R 8“ ein 8-Bit-Schieberegister, das in beide Richtungen schieben kann.

KurzzeichenFunktion
ZZähler (V = vorwärts, R = rückwärts)
SSchieberegister
FFFlipflop
ARAuffangregister (Latch)
DEC, DEMDecodierer, Demultiplexer
MUL, DSELMultiplexer, Datenselektor
VGVergleicher (Komparator)
TRTreiber
RAM, ROM, PROMSchreib-/Lesespeicher, Festwertspeicher, programmierbarer Festwertspeicher

Auch die Anschlüsse folgen einem Muster: Eingänge heißen A, B, C …, Ausgänge Q bzw. Qa, Qb … oder Q0, Q1 …, der Takt C oder T, Setzen und Rücksetzen S und R. Bei BCD-Eingängen ist A das niederwertigste Bit. Einfache Gatter brauchen kein Kurzzeichen, weil das Symbol selbst die Funktion zeigt. Triffst du in einem alten Plan auf solche Angaben, hilft dir die Tabelle beim Übersetzen in einen heutigen Typ.

Die wichtigsten Familien

FamilieTechnologieVersorgungEingangspegeltypische LaufzeitEinsatz heute
74 / 74LSTTL (bipolar)5 V ± 5 %TTL10 nsnur Reparatur
4000BCMOS3 … 18 VCMOS50 … 100 ns (bei 5 V)langsame, sparsame Schaltungen
74HCCMOS2 … 6 VCMOS8 … 10 ns (bei 5 V)Standard für 5 V
74HCTCMOS5 VTTL-kompatibel10 … 15 ns3,3-V-Signal in 5-V-Logik
74AC / 74ACTCMOS2 … 6 V / 5 VCMOS / TTL5 nsschnell, starke Ausgänge
74LVCCMOS1,65 … 3,6 VLVCMOS, 5-V-tolerant3 … 5 nsStandard für 3,3 V
74AUP / 74LVC1GCMOS0,8 … 3,6 V / 1,65 … 5,5 V–wenige nsEinzelgatter, Batteriegeräte

Die Laufzeiten sind Richtwerte; sie hängen von Spannung, Last und Temperatur ab. Bipolare TTL-Familien verbrauchen auch im Ruhezustand Strom, CMOS nur beim Umschalten – deshalb hat CMOS die TTL-Technik fast vollständig verdrängt.

Pegel und Störabstand

Ein digitaler Eingang unterscheidet nur zwischen „Low“ und „High“. Dazwischen liegt ein verbotener Bereich, in dem das Verhalten undefiniert ist. Für jede Familie gibt das Datenblatt vier Grenzwerte an: UIL (höchste Spannung, die sicher als Low gilt), UIH (niedrigste, die sicher als High gilt) und für den Ausgang UOL und UOH.

PegelTTL (5 V)74HC (5 V)LVCMOS (3,3 V)
UIL max.0,8 V1,5 V (0,3 · UB)0,8 V
UIH min.2,0 V3,5 V (0,7 · UB)2,0 V
UOL max.0,4 Vca. 0,1 … 0,3 Vca. 0,2 … 0,4 V
UOH min.2,4 Vca. 4,4 Vca. 2,4 … 3,1 V
Eingangspegel von TTL und CMOS bei 5 V im Vergleich
Schaltschwellen: TTL-Eingänge erkennen High schon ab 2,0 V, 74HC-Eingänge bei 5 V erst ab 3,5 V.

Der Störabstand ist die Reserve zwischen dem, was ein Ausgang garantiert, und dem, was ein Eingang braucht: UOH,min − UIH,min für High. Bei TTL sind das 2,4 V − 2,0 V = 0,4 V. Störungen auf der Leitung, die kleiner sind, verfälschen das Signal nicht. Mehr zu Störungen auf Leitungen steht unter Reflexionen und EMV.

Pegelbereiche eines TTL-Ausgangs und -Eingangs mit dem Störabstand von 0,4 V
Ein TTL-Ausgang garantiert High ab 2,4 V, ein TTL-Eingang braucht 2,0 V – die 0,4 V dazwischen sind der Störabstand.
3,3-V-Mikrocontroller steuert einen 74HCT595 an 5 V an
Mit TTL-kompatiblen Eingängen erkennt der 74HCT595 die 3,3 V des Mikrocontrollers sicher als High.

Typische Fallstricke

  • Offene CMOS-Eingänge: Ein unbeschalteter Eingang floatet irgendwo im verbotenen Bereich. Das Gatter schwingt dann oder zieht Querstrom. Unbenutzte Eingänge immer auf Masse oder Versorgung legen.
  • Fehlende Abblockkondensatoren: Jedes Logik-IC braucht 100 nF direkt zwischen seinen Versorgungspins. Beim Umschalten ziehen die Ausgänge kurze Stromspitzen.
  • Langsame Flanken: Normale CMOS-Eingänge mögen keine langsam ansteigenden Signale (etwa von einem RC-Glied); sie schalten dann mehrfach. Dafür gibt es Eingänge mit Schmitt-Trigger (74HC14).
  • Familien mischen: Innerhalb einer Schaltung möglichst eine Familie verwenden; wo das nicht geht, Pegel prüfen oder Pegelwandler einsetzen.
Langsam steigendes Eingangssignal mit Störungen, Ausgang ohne und mit Schmitt-Trigger
Eine langsame, verrauschte Flanke lässt einen normalen Eingang mehrfach schalten; der Schmitt-Trigger schaltet genau einmal.

Selbsttest

Was bedeutet das „HCT“ in 74HCT04?

High-Speed-CMOS mit TTL-kompatiblen Eingangspegeln – High wird schon ab 2,0 V erkannt.

Warum darf ein CMOS-Eingang nicht offen bleiben?

Er nimmt ein undefiniertes Potential an; das Gatter kann schwingen und Querstrom ziehen.

Wie groß ist der High-Störabstand bei TTL?

UOH,min − UIH,min = 2,4 V − 2,0 V = 0,4 V.