<style>[reveal]{opacity:1 !important;transform:none !important}</style>

Halbleiterrelais (SSR)

Wie ein Halbleiterrelais ohne bewegte Teile Lasten schaltet, was Nullspannungsschalter, Leckstrom und Verlustleistung bedeuten und wann es besser ist als ein Relais.

8 Min. LesezeitHalbleiterrelaisSolid State RelaySSRNullspannungsschalter

Ein 3D-Drucker regelt sein Heizbett im Sekundentakt, ein Pizzaofen hält seine Temperatur, ein Prüfautomat schaltet tausende Male am Tag Messleitungen um. Ein mechanisches Relais würde dabei klicken, verschleißen und irgendwann verschweißte Kontakte haben. Das Halbleiterrelais, englisch Solid State Relay (SSR), erledigt dieselbe Aufgabe lautlos und ohne bewegte Teile. Wie ein Relais trennt es Steuer- und Lastkreis galvanisch, aber statt einer Spule und Kontakten arbeiten darin eine Leuchtdiode und Leistungshalbleiter.

Aufbau und Funktionsweise

Ein Halbleiterrelais besteht aus drei Teilen:

  • Eingang: eine Infrarot-LED, meist mit Vorwiderstand und Verpolschutz. Sie wird mit einigen Milliampere angesteuert.
  • Optische Kopplung: Das Licht der LED fällt auf einen lichtempfindlichen Empfänger auf der Lastseite. Zwischen beiden liegt eine durchsichtige Isolierung, die einige tausend Volt aushält – das Prinzip des Optokopplers, mehr dazu unter Optoelektronik.
  • Ausgang: ein Leistungsschalter, der die Last schaltet.
Blockschaltbild eines Halbleiterrelais: Eingang mit LED, optische Trennung, Nullspannungserkennung, Triac-Ausgang mit RC-Glied und Lastanschlüsse
Im Inneren eines Wechselstrom-SSR: Die LED steuert über eine optische Trennstrecke den Ausgang; eine Nullspannungserkennung bestimmt den Einschaltzeitpunkt.

Für den Ausgang gibt es zwei grundlegende Bauarten:

Thyristor- oder Triac-Ausgang (nur Wechselspannung): Ein Triac oder zwei antiparallele Thyristoren schalten die Last. Diese Bauteile zünden auf einen Steuerimpuls hin, bleiben aber leitend, bis der Strom durch null geht. Bei Wechselstrom passiert das zweimal pro Periode, das SSR schaltet also spätestens im nächsten Nulldurchgang ab. An Gleichspannung würde es nie mehr ausschalten – ein solches SSR ist für Gleichstrom ungeeignet.

MOSFET-Ausgang (Gleich- und Wechselspannung): Statt einer LED, die einen Triac zündet, treibt das Licht eine Kette winziger Fotodioden, die genug Spannung für das Gate eines MOSFET erzeugen. Zwei MOSFETs mit gemeinsamer Source in Gegenreihe sperren beide Polaritäten. Solche Bauteile heißen PhotoMOS oder MOSFET-Relais. Sie schalten Gleich- und Wechselspannung, haben fast keinen Leckstrom, aber einen Einschaltwiderstand wie ein normaler MOSFET.

Nullspannungsschalter und Sofortschalter

Die meisten Wechselstrom-SSR sind Nullspannungsschalter (Zero Cross): Liegt das Steuersignal an, warten sie mit dem Einschalten bis zum nächsten Nulldurchgang der Netzspannung. So entsteht beim Einschalten kein steiler Stromsprung, und das Gerät erzeugt kaum Störungen (siehe EMV). Das ist ideal für Heizungen und Glühlampen. Sofortschalter (Random Turn-on) schalten sofort ein. Sie braucht man für Phasenanschnittsteuerungen und für Lasten wie Transformatoren, bei denen das Einschalten im Spannungsnulldurchgang einen besonders hohen Einschaltstrom auslösen kann.

Schaltzeichen

Ein eigenes genormtes Symbol gibt es nicht. Üblich ist ein Rechteck mit der Kennzeichnung K oder U, das links die Eingangs-LED und rechts das Schaltelement zeigt – einen Triac, zwei MOSFETs oder einen einfachen Schließer. Zusätzlich stehen die Anschlussbezeichnungen da, oft „+“ und „−“ am Eingang und „~“ am Ausgang. Ein Nullspannungsschalter wird manchmal mit einem kleinen Sinus-Symbol gekennzeichnet. Mehr zu Symbolen findest du unter Schaltzeichen.

Kennwerte

KennwertBedeutungOmron G3MB-202P, 5 V
SteuerspannungBereich, in dem der Eingang sicher arbeitet4–6 V DC
Eingangsimpedanzbestimmt den Steuerstrom440 Ω (etwa 11 mA bei 5 V)
LastspannungBereich der geschalteten Wechselspannung100–240 V AC (75–264 V)
Laststromkleinster und größter Dauerstrom0,1–2 A
DurchlassspannungSpannungsabfall im eingeschalteten Zustandhöchstens 1,6 V
LeckstromStrom im ausgeschalteten Zustandhöchstens 1,5 mA bei 200 V AC
Stoßstromeinmaliger Spitzenstrom für eine Netzperiode30 A
IsolationsspannungPrüfspannung zwischen Ein- und Ausgang2500 V AC

Drei Zeilen sind für die Praxis besonders wichtig:

  • Durchlassspannung: Ein Triac hat nicht wie ein Kontakt wenige Milliohm, sondern eine fast konstante Spannung von 1 bis 1,6 V. Die Verlustleistung P ≈ UON · I wächst deshalb linear mit dem Strom und wird zu Wärme.
  • Leckstrom: Durch das RC-Glied (Snubber) parallel zum Ausgang fließt auch im ausgeschalteten Zustand ein kleiner Strom. Bei einer Heizung stört er nicht, eine LED-Lampe glimmt davon aber oft.
  • Mindestlaststrom: Unter dem kleinsten Laststrom schaltet der Triac nicht zuverlässig. Für ein paar Milliampere taugt ein Triac-SSR nicht.

Wie du einen Kühlkörper für eine bestimmte Verlustleistung auswählst, erklärt Wärme und Kühlung. Ein Rechner, der Kühlkörper aus Verlustleistung und Wärmewiderständen bestimmt, ist der Kühlkörper-Rechner.

Bauformen

Industrie-SSR mit Schraubklemmen auf Kühlkörper, SSR für Hutschiene, Print-SSR im SIP-Gehäuse und PhotoMOS-Relais im DIP-4- und SOP-Gehäuse
Halbleiterrelais vom Schaltschrank bis zur Platine: Industrie-SSR, Hutschienen-SSR, Print-SSR und PhotoMOS im IC-Gehäuse.
  • Industrie-SSR im flachen Kunststoffgehäuse mit Metallboden und Schraubklemmen, für 10 bis über 100 A. Der Boden wird mit Wärmeleitpaste auf einen Kühlkörper geschraubt.
  • Hutschienen-SSR mit integriertem Kühlkörper für den Schaltschrank.
  • Print-SSR im flachen SIP-Gehäuse mit vier Pins, bis etwa 2 bis 5 A, häufig auf Mikrocontroller-Modulen.
  • PhotoMOS-Relais im DIP-4-, SOP- oder noch kleineren Gehäusen für Signale und kleine Lasten, etwa zum Umschalten von Messleitungen. Beispiel: Panasonic AQY212EH mit 60 V, 0,55 A Laststrom und höchstens 2,5 Ω Einschaltwiderstand.

Ansteuerung

Der Eingang ist eine LED mit oder ohne Vorwiderstand. Bei Print-SSR mit Nennspannung 5 V sitzt der Widerstand innen; du legst einfach die Spannung an. PhotoMOS-Relais haben dagegen einen nackten LED-Eingang und brauchen einen Vorwiderstand wie jede LED.

Anschluss eines SSR: Steuersignal an + und −, Ausgang in Reihe mit Sicherung F1 und Heizung zwischen L und N, Varistor RV1 parallel zum Ausgang
Das SSR liegt wie ein Schalter in Reihe mit der Last; Sicherung und Varistor schützen den Ausgang.
Rechner

LED-Vorwiderstand

Rechnerisch
200 Ω
Nimm (E12)
220 Ω
Strom damit
13,6 mA
Verlustleistung
40,9 mW

Belastbarkeit des Widerstands mindestens 1/8 W (doppelte Reserve).

+−U = 5 VR = 220 ΩUR = 3 VI = 13,6 mAAKUF = 2 VU = UR + UF

Relais oder Halbleiterrelais?

RelaisHalbleiterrelais
Lebensdauerbegrenzt durch Kontaktverschleißpraktisch unbegrenzt
Geräusch, Prellenklickt, Kontakte prellenlautlos, prellfrei
Spannungsabfall eingeschaltetsehr klein (mΩ)1–1,6 V (Triac) oder I · Ron (MOSFET)
Leckstrom ausgeschaltetkeiner, echte TrennungµA bis einige mA
Gleichspannungmit Abstrichen möglichnur mit MOSFET-Ausgang
Kühlungmeist unnötigab etwa 2 A Kühlkörper

Ein SSR ist die bessere Wahl bei häufigem Schalten, etwa für eine Temperaturregelung im Sekundentakt, in staubiger oder explosionsgefährdeter Umgebung und überall, wo es leise sein muss. Ein mechanisches Relais ist besser, wenn eine echte Trennung im ausgeschalteten Zustand nötig ist, wenn kein Platz für Kühlung da ist oder wenn kleine Signale verlustfrei geschaltet werden sollen.

Auswahl und Praxistipps

Wähle zuerst die Ausgangsart nach der Lastspannung (AC oder DC), dann Nullspannungs- oder Sofortschalter nach der Last. Lege den Strom mit Reserve aus: Für Motoren und Lampen mit hohem Einschaltstrom nimm einen Typ mit zwei- bis dreifachem Nennstrom. Plane die Kühlung, bevor du das Gehäuse festlegst.

Häufige Fehler:

  • Triac-SSR an Gleichspannung: Es schaltet ein und nie wieder aus.
  • Kühlkörper vergessen: Die Verlustleistung von einem bis anderthalb Watt pro Ampere zerstört ein SSR ohne Kühlung in Minuten. Das Datenblatt zeigt eine Kurve, wie stark der Strom mit der Temperatur sinkt.
  • Keine Schutzbeschaltung: Spannungsspitzen aus dem Netz oder von induktiven Lasten können den Ausgang zerstören. Ein Varistor parallel zum Ausgang schützt.
  • Keine Sicherung: Ein SSR fällt meist leitend aus, also im eingeschalteten Zustand. Eine Sicherung und bei Heizungen ein zusätzlicher Temperaturbegrenzer sind Pflicht.
  • Leckstrom unterschätzt: Kleine Lasten glimmen, und wer den Lastkreis ausgeschaltet glaubt, kann trotzdem einen Schlag bekommen.

Selbsttest

Warum kann ein SSR mit Triac-Ausgang keine Gleichspannung schalten?

Der Triac bleibt nach dem Zünden leitend, bis der Strom durch null geht; bei Gleichstrom passiert das nie.

Was macht ein Nullspannungsschalter?

Er schaltet erst im nächsten Nulldurchgang der Netzspannung ein und vermeidet so steile Stromsprünge und Störungen.

Ein SSR mit 1,2 V Durchlassspannung schaltet 12 A. Wie viel Wärme entsteht?

P ≈ 1,2 V · 12 A ≈ 14 W – ohne Kühlkörper geht das nicht.

Warum glimmt eine LED-Lampe an einem ausgeschalteten SSR?

Durch das RC-Glied parallel zum Ausgang fließt ein Leckstrom von etwa einem Milliampere, der für die Lampe ausreicht.

Wann ist ein mechanisches Relais die bessere Wahl?

Wenn eine echte Trennung im ausgeschalteten Zustand nötig ist, kleine Signale ohne Spannungsabfall geschaltet werden oder kein Platz für Kühlung vorhanden ist.