Hinter jeder Ethernet-Buchse sitzt ein kleiner Baustein mit vielen Beinchen, der die Netzwerkleitung elektrisch vom Rest des Geräts trennt. In Mischpulten und Mikrofon-Vorverstärkern findest du gekapselte Audio-Übertrager, in isolierten Messschaltungen winzige Kerne mit zwei Wicklungen. All das sind Übertrager: Transformatoren, die nicht Energie aus dem Netz umsetzen, sondern Signale, Impulse oder kleine Leistungen über eine galvanische Trennung hinweg übertragen. Das Prinzip ist dasselbe wie beim Transformator – hier geht es darum, worauf es beim Bauteil ankommt.
Aufbau und Funktionsweise
Ein Übertrager besteht aus mindestens zwei Wicklungen auf einem gemeinsamen Kern. Ein Wechselstrom in der Primärwicklung erzeugt im Kern einen wechselnden magnetischen Fluss, der in der Sekundärwicklung eine Spannung induziert. Zwischen den Wicklungen gibt es keine leitende Verbindung: Das Signal wird nur über das Magnetfeld übertragen. Gleichspannungen und langsame Potenzialverschiebungen kommen nicht durch.
Für das Verhältnis der Windungszahlen ü = N1 / N2 gelten die bekannten Zusammenhänge:
Die letzte Gleichung ist bei Übertragern oft die wichtigste: Ein Übertrager setzt Impedanzen um. Ein Lautsprecher mit 8 Ω erscheint hinter einem Übertrager mit ü = 10 wie 800 Ω. So lassen sich Quelle und Last anpassen, siehe Leistungsanpassung.
Der Unterschied zum Netztrafo liegt in der Optimierung. Ein Netztrafo arbeitet bei genau 50 Hz und soll möglichst viel Leistung mit wenig Verlust übertragen. Ein Übertrager soll dagegen einen ganzen Frequenzbereich oder steile Impulse möglichst unverfälscht durchlassen – und dabei oft eine hohe Isolationsspannung zwischen den Seiten halten. Deshalb haben Übertrager meist Ferritkerne mit hoher Permeabilität, wenige Windungen und eine sehr enge Kopplung der Wicklungen.
Schaltzeichen
Das Schaltzeichen zeigt zwei Wicklungen mit gemeinsamem Kernstrich, oft zwei parallele Striche. Punkte an je einem Ende markieren den Wicklungssinn: Spannungen an den Punktanschlüssen sind gleichphasig. Eine Mittelanzapfung wird als zusätzlicher Anschluss in der Mitte einer Wicklung gezeichnet. Das Kurzzeichen ist T (früher Tr). Mehr Symbole findest du unter Schaltzeichen.
Kennwerte
| Kennwert | Bedeutung |
|---|---|
| Übersetzungsverhältnis | Verhältnis der Windungszahlen, z. B. 1:1, 1:2, 1CT:1CT (CT = Mittelanzapfung) |
| Hauptinduktivität (OCL) | Induktivität der Primärwicklung bei offener Sekundärseite; bestimmt die untere Grenzfrequenz |
| Streuinduktivität | nicht gekoppelter Anteil; begrenzt Bandbreite und Flankensteilheit |
| Koppelkapazität | Kapazität zwischen den Wicklungen; lässt schnelle Störungen über die Trennung |
| Spannungszeitfläche (ET) | größtes Produkt aus Spannung und Pulsdauer in V·µs, bevor der Kern sättigt |
| Isolationsspannung | Prüfspannung zwischen den Seiten, z. B. 1500 V AC für eine Minute |
| DCR | Wicklungswiderstand, bestimmt die Verluste |
Zwei Werte begrenzen den Frequenzbereich. Unten schließt die Hauptinduktivität das Signal zunehmend kurz: Ihr induktiver Blindwiderstand wird bei tiefen Frequenzen klein. Oben begrenzen Streuinduktivität und Wicklungskapazität.
Die Spannungszeitfläche ist die Grenze für Impuls- und Leistungsübertrager. Während eines Rechteckpulses steigt der Fluss im Kern linear an. Wird der Puls zu lang oder die Spannung zu groß, sättigt der Kern, die Hauptinduktivität bricht ein und der Primärstrom schießt in die Höhe – das Gleiche wie bei einer gesättigten Speicherdrossel.
Bauformen und Anwendungen
- Ethernet-Übertrager: In jedem LAN-Anschluss mit Kupferkabel. Sie trennen das Gerät vom Kabel, unterdrücken Gleichtaktstörungen und passen die Pegel an. Meist sind pro Leitungspaar ein Übertrager mit Mittelanzapfung und eine stromkompensierte Drossel in einem Gehäuse kombiniert. Platzsparend sind RJ45-Buchsen mit integriertem Übertrager (MagJack).
- Audioübertrager: Symmetrieren Signale, trennen Masseschleifen auf und passen Mikrofone an Vorverstärker an. Sie stecken oft in Mu-Metall-Bechern, die Brummeinstreuung abschirmen.
- Impuls- und Gate-Übertrager: Übertragen Schaltimpulse an Leistungstransistoren, deren Emitter oder Source auf hohem Potenzial liegt.
- Übertrager für Schaltnetzteile: In Sperr- und Durchflusswandlern übertragen sie Leistung und trennen den Netzteil-Ausgang sicher vom Netz. Kleine Typen versorgen isolierte Schnittstellen wie RS-485 oder CAN mit 0,5 bis 2 W.
- Stromwandler: Ein Ringkern mit vielen Sekundärwindungen, durch den der zu messende Leiter als Primärwicklung mit nur einer Windung läuft.
Beim Stromwandler wirkt die Umkehrung des Stromverhältnisses: Mit einer Primärwindung und N2 Sekundärwindungen fließt sekundär nur I1 / N2. Ein Bürdenwiderstand RB wandelt diesen Strom in eine messbare Spannung.
Auswahl und Praxistipps
Beginne mit der Aufgabe: Signal, Impuls, Leistung oder Strommessung. Danach legst du Übersetzungsverhältnis, Frequenzbereich und Isolationsspannung fest. Für Leistungs- und Impulsübertrager prüfst du die Spannungszeitfläche im ungünstigsten Fall – höchste Spannung, längster Puls. Für Ethernet, USB-Isolation oder Gate-Treiber nennen die Hersteller der Treiber-ICs meist geprüfte Übertrager; bleib bei diesen.
Häufige Fehler:
- Wicklungssinn vertauscht: Bei Gegentakt-, Sperr- und Durchflusswandlern entscheidet die Polarität über die Funktion. Prüfe die Punkte im Symbol gegen das Datenblatt.
- Stromwandler sekundär offen betrieben: Ohne Bürde versucht der Wandler, seinen Strom zu erzwingen, und erzeugt an den offenen Klemmen hohe Spannungsspitzen. Die Sekundärseite muss immer belastet oder kurzgeschlossen sein.
- Gleichstrom durch die Wicklung: Ein Gleichanteil magnetisiert den Kern vor und lässt ihn früher sättigen. Ein Koppelkondensator in Reihe hält ihn fern.
- Isolationsabstände auf der Platine vergessen: Der Übertrager hält 1500 V, aber Leiterbahnen oder Kupferflächen, die unter ihm hindurch von einer Seite zur anderen reichen, überbrücken die Trennung.
- Koppelkapazität unterschätzt: Schnelle Flanken auf der einen Seite gelangen über die Kapazität zwischen den Wicklungen auf die andere. Bei schnellen Schaltvorgängen hilft ein Typ mit Schirmwicklung oder ein Kondensator am Ausgang, siehe EMV.
Für die Übertragung digitaler Signale über eine Trennung gibt es neben Übertragern auch Optokoppler und digitale Isolatoren. Übertrager sind dort im Vorteil, wo zusätzlich Energie übertragen werden soll oder hohe Bandbreite gefragt ist.
Selbsttest
Warum überträgt ein Übertrager keine Gleichspannung?
Nur ein sich ändernder magnetischer Fluss induziert eine Spannung in der Sekundärwicklung; ein konstanter Strom erzeugt keinen sich ändernden Fluss.
Ein Übertrager hat ü = 1:4. Wie erscheint eine Last von 600 Ω an der Primärseite?
Die Impedanz wird mit ü2 übersetzt: 600 Ω · (1/4)2 = 37,5 Ω.
Was begrenzt die untere Grenzfrequenz eines Signalübertragers?
Die Hauptinduktivität: Bei tiefen Frequenzen wird ihr Blindwiderstand klein und schließt das Signal kurz.
Ein Impulsübertrager hat eine Spannungszeitfläche von 20 V·µs. Wie lang darf ein 12-V-Puls höchstens sein?
20 V·µs / 12 V ≈ 1,7 µs.
Warum darfst du einen Stromwandler nie mit offener Sekundärseite betreiben?
Er erzwingt den Sekundärstrom; ohne Bürde entstehen an den offenen Klemmen gefährlich hohe Spannungen, und der Kern sättigt.