Ein ESP32 soll einen 12-V-LED-Streifen dimmen. In Foren wird dafür der IRF540N empfohlen – also bestellt, eingelötet, eingeschaltet. Die LEDs leuchten nur schwach, der MOSFET wird glühend heiß. Der Grund steht im Datenblatt: Der IRF540N ist für 10 V am Gate gebaut, der ESP32 liefert 3,3 V. Was du brauchst, ist ein Logic-Level-MOSFET – ein MOSFET, der schon mit der Spannung eines Logikausgangs voll durchschaltet.
Was „Logic Level“ bedeutet
Ein MOSFET beginnt bei seiner Schwellspannung UGS(th) zu leiten. Diese Zahl verführt zu einem Trugschluss: Bei UGS(th) fließen definitionsgemäß nur einige Mikroampere, meist 250 µA. Voll eingeschaltet, also mit dem kleinen Widerstand aus der Überschrift des Datenblatts, ist der MOSFET erst bei einer deutlich höheren Spannung. Genau die zählt.
Ob ein MOSFET „logic level“ ist, erkennst du daher nicht an einem Etikett, sondern an einer Zeile im Datenblatt: Für welche Gate-Spannung ist RDS(on) garantiert?
| Klasse | RDS(on) garantiert bei | passt an |
|---|---|---|
| Standard-Level | 10 V | Gate-Treiber mit 10–12 V |
| Logic-Level | 4,5 V oder 5 V | 5-V-Logik |
| Super-Logic-Level | 2,5 V oder 1,8 V | 3,3-V- und 1,8-V-Logik |
Für einen 3,3-V-Mikrocontroller brauchst du einen Wert bei 2,5 V oder darunter. Ein Typ, der nur bei 4,5 V spezifiziert ist, funktioniert an 3,3 V oft trotzdem – aber nicht garantiert, und nicht bei jedem Exemplar und jeder Temperatur. Die Schwellspannung streut von Exemplar zu Exemplar und sinkt mit steigender Temperatur; bei Kälte schaltet derselbe MOSFET also schlechter durch. Das passt zum allgemeinen Temperaturverhalten, das Temperaturverhalten von Halbleitern beschreibt.
Der physikalische Unterschied
Logic-Level-MOSFETs haben ein dünneres Gate-Oxid oder eine angepasste Dotierung unter dem Gate. Das elektrische Feld erzeugt dann schon bei kleinerer Spannung genug Ladungsträger im Kanal. Der Preis: Die zulässige Gate-Spannung ist niedriger, oft ±12 V statt ±20 V, und das Gate ist empfindlicher gegen Überspannung und ESD. Außerdem sind viele Logic-Level-Typen für kleinere Drain-Spannungen ausgelegt – bei 20 bis 60 V ist die Auswahl riesig, bei 600 V kaum noch vorhanden.
Typen im Vergleich
| Typ | Gehäuse | UDS | RDS(on) max. | UGS(th) | UGS,max | Klasse |
|---|---|---|---|---|---|---|
| IRF540N | TO-220 | 100 V | 44 mΩ bei 10 V | 2–4 V | ±20 V | Standard |
| IRLZ44N | TO-220 | 55 V | 25 mΩ bei 5 V, 35 mΩ bei 4 V | 1–2 V | ±16 V | Logic-Level |
| IRLML6344 | SOT-23 | 30 V | 29 mΩ bei 4,5 V, 37 mΩ bei 2,5 V | 0,5–1,1 V | ±12 V | Super-Logic-Level |
| BSS138 | SOT-23 | 50 V | 3,5 Ω bei 10 V, 6 Ω bei 4,5 V | 0,8–1,5 V | ±20 V | Kleinsignal, Pegelwandler |
Das „L“ in IRLZ44N oder IRLML steht bei diesem Hersteller für Logic Level; verlassen solltest du dich darauf nicht – andere Hersteller benennen anders. Wie Typbezeichnungen grundsätzlich aufgebaut sind, steht unter Kennzeichnung von Transistoren.
Durchgerechnet: LED-Streifen am ESP32
Die Leit- und Schaltverluste mit Sperrschichttemperatur rechnest du mit dem Rechner MOSFET-Verluste nach; er hat den IRLZ44N bei 5 V schon als Vorlage. Wie Kupferflächen auf der Platine kühlen, erklärt Wärme und Kühlung.
Ansteuerung
- Gate-Widerstand 47 bis 220 Ω direkt am Gate: Er begrenzt den Umladestrom aus dem Pin und dämpft Schwingungen auf der Leitung.
- Pull-down 10 kΩ bis 100 kΩ von Gate nach Source: Beim Booten sind die Pins hochohmig; ohne ihn schaltet der MOSFET undefiniert ein.
- Umschaltzeit abschätzen: Mit der Gate-Ladung Qg und dem Strom, den der Pin liefert, gilt t ≈ Qg / IG. Der IRLML6344 braucht 6,8 nC; mit rund 15 mA aus dem Pin über 100 Ω sind das etwa 0,5 µs – für PWM bis einige Kilohertz problemlos. Der IRLZ44N mit 48 nC braucht am selben Pin über 3 µs; für schnelle PWM gehört dann ein Gate-Treiber dazwischen.
- Freilaufdiode bei induktiven Lasten wie Motoren und Relais, genau wie beim Bipolartransistor, siehe Transistor als Schalter.
Logic-Level-MOSFET oder Bipolartransistor?
Für kleine Lasten bis etwa 100 mA ist ein NPN-Transistor mit Basiswiderstand genauso gut und oft billiger. Ab einigen hundert Milliampere spielt der Logic-Level-MOSFET seine Stärken aus: kein Dauerstrom aus dem Pin, kaum Spannungsfall, kaum Wärme. Gegen einen Darlington-Transistor, der bei 3 A ein bis zwei Volt verliert, gewinnt er mühelos.
Auswahl und Praxistipps
- Gate-Spannung festlegen: 5 V oder 3,3 V? Danach die Klasse wählen.
- RDS(on) bei dieser Spannung aus der Tabelle lesen, nicht aus der Überschrift (die gilt meist bei 10 V).
- Verluste rechnen mit I2 · RDS(on) und einem Temperaturzuschlag von 50 bis 100 %.
- Spannungsreserve: UDS mindestens das 1,5-Fache der Versorgung, bei induktiven Lasten mehr.
- Gate-Grenze prüfen: Treibst du das Gate aus einer 12-V-Quelle, darf UGS,max nicht nur ±8 oder ±12 V betragen.
Häufige Fehler:
- Standard-MOSFET aus einer Projektanleitung übernommen, die mit 10-V-Treiber arbeitete.
- Nur auf die Schwellspannung geschaut – „1–2 V, passt doch“ – und dabei übersehen, dass RDS(on) nur bei 10 V angegeben ist.
- Kupferfläche vergessen: Ein SOT-23 auf minimalem Footprint verträgt deutlich weniger als im Datenblatt.
- High-Side mit N-Kanal: Liegt der MOSFET in der Plusleitung, braucht sein Gate eine Spannung über der Versorgung. Für die High-Side an Logikpins nimmst du einen P-Kanal-Logic-Level-Typ mit Pegelwandler oder einen fertigen High-Side-Schalter.
Selbsttest
Woran erkennst du im Datenblatt einen Logic-Level-MOSFET?
Daran, dass RDS(on) für eine Gate-Spannung von 4,5 V oder weniger garantiert ist, nicht nur für 10 V.
Warum reicht eine Schwellspannung von 2 V nicht als Nachweis, dass ein MOSFET an 3,3 V funktioniert?
Bei UGS(th) fließen nur Mikroampere; ob er bei 3,3 V voll durchschaltet, sagt nur ein RDS(on)-Wert bei dieser oder einer kleineren Spannung.
Ein MOSFET mit 25 mΩ bei 5 V führt 6 A. Welche Leitverluste entstehen bei 25 °C?
(6 A)2 · 0,025 Ω = 0,9 W; im warmen Betrieb eher 1,3 bis 1,8 W.
Wozu dient der Pull-down von Gate nach Source?
Er hält den MOSFET sicher aus, solange der Steuerpin hochohmig ist, etwa beim Booten oder bei abgezogenem Kabel.
Warum haben Logic-Level-MOSFETs oft eine kleinere zulässige Gate-Spannung?
Ihr Gate-Oxid ist dünner, damit schon kleine Spannungen ein starkes Feld erzeugen; dadurch schlägt es auch früher durch.