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Transistor als Schalter

Eine Transistor-Schalterstufe für Relais, LEDs und Motoren Schritt für Schritt auslegen: Basiswiderstand, Übersteuerung, Freilaufdiode und typische Fehler.

7 Min. LesezeitTransistor als SchalterBasiswiderstand berechnenLow-Side-SchalterRelais ansteuern

Ein Mikrocontroller kann an seinen Pins einige Milliampere bei 3,3 V oder 5 V liefern. Ein Relais, ein Lüfter, ein Summer oder ein LED-Streifen brauchen mehr Strom oder eine höhere Spannung. Die einfachste und billigste Brücke dazwischen ist ein einzelner Transistor als Schalter: ein paar Cent für das Bauteil, zwei Widerstände, bei Spulen noch eine Diode. Damit diese Stufe zuverlässig funktioniert, musst du sie aber bewusst auslegen – mit dem ungünstigsten Exemplar, der richtigen Übersteuerung und einem Plan für die Abschaltspitze.

Dieser Artikel führt dich am NPN-Transistor als Low-Side-Schalter durch die Rechnung. Das Prinzip gilt sinngemäß auch für den PNP-Transistor auf der High-Side und, mit anderen Kennwerten, für den MOSFET.

Das Prinzip

Ein Schalter soll zwei Zustände haben: ganz offen und ganz geschlossen. Der Transistor schafft beides:

  • Aus: Liegt an der Basis weniger als etwa 0,5 V, fließt kein Basisstrom, der Transistor sperrt. Über ihm liegt die volle Versorgungsspannung, der Strom ist praktisch null.
  • Ein: Bekommt die Basis deutlich mehr Strom als für den Laststrom nötig, sättigt der Transistor. Über ihm bleiben nur 0,1 bis 0,3 V, die Last bekommt fast die volle Spannung.

In beiden Zuständen ist das Produkt aus Spannung und Strom am Transistor klein – er bleibt kalt. Warm wird er nur im Zwischenbereich, dem Verstärkerbetrieb. Diesen Zustand musst du vermeiden; was dabei im Kristall passiert, steht unter Übersteuerung und Sättigung.

Auslegung in fünf Schritten

Ablauf der Auslegung: Laststrom bestimmen, h_FE,min ablesen, Basisstrom mit Übersteuerung, Basiswiderstand, Prüfung
In fünf Schritten zum Basiswiderstand.
  1. Laststrom bestimmen. Aus dem Datenblatt der Last oder mit dem ohmschen Gesetz: IC = UB / RL. Damit wählst du einen Transistor mit genügend IC und UCEO.
  2. Kleinste Stromverstärkung ablesen – beim tatsächlichen Laststrom, nicht beim Messpunkt von 2 mA. Bei vielen Typen fällt hFE zu hohen Strömen deutlich ab.
  3. Basisstrom mit Übersteuerung: IB = ü · IChFE,min ü = 2 … 5
  4. Basiswiderstand: Die Steuerspannung USt minus die Basis-Emitter-Spannung fällt an RB ab, genau wie bei einem Vorwiderstand: RB = USt − UBEIB Den Wert rundest du auf den nächstkleineren Normwert der E-Reihe ab, damit der Basisstrom nicht unter den berechneten fällt.
  5. Prüfen: Verlustleistung im Transistor, Strom aus dem Steuerpin, bei induktiven Lasten die Freilaufdiode.

Durchgerechnet: Relais an einem 3,3-V-Pin

Ein ESP32 soll ein gängiges 5-V-Relais schalten. Die Spule hat 70 Ω.

Schaltplan: GPIO 3,3 V über 2,2 kΩ an die Basis eines BC337-40, 10 kΩ nach Masse, Relais 5 V/70 Ω am Kollektor mit Freilaufdiode 1N4148
Relaisstufe: 2,2 kΩ zur Basis, 10 kΩ als Pull-down, 1N4148 als Freilaufdiode.

Rechne deine eigene Stufe mit dem Rechner nach:

Rechner

Transistor als Schalter

Kollektorstrom
100 mA
Nötiger Basisstrom
3 mA
Rechnerisch
867 Ω
Nimm (E12, abgerundet)
820 Ω
Basisstrom damit
3,17 mA
Übersteuerung damit
3,2
Verlust im Transistor
32,2 mW
Belastung des Pins
3,17 mA bei 3,3 V
µC3,3 VRB = 820 ΩIB = 3,17 mARPD2N2222AUCE = 300 mVUB = 12 VLastIC = 100 mA

IB = ü · IC / hFE,min und RB = (USt − UBE) / IB, abgerundet auf E12, damit eher etwas mehr Basisstrom fließt. Der Übersteuerungsfaktor ü treibt den Transistor sicher in die Sättigung: hFE sinkt bei großem Strom, in der Kälte und im gesättigten Betrieb. Verlust im Transistor P = UCE(sat) · IC + UBE · IB, nur im eingeschalteten Zustand ohne Schaltverluste. Vorgaben 2N2222A: hFE ≥ 100 bei 150 mA; UCE(sat) ≤ 0,3 V bei 150 mA, ≤ 1 V bei 500 mA (Datenblatt). Ein Pull-down RPD (10 bis 100 kΩ) hält den Transistor gesperrt, solange der Pin beim Start noch offen ist.

Der Widerstand von Basis nach Emitter

Der zweite Widerstand RBE (typisch 10 kΩ bis 100 kΩ) wird oft weggelassen und fehlt dann im falschen Moment. Er sorgt dafür, dass der Transistor sicher sperrt,

  • solange der Mikrocontroller bootet und seine Pins noch hochohmig sind – sonst zieht das Relais beim Einschalten kurz an,
  • wenn das Steuerkabel lang ist oder abfällt und die Basis sonst Störungen einfängt,
  • und er räumt beim Abschalten die Basis schneller aus.

Er kostet nur einen kleinen Teil des Basisstroms, den du in Schritt 4 berücksichtigst.

Induktive Lasten und die Freilaufdiode

Relais, Magnetventile, Motoren und Lautsprecher sind Spulen. Eine Spule will ihren Strom beibehalten (siehe Spule an Gleichspannung). Schaltet der Transistor ab, treibt sie den Strom weiter und erzeugt dafür jede Spannung, die nötig ist – am Kollektor entstehen Spitzen von vielen zehn bis einigen hundert Volt, bis der Transistor durchbricht. Einmal überlebt er das vielleicht, nach einigen tausend Schaltspielen nicht mehr.

Kollektorspannung beim Abschalten: ohne Freilaufdiode eine hohe Spitze bis zum Durchbruch, mit Freilaufdiode nur etwa 5,7 V
Ohne Diode schießt die Spannung beim Abschalten weit über die Versorgung, mit Diode nur um etwa 0,7 V.

Die Freilaufdiode parallel zur Spule, mit der Kathode an Plus, gibt dem Strom einen Weg: Er kreist durch Spule und Diode und klingt ab. Die Kollektorspannung steigt nur auf die Versorgung plus Diodenspannung, im Beispiel etwa 5,7 V. Die Diode muss den Spulenstrom kurz tragen können; für kleine Relais reicht eine 1N4148, für Motoren nimmst du eine 1N4007 oder eine Schottky-Diode.

Weitere Lasten

  • LEDs: Der Strom wird von einem Vorwiderstand bestimmt, nicht vom Transistor. Rechne den Vorwiderstand mit der Versorgung minus LED-Spannung minus UCE(sat), zum Beispiel mit dem Rechner LED-Vorwiderstand.
  • Glühlampen (ungünstigster Fall): Der kalte Faden hat nur etwa ein Zehntel seines Betriebswiderstands. Eine 12-V-Lampe mit 5 W zieht im Betrieb 5 W / 12 V ≈ 0,42 A, beim Einschalten für einige Millisekunden rund 4 A. Lege den Basisstrom so aus, dass der Transistor auch diesen Spitzenstrom noch weitgehend sättigt, oder nimm einen MOSFET.
  • Motoren: Auch beim Anlauf oder Blockieren fließt ein Vielfaches des Nennstroms. Dazu kommen Freilaufdiode und Entstörkondensator.
  • Viele Kanäle: Für sieben Relais nimmst du statt sieben Einzeltransistoren einen ULN2003. Er enthält sieben Darlington-Transistoren samt Basiswiderständen und Freilaufdioden; seine Restspannung von rund 1 V solltest du einplanen.

Bipolar oder MOSFET?

Für Lasten bis einige hundert Milliampere ist der Bipolartransistor oft die billigste und robusteste Lösung; er schaltet schon ab 0,7 V an der Basis, also mit jeder Logik. Ab etwa 0,5 bis 1 A wird der Basisstrom unbequem groß, die Sättigungsspannung steigt und mit ihr die Wärme (Wärme und Kühlung). Dann ist ein Logic-Level-MOSFET die bessere Wahl: Er braucht im eingeschalteten Zustand keinen Steuerstrom, und sein Einschaltwiderstand liegt bei wenigen Milliohm bis einigen zehn Milliohm.

Häufige Fehler

  • Mit typischem statt kleinstem hFE gerechnet: Funktioniert mit dem Exemplar auf dem Tisch, aber nicht mit dem in der Serie.
  • hFE beim falschen Strom abgelesen: Der BC547 garantiert 200 bei 2 mA, bei 100 mA ist deutlich weniger übrig.
  • Basiswiderstand aufgerundet: Der Basisstrom fällt dann unter den berechneten Wert.
  • Freilaufdiode vergessen oder verpolt: Vergessen zerstört auf Dauer den Transistor; verpolt schließt sie die Versorgung kurz, sobald der Transistor einschaltet.
  • Pull-down fehlt: Das Relais zuckt beim Einschalten des Controllers.
  • Massen nicht verbunden: Hat die Last eine eigene Versorgung, muss deren Masse mit der Masse des Controllers verbunden sein – sonst fehlt der Rückweg für den Basisstrom.

Selbsttest

Warum wird ein Schalttransistor kaum warm, obwohl er große Ströme schaltet?

Gesperrt fließt kein Strom, gesättigt liegt kaum Spannung an; das Produkt UCE · IC bleibt in beiden Zuständen klein.

Eine Last zieht 150 mA, hFE,min = 100, ü = 3, Steuerspannung 5 V. Welcher Basiswiderstand?

IB = 3 · 150 mA / 100 = 4,5 mA; RB = (5 V − 0,7 V) / 4,5 mA ≈ 956 Ω, abgerundet 820 Ω aus der E12-Reihe.

Warum rundest du den Basiswiderstand ab und nicht auf?

Ein kleinerer Widerstand ergibt etwas mehr Basisstrom; aufgerundet sänke die Übersteuerung unter den geplanten Wert.

Wozu dient die Freilaufdiode, und wie wird sie eingebaut?

Sie nimmt beim Abschalten den Strom der Spule auf und begrenzt die Spannungsspitze; Kathode an Plus, Anode am Kollektor, parallel zur Spule.

Was bewirkt der Widerstand zwischen Basis und Emitter?

Er hält den Transistor gesperrt, solange die Basis nicht aktiv angesteuert wird, etwa beim Booten des Controllers, und räumt beim Abschalten die Basis aus.