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Spannungsprüfer

Einpoliger Phasenprüfer, zweipoliger Spannungsprüfer und berührungsloser Tester: was sie können und warum nur der zweipolige Spannungsfreiheit nachweist.

4 Min. LesezeitSpannungsprüferPhasenprüferzweipoligSpannungsfreiheit

Ein Spannungsprüfer beantwortet nur eine Frage: Liegt Spannung an oder nicht? Er zeigt keinen genauen Messwert wie ein Multimeter, sondern grobe Stufen oder nur ein Ja/Nein. Gerade deshalb ist er im Elektrohandwerk das wichtigste Sicherheitswerkzeug: Bevor jemand an einer Anlage arbeitet, muss feststehen, dass sie spannungsfrei ist. Welches Gerät das zuverlässig kann – und welches ausdrücklich nicht –, erfährst du hier.

Der einpolige Phasenprüfer

Der bekannte Schraubendreher mit Glimmlampe im Griff ist ein einpoliger Prüfer. Seine Spitze berührt den Leiter, dein Finger die Kontaktfläche am Ende. Der Stromkreis schließt sich über einen hochohmigen Schutzwiderstand, die Glimmlampe, deinen Körper und den Boden zur Erde. Der Strom ist dabei so klein (unter 0,5 mA), dass du ihn nicht spürst – aber er reicht, um die Glimmlampe zünden zu lassen.

Stromweg beim einpoligen Phasenprüfer vom Leiter über Widerstand, Glimmlampe und Körper zur Erde
Einpoliger Prüfer: Der Stromkreis schließt sich über deinen Körper zur Erde.

Das Prinzip hat entscheidende Schwächen:

  • Wie hell die Lampe glimmt, sagt nichts über die Höhe der Spannung, sondern hängt vom Übergang zwischen dir und der Erde ab. Stehst du auf einem isolierenden Boden, einer Holzleiter oder trägst du Gummisohlen, leuchtet sie trotz Spannung womöglich kaum oder gar nicht.
  • Am geerdeten Neutralleiter bleibt die Lampe im Normalfall dunkel – sie unterscheidet also nur „Außenleiter“ von „vermutlich kein Außenleiter“.
  • Bei hellem Licht ist das schwache Glimmen kaum zu sehen.
  • Ein Neutralleiter, der wegen einer Unterbrechung Spannung führt, oder eine Spannung zwischen zwei Außenleitern wird nicht sicher erkannt.
  • Der Schutzwiderstand im Griff ist die einzige Barriere zwischen Netz und Mensch.

Der zweipolige Spannungsprüfer

Ein zweipoliger Spannungsprüfer hat zwei Prüfspitzen, die über eine Leitung verbunden sind. Er misst die Spannung zwischen den beiden Spitzen – also tatsächlich zwischen zwei Leitern, unabhängig davon, worauf du stehst. Die Anzeige erfolgt meist über eine LED-Kette in Stufen (zum Beispiel 12, 24, 50, 120, 230, 400 V), viele Geräte zeigen zusätzlich die Polarität bei Gleichspannung und das Drehfeld bei Drehstrom an.

Zweipoliger Spannungsprüfer mit zwei Prüfspitzen und LED-Stufenanzeige
Zweipoliger Spannungsprüfer: Er zeigt die Spannung zwischen den beiden Prüfspitzen an.

Zweipolige Prüfer nach DIN EN 61243-3 (VDE 0682-401) sind das vorgeschriebene Werkzeug, um Spannungsfreiheit festzustellen. Sie arbeiten oft ohne Batterie für die Grundanzeige, haben eine vergleichsweise niederohmige Last, die kapazitiv eingekoppelte „Phantomspannungen“ zusammenbrechen lässt, und tragen eine Messkategorie (meist CAT III oder CAT IV).

Abgeschaltete Leitung neben einer spannungsführenden, verbunden über eine Koppelkapazität; ein Voltmeter gegen Erde zeigt 80 V
Über die Kapazität zwischen zwei parallelen Leitungen koppelt Spannung in die abgeschaltete Leitung ein – ein hochohmiges Voltmeter zeigt sie an.

Berührungslose Spannungsprüfer

Stiftförmige Tester, die piepen, sobald man sie in die Nähe einer Leitung hält, erfassen das elektrische Wechselfeld. Sie sind praktisch, um einen Leitungsverlauf oder einen Kabelbruch zu orten. Abgeschirmte Kabel, Gleichspannung oder eine leere Batterie lassen sie aber stumm bleiben, umgekehrt schlagen sie bei Störfeldern auch ohne Gefahr an. Zum Nachweis der Spannungsfreiheit sind sie nicht zugelassen.

Stiftförmiger berührungsloser Spannungsprüfer mit rot leuchtender Spitze nahe an einer Leitung
Der berührungslose Tester reagiert auf das elektrische Wechselfeld um die Leitung mit Licht und Signalton.
GeräterkenntSpannungsfreiheit feststellen?
einpoliger PhasenprüferAußenleiter gegen Erde (unsicher)nein
berührungsloser TesterWechselfeld in der Nähenein
zweipoliger SpannungsprüferSpannung zwischen zwei Punktenja
Multimetergenaue Spannungnur eingeschränkt, nicht vorgesehen

Prüfen nach den fünf Sicherheitsregeln

Elektrofachkräfte gehen vor Arbeiten an Anlagen immer gleich vor:

  1. Freischalten
  2. Gegen Wiedereinschalten sichern
  3. Spannungsfreiheit allpolig feststellen
  4. Erden und kurzschließen
  5. Benachbarte, unter Spannung stehende Teile abdecken oder abschranken
Ablaufdiagramm der fünf Sicherheitsregeln, der dritte Schritt hervorgehoben
Die fünf Sicherheitsregeln in fester Reihenfolge – beim dritten Schritt kommt der zweipolige Spannungsprüfer zum Einsatz.

Beim dritten Schritt kommt der zweipolige Spannungsprüfer zum Einsatz: allpolig heißt, jeder Leiter gegen jeden – Außenleiter gegen Neutralleiter, gegen Schutzleiter und untereinander.

Drei Leiterenden L, N und PE mit Bögen für die Prüfpaare L–N, L–PE und N–PE
Allpolig prüfen bei einer Wechselstromleitung: L gegen N, L gegen PE und N gegen PE.

Selbsttest

Warum darf ein einpoliger Phasenprüfer nicht zum Feststellen der Spannungsfreiheit verwendet werden?

Er braucht den Körper als Rückleiter zur Erde; bei isoliertem Standort oder schlechtem Licht zeigt er trotz Spannung nichts an.

Was misst ein zweipoliger Spannungsprüfer?

Die Spannung zwischen seinen beiden Prüfspitzen – unabhängig vom Standort der prüfenden Person.

Warum prüfst du den Spannungsprüfer vor und nach der Messung?

Um sicherzustellen, dass er funktioniert hat; ein defektes Gerät würde fälschlich Spannungsfreiheit anzeigen.