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Drehspulmesswerk

Aufbau und Funktion des Drehspulmesswerks: Dauermagnet, Drehspule und Rückstellfeder ergeben eine lineare Skala – empfindlich, aber nur für Gleichstrom.

4 Min. LesezeitDrehspulmesswerkDauermagnetDrehmomentlineare Skala

Das Drehspulmesswerk ist das klassische Herz analoger Messgeräte. Fast jedes Zeigermultimeter, viele Panelmeter und alte Aussteuerungsanzeigen arbeiten damit. Es ist sehr empfindlich – schon wenige Mikroampere reichen für Vollausschlag –, hat eine gleichmäßig geteilte Skala und zeigt sogar an, in welche Richtung der Strom fließt. Dafür misst es ohne Hilfe nur Gleichstrom.

Aufbau

Ein kräftiger Dauermagnet mit zwei Polschuhen umschließt einen feststehenden Weicheisenkern. Im schmalen Luftspalt dazwischen entsteht ein gleichmäßiges, radial gerichtetes Magnetfeld. In diesem Spalt sitzt drehbar gelagert eine kleine rechteckige Drehspule aus sehr dünnem Kupferdraht, gewickelt auf einen Aluminiumrahmen. An der Spule ist der Zeiger befestigt. Zwei Spiralfedern – gegensinnig gewickelt – erzeugen das Rückstellmoment und führen gleichzeitig den Strom in die Spule.

Prinzip des Drehspulmesswerks mit Magnet, Kern, Drehspule, Zeiger und Feder
Drehspulmesswerk: Die Spule dreht sich im Feld des Dauermagneten, die Feder hält dagegen.

Hochwertige Instrumente verwenden statt Spitzenlagern ein Spannband: ein dünnes, gespanntes Metallband, das Lagerung, Rückstellfeder und Stromzuführung zugleich ist und praktisch reibungsfrei arbeitet.

So entsteht der Ausschlag

Fließt Strom durch die Drehspule, wirkt auf jeden Leiter im Magnetfeld eine Kraft – die Lorentzkraft aus dem Elektromagnetismus. Weil die Ströme auf den beiden Spulenseiten entgegengesetzt fließen, ergeben die Kräfte ein Drehmoment:

Querschnitt mit Nord- und Südpol, Kern und zwei Spulenleitern; links Kraft nach oben, rechts nach unten, Drehmoment im Uhrzeigersinn
Links fließt der Strom aus der Zeichenebene heraus, rechts hinein: Die beiden Kräfte zeigen in entgegengesetzte Richtungen und drehen die Spule.
M = B · A · N · I
GrößeBedeutung
Bmagnetische Flussdichte im Luftspalt
AFläche der Spule
NWindungszahl
IStrom durch die Spule

Die Spiralfeder hält mit einem Moment dagegen, das proportional zum Drehwinkel wächst. Der Zeiger bleibt stehen, wo beide Momente gleich groß sind. Da B, A und N konstant sind, ist der Ausschlag direkt proportional zum Strom – die Skala ist linear, also gleichmäßig geteilt.

Diagramm: Zeigerausschlag in Prozent steigt als Gerade von 0 bei 0 µA auf 100 bei 50 µA
Kennlinie eines Messwerks mit 50 µA Vollausschlag: Halber Strom ergibt genau halben Ausschlag.

Dämpfung und Polarität

Ohne Dämpfung würde der Zeiger lange um den Endwert pendeln. Der Aluminiumrahmen der Spule bildet eine kurzgeschlossene Windung: Bewegt er sich im Magnetfeld, entstehen darin Wirbelströme, die die Bewegung bremsen. So kommt der Zeiger schnell und ohne Überschwingen zur Ruhe.

Weil das Drehmoment vom Vorzeichen des Stroms abhängt, ist das Messwerk polaritätsabhängig. Die Anschlüsse sind mit + und − gekennzeichnet; bei falscher Polung schlägt der Zeiger gegen den linken Anschlag. Wechselstrom von 50 Hz kann die träge Spule nicht folgen – sie zeigt dessen Mittelwert, also null.

Zwei Zeigerinstrumente: links richtig gepolt mit Ausschlag bei etwa 70, rechts falsch gepolt mit Zeiger am linken Anschlag
Bei richtiger Polung schlägt der Zeiger nach rechts aus, bei vertauschten Anschlüssen drückt er gegen den linken Anschlag.

Wechselstrom messen mit Gleichrichter

Damit ein Drehspulgerät auch Wechselspannung anzeigt, schaltet man einen Brückengleichrichter vor. Das Messwerk bildet dann den Mittelwert des gleichgerichteten Stroms, den Gleichrichtwert. Die Skala ist so beschriftet, dass sie bei Sinus den Effektivwert zeigt – dazu wird mit dem Formfaktor 1,11 umgerechnet.

Wechselspannungsquelle an einem Brückengleichrichter aus vier Dioden, dessen Ausgang ein Messwerk speist
Der Brückengleichrichter lässt den Strom in beiden Halbwellen in derselben Richtung durch das Messwerk fließen.

Empfindlichkeit und Kennwiderstand

Ein typisches Drehspulmesswerk braucht für Vollausschlag zwischen 10 µA und 1 mA und hat einen Innenwiderstand von einigen hundert bis einigen tausend Ohm. Weil so wenig Strom genügt, ist der Eigenverbrauch gering – meist nur Mikrowatt –, und dank des gleichmäßigen Feldes und der linearen Skala erreichen Drehspulinstrumente die besten Genauigkeitsklassen unter den Zeigergeräten, als Feinmessinstrumente bis Klasse 0,1. Für größere Ströme schaltet man einen Nebenwiderstand (Shunt) parallel, für Spannungen einen Vorwiderstand in Reihe – das ist die Messbereichserweiterung.

Bei Analogvoltmetern ist der Kennwiderstand in Ω/V angegeben. Er ist der Kehrwert des Vollausschlagstroms:

rK = 1Ivoll

Selbsttest

Warum ist die Skala eines Drehspulmesswerks linear?

Das Drehmoment ist proportional zum Strom, das Federmoment proportional zum Winkel – also ist der Winkel proportional zum Strom.

Was zeigt ein Drehspulmesswerk ohne Gleichrichter an 50-Hz-Wechselstrom?

Praktisch null, denn der Mittelwert eines Sinus ist null und die Spule ist zu träge.

Welchen Kennwiderstand hat ein Messwerk mit 100 µA Vollausschlag?

1 / 100 µA = 10 kΩ/V.