<style>[reveal]{opacity:1 !important;transform:none !important}</style>

Messbereichserweiterung

Wie ein Vorwiderstand den Spannungsbereich und ein Shunt den Strombereich eines Messwerks erweitert – mit Formeln, Rechenbeispielen und Praxistipps.

5 Min. LesezeitMessbereichserweiterungVorwiderstandShuntNebenwiderstand

Ein typisches Drehspulmesswerk schlägt schon bei 50 oder 100 µA voll aus, an seinen Anschlüssen liegen dann nur rund 0,1 V. Trotzdem misst dasselbe Instrument mit umgeschaltetem Bereich 600 V oder 10 A. Der Trick ist die Messbereichserweiterung: Ein Vorwiderstand nimmt die überschüssige Spannung auf, ein Nebenwiderstand (Shunt) leitet den überschüssigen Strom am Messwerk vorbei. Beides ist angewandtes Ohmsches Gesetz mit Reihen- und Parallelschaltung.

Kenngrößen des Messwerks

Jedes Messwerk wird durch zwei Werte beschrieben:

  • den Vollausschlagstrom IM – der Strom, bei dem der Zeiger am Skalenende steht,
  • den Innenwiderstand Ri – den Widerstand der Drehspule samt Zuleitungen.

Daraus ergibt sich die Vollausschlagspannung UM = Ri · IM. Ein Messwerk mit 100 µA und 1 kΩ hat also UM = 0,1 V. Ohne Erweiterung kann es nur bis 0,1 V oder 100 µA messen – mehr würde es überlasten.

Im Vielfachmessgerät schaltet der Bereichswahlschalter deshalb für jeden Spannungsbereich einen anderen Vorwiderstand und für jeden Strombereich einen anderen Shunt zu; die Skala bleibt dieselbe, nur ihr Endwert ändert sich. Wähle den Bereich so, dass der Zeiger möglichst im letzten Drittel steht: Der Ablesefehler und der auf den Endwert bezogene Fehler der Genauigkeitsklasse wiegen dort relativ am wenigsten.

Spannungsbereich erweitern: der Vorwiderstand

Für einen größeren Spannungsbereich schaltest du einen Vorwiderstand RV in Reihe zum Messwerk. Bei Vollausschlag fließt durch beide derselbe Strom IM, am Vorwiderstand fällt die Differenz zwischen Messbereich U und UM ab:

RV = U - UMIM = UIM - Ri
Voltmeter mit Vorwiderstand
Der Vorwiderstand liegt in Reihe zum Messwerk und nimmt den größten Teil der Messspannung auf.

Das Verhältnis n = U / UM heißt Erweiterungsfaktor; dann gilt auch RV = (n - 1) · Ri. Im Beispiel ist n = 100, also RV = 99 · 1 kΩ. Für eine Verdopplung des Bereichs (n = 2) brauchst du also einen Vorwiderstand, der genau so groß ist wie Ri.

Bei analogen Vielfachmessgeräten steht der Kennwiderstand auf der Skala, zum Beispiel „20 kΩ/V“. Er ist der Kehrwert des Vollausschlagstroms (1 / 50 µA = 20 kΩ/V) und sagt dir den Gesamtwiderstand für jeden Bereich: Im 10-V-Bereich hat das Gerät 200 kΩ. Je höher der Kennwiderstand, desto weniger belastet das Voltmeter die Schaltung – siehe Strom- und spannungsrichtiges Messen.

Vielfach-Voltmeter mit drei Vorwiderständen und Bereichsschalter
Vielfach-Voltmeter: Der Bereichsschalter greift die Vorwiderstandskette an verschiedenen Stellen ab – je höher der Bereich, desto mehr Vorwiderstand liegt in Reihe zum Messwerk.

Strombereich erweitern: der Shunt

Für einen größeren Strombereich legst du einen Nebenwiderstand RP (Shunt) parallel zum Messwerk. Der Gesamtstrom I teilt sich auf: IM fließt durchs Messwerk, der Rest IP = I - IM durch den Shunt. Weil beide an derselben Spannung UM liegen, gilt:

RP = UMI - IM = Rin - 1 n = IIM
Amperemeter mit Parallelwiderstand (Shunt)
Der Shunt liegt parallel zum Messwerk und führt den größten Teil des Stroms vorbei.

Hier ist es umgekehrt wie beim Vorwiderstand: Je größer der Erweiterungsfaktor, desto kleiner der Shunt. Bei n = 2 ist er so groß wie Ri – beide Zweige führen dann den halben Strom.

Shunts für große Ströme sind deshalb oft sehr niederohmig – Milliohm-Werte sind üblich – und müssen die Verlustleistung vertragen. Schon der Übergangswiderstand einer Schraubklemme kann die Messung verfälschen. Industrielle Shunts haben deshalb getrennte Strom- und Messanschlüsse, genau wie bei der Vierleitermessung.

Digitale Messgeräte und große Werte

In digitalen Messgeräten gilt dasselbe Prinzip, nur anders verpackt. Der Analog-Digital-Wandler misst typisch bis 200 mV oder 2 V. Für höhere Spannungen sitzt am Eingang ein Spannungsteiler mit insgesamt etwa 10 MΩ, der je nach Bereich umgeschaltet wird. Ströme werden über eingebaute Shunts in eine Spannung umgesetzt: Im 10-A-Bereich ist das oft ein Shunt von 10 mΩ, an dem bei Vollausschlag 100 mV abfallen. Auch der Tastkopf eines Oszilloskops mit 10:1 ist eine Bereichserweiterung – ein Vorwiderstand von 9 MΩ vor dem 1-MΩ-Eingang.

Eingangsspannungsteiler eines Digitalmultimeters mit 10 MΩ und Bereichsabgriffen
Eingangsteiler eines Digitalmultimeters: Insgesamt 10 MΩ, die Abgriffe teilen die Messspannung je Bereich um den Faktor 10, 100 oder 1000 herunter.

Für sehr hohe Spannungen und Ströme in der Energietechnik nutzt man Messwandler: Spannungswandler und Stromwandler sind Transformatoren mit genau bekanntem Übersetzungsverhältnis, die den Messkreis zugleich galvanisch vom Netz trennen.

Stromwandler mit Primärleiter, Ringkern, Sekundärwicklung und Amperemeter
Stromwandler 100 : 1 – der Leiter ist die Primärwindung, das Amperemeter an der Sekundärwicklung sieht nur ein Hundertstel des Stroms.

Selbsttest

Wie wird ein Vorwiderstand zum Messwerk geschaltet und wozu?

In Reihe; er erweitert den Spannungsmessbereich, indem er die überschüssige Spannung aufnimmt.

Ein Messwerk hat 1 mA und 100 Ω. Wie groß muss der Shunt für 10 A sein?

UM = 0,1 V; RP = 0,1 V / 9,999 A ≈ 10 mΩ.

Was bedeutet die Angabe 20 kΩ/V auf einem Zeigerinstrument?

Den Kennwiderstand: In jedem Spannungsbereich hat das Gerät 20 kΩ pro Volt Messbereich, im 10-V-Bereich also 200 kΩ.