Bezahlt wird beim Strom nicht die Leistung, sondern die elektrische Arbeit: wie viel Energie ein Gerät über die Zeit tatsächlich aufgenommen hat. Ein Wasserkocher mit 2 kW, der drei Minuten läuft, kostet weniger als ein 10-W-Router, der das ganze Jahr durchläuft. Ein Messgerät für Arbeit muss deshalb nicht nur die Leistung erfassen, sondern sie fortlaufend über die Zeit aufsummieren.
Arbeit ist Leistung mal Zeit
Ist die Leistung konstant, gilt:
Die SI-Einheit ist die Wattsekunde (Ws), identisch mit dem Joule. Für den Alltag ist sie viel zu klein, deshalb rechnet man in Kilowattstunden:
Bei Gleichstrom kannst du die Arbeit also indirekt bestimmen: Spannung und Strom messen, multiplizieren und mit der abgelaufenen Zeit von einer Uhr malnehmen – W = U · I · t. Ein 12-V-Verbraucher mit 2 A, der 5 Stunden läuft, setzt 12 V · 2 A · 5 h = 120 Wh um. Das funktioniert aber nur, solange sich nichts ändert, und ist für den Dauerbetrieb viel zu umständlich.
Ändert sich die Leistung, musst du die einzelnen Abschnitte addieren. Im Diagramm ist die Arbeit die Fläche unter der Leistungskurve.
Der Ferraris-Zähler
Jahrzehntelang hing in fast jedem Haushalt ein Induktionszähler nach Galileo Ferraris, erkennbar an der waagerechten Aluminiumscheibe mit roter Markierung. Eine Spannungsspule und eine Stromspule erzeugen zwei zeitlich und räumlich versetzte Magnetfelder. Sie induzieren Wirbelströme in der Scheibe, und die Wechselwirkung ergibt ein Drehmoment, das proportional zur Wirkleistung ist. Ein Dauermagnet bremst die Scheibe, sodass ihre Drehzahl der Leistung entspricht. Ein Rollenzählwerk zählt die Umdrehungen – also die Arbeit.
Auf dem Typenschild steht die Zählerkonstante, zum Beispiel „75 U/kWh“: 75 Scheibenumdrehungen entsprechen einer Kilowattstunde. Weil der Zähler die Wirkleistung misst, wird Blindleistung nicht berechnet – für Haushalte ist das so gewollt.
Elektronische Zähler
Heute werden Ferraris-Zähler durch elektronische Zähler ersetzt. Sie messen die Spannung über einen Teiler und den Strom über einen Shunt, einen Stromwandler oder einen Hall-Sensor, tasten beide Signale ab und berechnen daraus fortlaufend die Wirkleistung. Ein Mikrocontroller summiert die Energie auf und zeigt sie im Display an. Man unterscheidet:
- Moderne Messeinrichtung: digitaler Zähler mit Display, oft mit optischer Schnittstelle, aber ohne eigene Datenverbindung.
- Intelligentes Messsystem (Smart Meter): derselbe Zähler plus Kommunikationseinheit (Gateway), die Messwerte verschlüsselt an den Messstellenbetreiber übermittelt.
Statt einer Drehscheibe haben elektronische Zähler eine Impuls-LED. Ihre Zählerkonstante steht als „Imp/kWh“ auf dem Gerät, typisch sind 1000 oder 10 000 Imp/kWh. Je schneller sie blinkt, desto mehr Leistung wird gerade bezogen.
Arbeit kleiner Geräte und Akkus messen
Für einzelne Steckdosengeräte eignen sich Energiekostenmessgeräte als Zwischenstecker. Sie arbeiten wie ein kleiner elektronischer Zähler und zeigen neben der momentanen Leistung auch die aufgelaufene Energie in kWh.
In der Elektronik interessiert oft die Energie, die ein Akku liefert oder aufnimmt. Viele Ladegeräte und USB-Messadapter zählen dafür die geflossene Ladung in Milliamperestunden (mAh) und multiplizieren sie mit der Spannung zu Wattstunden (Wh). Solche Coulomb-Zähler (Ladungszähler) stecken auch als IC in Smartphones und Notebooks und liefern die Prozentanzeige des Akkus.
Wie du daraus Laufzeiten abschätzt, steht unter Laufzeit von Akku und USV berechnen.
Selbsttest
Was zeigt ein Stromzähler an – Leistung oder Arbeit?
Die Arbeit in kWh, also die über die Zeit aufsummierte Wirkleistung.
Ein Zähler mit 1000 Imp/kWh blinkt 20-mal pro Minute. Welche Leistung wird bezogen?
20 Impulse entsprechen 0,02 kWh pro Minute, also 1,2 kWh pro Stunde – rund 1200 W.
Wie viele Wattsekunden sind eine Kilowattstunde?
3,6 Millionen Ws (= 3,6 MJ).