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Quarzoszillator (Pierce)

Ein 8-MHz-Takt auf wenige ppm genau: Pierce-Oszillator mit 74HCU04 und Quarz aufbauen, Lastkondensatoren und Widerstände berechnen, Anschwingen prüfen.

7 Min. LesezeitPierce-OszillatorQuarzoszillator Schaltung74HCU04 QuarzQuarz Lastkondensatoren

Ein RC-Oszillator weicht schnell um einige Prozent ab, ein NE555 als Taktgeber immer noch um ein Prozent. Für eine serielle Schnittstelle, eine Uhr oder einen Frequenzzähler ist das viel zu ungenau. Hier braucht es einen Schwingquarz: Er hält seine Frequenz auf 20 bis 50 ppm genau, also auf wenige Tausendstel Prozent. Die Schaltung, mit der praktisch jeder Mikrocontroller seinen Quarz zum Schwingen bringt, ist der Pierce-Oszillator: ein invertierender Verstärker, ein Quarz und zwei kleine Kondensatoren.

Im Mikrocontroller steckt der Verstärker schon im Chip, du lötest nur Quarz und Kondensatoren an. Wenn du den Pierce-Oszillator einmal selbst mit einem Logik-Inverter aufgebaut hast, verstehst du, warum er manchmal nicht anschwingt und was die Lastkapazität im Datenblatt des Quarzes bedeutet. Hier entsteht ein 8-MHz-Takt mit dem 74HCU04 an 5 V.

Schaltplan

Pierce-Oszillator: Inverter IC1A (74HCU04, Pin 1 Eingang, Pin 2 Ausgang) mit RF 1 MΩ zwischen Ein- und Ausgang, Quarz Q1 8 MHz vom Eingang zum Knoten hinter RS 1 kΩ, C1 und C2 je 27 pF von beiden Quarzanschlüssen nach Masse, IC1B (Pin 3/4) als Puffer zum Taktausgang
Blau ist das frequenzbestimmende Netz aus Quarz und den beiden Lastkondensatoren. IC1B entkoppelt den Taktausgang.
  • IC1A, 74HCU04: ein ungepufferter CMOS-Inverter (Logik-IC). Er ist der Verstärker und dreht die Phase um 180°.
  • RF, 1 MΩ: setzt den Inverter in seinen Linearbereich. Ein- und Ausgang liegen dadurch im Mittel beide bei etwa 2,5 V.
  • Q1, 8 MHz: Grundtonquarz im HC-49-Gehäuse, spezifiziert für eine Lastkapazität von 18 pF.
  • C1, C2, 27 pF: die Lastkondensatoren, Keramikkondensatoren mit C0G-Dielektrikum. Sie bilden mit dem Quarz das Rückkopplungsnetz.
  • RS, 1 kΩ: begrenzt die Leistung im Quarz und dämpft Oberwellen.
  • IC1B: ein zweiter Inverter desselben ICs als Puffer. Jede Last am Taktausgang würde sonst die Frequenz verschieben.
  • Versorgung: Pin 14 an +5 V, Pin 7 an Masse, 100 nF direkt dazwischen. Die übrigen vier Eingänge legst du an Masse.

So funktioniert die Schaltung

Damit eine Schaltung schwingt, muss das Signal nach einem Umlauf durch Verstärker und Rückkopplung wieder mit derselben Phase und mindestens derselben Amplitude ankommen. Der Inverter liefert 180° Phasendrehung. Die anderen 180° kommen aus dem π-Glied aus C2, Quarz und C1.

Das klappt nur in einem schmalen Frequenzbereich knapp oberhalb der Serienresonanz des Quarzes. Dort verhält sich der Quarz wie eine Spule mit enormer Güte, und mit C1 und C2 bildet er einen Schwingkreis, dessen Phase sich mit der Frequenz extrem steil ändert. Weicht die Frequenz auch nur um einige ppm ab, stimmt die Phasenbedingung nicht mehr. Deshalb ist der Takt so stabil: Er hängt fast nur von der mechanischen Resonanz des Quarzplättchens ab, kaum von Inverter, Versorgung und Temperatur.

Beim Einschalten verstärkt der Inverter nur das Rauschen. Weil die Schleifenverstärkung über 1 liegt, wächst die Schwingung innerhalb einiger Millisekunden an, bis der Inverter übersteuert und die Amplitude begrenzt. Am Eingang siehst du dann einen fast sinusförmigen Verlauf von einigen Volt Spitze-Spitze, am Ausgang von IC1B ein sauberes Rechteck.

Dimensionierung

1. Lastkapazität. Der Quarz sieht C1 und C2 in Reihe, dazu die Streukapazität Cstray von Pins und Leiterbahnen, typisch 3 bis 5 pF:

CL = C1 · C2C1 + C2 + Cstray

Für C1 = C2 folgt C1 = 2 · (CL − Cstray) = 2 · (18 pF − 5 pF) = 26 pF. Der nächste Normwert ist 27 pF; damit ist CL = 13,5 pF + 5 pF = 18,5 pF.

Rechner

Quarz-Lastkondensatoren

C1 = C2 rechnerisch
26 pF
Nimm C1 = C2 (E12)
27 pF
CL damit
18,5 pF
Abweichung
+0,5 pF (+2,8 %)

Mit dem anderen Nachbarwert 22 pF wären es CL = 16 pF. Weicht CL ab, schwingt der Quarz etwas daneben: zu wenig Last – zu hohe Frequenz, zu viel Last – zu niedrige; meist sind das einige ppm je pF.

MikrocontrollerRfXINXOUTCstray = 5 pFQuarzCL = 18,5 pFC127 pFC227 pF

CL = C1 · C2 / (C1 + C2) + Cstray; bei gleichen Kondensatoren C1 = C2 = 2 · (CL − Cstray). Cstray fasst Pin-Kapazitäten des Mikrocontrollers und Leiterbahnen zusammen, typisch 2–5 pF; genau kennst du sie erst durch Messen der Frequenz. Für die Schwingsicherheit (Verstärkungsreserve) und den ESR des Quarzes gilt die Application Note des Mikrocontrollers.

2. Wie genau muss das sein? Die Frequenz hängt von CL ab, weil die Lastkapazität die Resonanz „zieht“. Mit den typischen Ersatzwerten eines 8-MHz-Quarzes – Parallelkapazität C0 = 5 pF, dynamische Kapazität Cm = 15 fF – ergibt sich die Empfindlichkeit

S = Cm2 · (C0 + CL)2 = 15 fF2 · (23 pF)2 ≈ 14 ppm/pF

Die 0,5 pF zu viel kosten also nur −7 ppm, das ist weniger als die Grundtoleranz des Quarzes von ±30 ppm.

Frequenzabweichung über der wirksamen Lastkapazität: von +170 ppm bei 10 pF bis −76 ppm bei 25 pF; mit 22 pF Kondensatoren +31 ppm, mit 27 pF −7 ppm, mit 33 pF −43 ppm
Falsche Lastkondensatoren verschieben den Takt um Dutzende ppm – mehr als die Toleranz des Quarzes selbst.

3. Rückkopplungswiderstand. RF soll den Arbeitspunkt einstellen, das Schwingnetz aber nicht belasten. Üblich sind 1 bis 10 MΩ; 1 MΩ ist bei 8 MHz richtig.

4. Serienwiderstand. RS bildet mit C2 einen Tiefpass und begrenzt so die Leistung, die der Quarz aufnehmen muss. Als Startwert nimmst du den Blindwiderstand von C2:

XC2 = 12π · f · C2 = 12π · 8 MHz · 27 pF ≈ 740 Ω

Der nächste gängige Wert ist 1 kΩ.

5. Anschwingsicherheit prüfen. Die Schaltung muss nicht nur bei Raumtemperatur mit diesem einen Quarz anschwingen. Bewährt hat sich ein einfacher Test: Lege vorübergehend einen Widerstand vom Fünffachen des maximalen ESR, hier 200 Ω, in Reihe zum Quarz. Schwingt die Schaltung auch so nach jedem Einschalten sicher an, hat sie genug Reserve.

Bauteilliste

BezeichnerWert/TypHinweis
IC174HCU04ungepuffert („U“), nicht 74HC04
Q1Quarz 8 MHz, HC-49/SGrundton, CL = 18 pF, ±30 ppm, ESR ≤ 40 Ω
C1, C227 pF, C0G/NP0nah am Quarz und an IC1
RF1 MΩArbeitspunkt
RS1 kΩbegrenzt die Quarzleistung
C3100 nFAbblockung an Pin 14 / Pin 7

Varianten

Uhrenquarz 32,768 kHz. Für eine Uhr nimmst du den CD4069UB oder einen 74HCU04, RF = 10 MΩ und RS = 330 kΩ. Uhrenquarze vertragen nur rund 1 μW und haben einen ESR von 30 bis 70 kΩ. Ihre Lastkapazität liegt bei 6 bis 12,5 pF; für 12,5 pF und 5 pF Streukapazität ergeben sich je 15 pF.

Am Mikrocontroller. Inverter und RF stecken im Chip zwischen XTAL1 und XTAL2. Du ergänzt nur C1 und C2 nach derselben Formel, wie unter Mikrocontroller-Minimalbeschaltung gezeigt.

Fertig kaufen. Ein Quarzoszillator im Metallgehäuse enthält Quarz, Verstärker und Puffer abgeglichen. Er kostet mehr, schwingt aber garantiert und liefert direkt ein Rechteck.

Ohne Quarz. Der Pierce-Oszillator ist eine Abwandlung des LC-Oszillators nach Colpitts: Dort übernimmt eine echte Spule die Rolle des Quarzes. Ist die Genauigkeit egal, reicht der RC-Oszillator mit Schmitt-Trigger.

Typische Fehler

  • Schwingt nicht an: Am häufigsten steckt ein gepufferter 74HC04. Seine drei Verstärkerstufen haben zu viel Verstärkung und Phasendrehung; die Schaltung schwingt dann gar nicht, wild oder auf einer Oberwelle. Weitere Ursachen: C1 und C2 viel zu groß, RS zu groß oder ein Quarz mit hohem ESR.
  • Frequenz um 20 bis 50 ppm daneben: Die Lastkondensatoren passen nicht zum Quarz. Viele Pläne zeigen pauschal 22 pF; für einen 18-pF-Quarz ist das schon 31 ppm zu hoch.
  • Schwingung reißt beim Messen ab: Ein Tastkopf an Pin 1 oder am Quarz bringt 10 bis 15 pF und verstimmt den Kreis. Miss immer am Ausgang des Puffers IC1B (Oszilloskop bedienen).
  • Takt springt oder stört das Radio: Lange Leiterbahnen zum Quarz wirken als Antenne und fangen Störungen ein. Quarz, C1, C2 und IC gehören dicht zusammen, mit einer Massefläche darunter (EMV).

Selbsttest

Woher kommen die 360° Phasendrehung, die eine Schwingung braucht?

180° aus dem invertierenden Verstärker, weitere 180° aus dem π-Glied aus C2, Quarz und C1 nahe der Resonanz des Quarzes.

Ein Quarz ist für 12 pF Last spezifiziert, die Streukapazität beträgt 4 pF. Welche Kondensatoren brauchst du?

2 · (12 pF − 4 pF) = 16 pF; der nächste Normwert ist 15 pF.

Warum nimmt man den 74HCU04 und nicht den 74HC04?

Der ungepufferte Inverter hat nur eine Stufe mit mäßiger Verstärkung und lässt sich mit RF sauber in den Linearbereich setzen. Der gepufferte hat drei Stufen und neigt zu wilden Schwingungen.

Was bewirkt RS?

Er begrenzt die Leistung im Quarz und dämpft mit C2 höhere Frequenzen, damit der Quarz nicht auf einer Oberwelle schwingt.

Um wie viel ändert sich die Frequenz, wenn CL um 2 pF zu groß ist?

Bei etwa 14 ppm/pF um rund −28 ppm, also bei 8 MHz um etwa 220 Hz nach unten.