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Reihenschaltung von Kondensatoren

Kondensatoren in Reihe: gleiche Ladung, kleinere Gesamtkapazität, höhere Spannungsfestigkeit – mit Formeln, Rechenbeispiel und Symmetrierwiderständen.

5 Min. LesezeitKondensatorReihenschaltungKapazitätSpannungsfestigkeit

Bei Widerständen ist die Reihenschaltung die einfache Variante: Werte addieren, fertig. Bei Kondensatoren ist es genau umgekehrt – in Reihe wird die Gesamtkapazität kleiner, und du rechnest mit Kehrwerten. Warum das so ist und wofür man Kondensatoren trotzdem in Reihe schaltet, erfährst du hier.

Gleiche Ladung auf allen Kondensatoren

Ein Kondensator speichert Ladung Q auf zwei gegenüberliegenden Platten. Seine Kapazität C gibt an, wie viel Ladung er pro Volt aufnimmt:

Q = C · U

Schaltest du mehrere Kondensatoren in Reihe und legst eine Gleichspannung an, fließt beim Laden derselbe Strom durch die ganze Kette – es gibt ja keine Abzweigung. Deshalb trägt am Ende jeder Kondensator dieselbe Ladung:

Q = Q1 = Q2 = Q3
Zwei Kondensatoren in Reihe mit Ladungen +Q und −Q auf jedem Plattenpaar, die verbundenen Mittelplatten sind nach außen neutral
Gleiche Ladung auf beiden Kondensatoren: Was die Mittelplatten untereinander verschieben, gleicht sich nach außen aus.

Die Platten zwischen zwei Kondensatoren sind miteinander verbunden, aber von außen isoliert. Was die eine Platte an Elektronen abgibt, nimmt die andere auf; insgesamt bleibt dieser Mittelteil neutral.

Zwei Kondensatoren in Reihe an einer Gleichspannungsquelle
Zwei Kondensatoren in Reihe: gleiche Ladung, die Spannung teilt sich auf.

Gesamtkapazität

Nach der Maschenregel ist die Gesamtspannung die Summe der Teilspannungen. Ersetzt du jede durch Un = Q / Cn und kürzt die gemeinsame Ladung, bleibt:

1Cges = 1C1 + 1C2 + 1C3 + …

Für zwei Kondensatoren gilt wieder „Produkt durch Summe“:

Cges = C1 · C2C1 + C2

Die Formeln sehen aus wie die der Parallelschaltung von Widerständen. Anschaulich: In Reihe wird der Plattenabstand insgesamt größer, und ein größerer Abstand bedeutet eine kleinere Kapazität.

Zwei Plattenkondensatoren mit Abstand d in Reihe entsprechen einem mit Abstand 2d
In Reihe wächst der wirksame Plattenabstand – deshalb sinkt die Kapazität.

Spannungsaufteilung

Weil alle Kondensatoren dieselbe Ladung tragen, liegt am kleinsten Kondensator die größte Spannung:

U1U2 = C2C1

Das ist der wichtigste Unterschied zum Widerstand, wo die größte Spannung am größten Wert liegt.

10 µF und 40 µF in Reihe an 100 V: 80 V am kleinen, 20 V am großen Kondensator
Der kleinere Kondensator bekommt die größere Spannung ab.

Dabei musst du auch die Toleranz einrechnen. Selbst „gleiche“ Kondensatoren teilen die Spannung nicht exakt halbe-halbe: Zwei 10-µF-Typen mit ±20 % können im ungünstigsten Fall 8 µF und 12 µF haben. An 100 V liegen dann am kleineren 100 V · 12 / (8 + 12) = 60 V statt 50 V. Die Gesamtspannung einfach durch die Anzahl der Kondensatoren zu teilen, reicht für die Wahl der Nennspannung also nicht.

Wofür man Kondensatoren in Reihe schaltet

Höhere Spannungsfestigkeit: Der häufigste Grund. Zwei gleiche 400-V-Elkos in Reihe kommen theoretisch auf 800 V bei halber Kapazität; wegen Toleranzen und Leckströmen planst du mit Symmetrierwiderständen und deutlicher Reserve. Elkos schaltet man nur dann in Reihe, wenn es keinen Einzeltyp mit ausreichender Nennspannung gibt. So entstehen etwa die Zwischenkreise von Frequenzumrichtern oder die Speicher in Hochspannungsnetzteilen.

Bipolarer Kondensator aus Elkos: Zwei gepolte Elkos „Minus an Minus“ in Reihe ergeben einen ungepolten Kondensator mit halber Kapazität, der Wechselspannung verträgt. Für niedrige Spannungen ist das eine Notlösung; besser sind echte bipolare Elkos oder Folienkondensatoren.

Zwei 100-µF-Elkos Minus an Minus in Reihe ergeben einen ungepolten 50-µF-Kondensator
Minus an Minus: Zwei gepolte Elkos ergeben zusammen einen ungepolten Kondensator mit halber Kapazität.

Kapazitive Spannungsteiler: In Tastköpfen von Oszilloskopen und in Hochspannungs-Messgeräten teilen Kondensatoren Wechselspannungen frequenzunabhängig herunter.

Krumme Werte: Gelegentlich erzeugt man so einen Zwischenwert, den es in der Reihe nicht gibt.

Symmetrierwiderstände

Bei Gleichspannung bestimmt auf Dauer nicht die Kapazität die Spannungsaufteilung, sondern der Leckstrom der Kondensatoren. Er streut bei Elkos stark; der Kondensator mit dem kleinsten Leckstrom bekommt mit der Zeit die meiste Spannung ab – und kann überlastet werden.

Deshalb schaltet man parallel zu jedem Kondensator einen Widerstand gleichen Werts. Diese Widerstände bilden einen Spannungsteiler, der die Spannung gleichmäßig verteilt. Ihr Querstrom sollte deutlich größer sein als die Leckströme, typisch etwa das Zehnfache.

Zwei 400-V-Elkos in Reihe an 800 V mit je einem Symmetrierwiderstand parallel
Symmetrierwiderstände: Der Spannungsteiler aus zwei gleichen Widerständen hält den Mittelpunkt bei der halben Spannung.

Kritisch ist außerdem der Einschaltmoment: Bevor sich die Spannungen eingependelt haben, kann ein einzelner Kondensator kurzzeitig weit mehr als seinen Anteil abbekommen. Das gilt besonders für ältere Elkos, die sich beim ersten Anlegen einer Spannung erst neu formieren müssen. Schaltest du eine Kette an Wechselspannung genau im Scheitelwert ein, entsteht eine steile Flanke und damit ein hoher Stromstoß; ein kleiner Widerstand in Reihe begrenzt ihn.

Fällt ein Kondensator der Kette durch Kurzschluss aus, verteilt sich die Gesamtspannung auf die übrigen – die dann ebenfalls überlastet werden können. Ein Defekt zieht so leicht weitere nach sich.

Selbsttest

Zwei Kondensatoren mit je 100 nF liegen in Reihe. Wie groß ist die Gesamtkapazität?

50 nF – die Hälfte.

An welchem Kondensator einer Reihenschaltung liegt die größte Spannung?

Am kleinsten, weil alle dieselbe Ladung tragen und U = Q / C gilt.

Wozu dienen Symmetrierwiderstände?

Sie verteilen die Gleichspannung gleichmäßig auf die Kondensatoren, unabhängig von deren unterschiedlichen Leckströmen.