<style>[reveal]{opacity:1 !important;transform:none !important}</style>

Bipolarer Elko

Wie ein bipolarer Elko mit zwei formierten Folien ohne feste Polarität auskommt, wo er in Frequenzweichen und Motoren sitzt und wann Folie besser ist.

7 Min. Lesezeitbipolarer Elkoungepolter ElkoNP-ElkoBP-Elko

In der Frequenzweiche einer Lautsprecherbox findest du oft einen Elko mit dem Aufdruck „BP“ oder „NP“, aber ohne Minusstreifen. Im Klemmkasten einer Kreissäge oder eines Kompressors sitzt ein schwarzer Zylinder mit 100 µF für 230 V Wechselspannung. Beides sind bipolare Elkos: Elektrolytkondensatoren, die in beiden Richtungen Spannung vertragen. Sie schließen eine Lücke, denn ein gewöhnlicher Elko ist gepolt, und ein Folienkondensator mit einigen 10 µF wäre groß und teuer.

Aufbau und Funktionsweise

Ein normaler Aluminium-Elko hat nur eine formierte Folie, die Anode. Ihre Oxidschicht ist das Dielektrikum und hält nur, solange die Anode positiv gegenüber dem Elektrolyten ist (siehe Elektrolytkondensator). Beim bipolaren Elko sind beide Folien formiert und tragen eine Oxidschicht derselben Dicke. Dazwischen liegt wie üblich das mit Elektrolyt getränkte Papier.

Elektrisch sind das zwei Elkos in Reihe, deren Minuspole sich den Elektrolyten teilen. Gleich, wie herum du die Spannung anlegst: Eine der beiden Folien arbeitet als Anode in Durchlassrichtung des Oxids und sperrt. An der anderen liegt das Oxid in Sperrrichtung; dort fällt nur eine kleine Spannung ab, und ein kleiner Leckstrom fließt. Mit der Polarität tauschen die beiden Folien ihre Rollen.

Schnitt durch einen bipolaren Elko: zwei geätzte Aluminiumfolien, beide mit Oxidschicht, dazwischen mit Elektrolyt getränktes Papier
Beide Folien tragen eine Oxidschicht – der Elektrolyt in der Mitte ist die gemeinsame Gegenelektrode.

Weil zwei Kapazitäten in Reihe liegen, halbiert sich die Kapazität gegenüber einer einzelnen Folie gleicher Fläche:

Cges = C1 · C2C1 + C2 = C2 (für C1 = C2 = C)

Der Hersteller braucht also etwa doppelt so viel formierte Folie. Ein bipolarer Elko ist deshalb bei gleicher Kapazität und Spannung ungefähr doppelt so groß wie ein gepolter.

Zwei gepolte Elkos gegeneinander

Dasselbe Prinzip kannst du mit zwei normalen Elkos nachbauen: Minus an Minus, die beiden Pluspole sind die Anschlüsse. Zwei Elkos mit je 47 µF ergeben 23,5 µF. Mit einem hochohmigen Widerstand von der Mitte zur positiven Versorgung liegen beide Elkos ständig in Durchlassrichtung vor; ohne ihn arbeitet abwechselnd einer in Sperrrichtung, was bei kleinen Spannungen meist gut geht, aber den Leckstrom erhöht. Für neue Schaltungen ist ein echter bipolarer Elko die sauberere Lösung.

Zwei gepolte Elkos in Reihe mit den Minuspolen in der Mitte verbunden, rechts daneben das gleichwertige Schaltzeichen eines bipolaren Elkos
Zwei Elkos Minus an Minus wirken wie ein bipolarer Elko mit der halben Einzelkapazität.

Schaltzeichen

Das Schaltzeichen ist ein Kondensator mit zwei gleichen, offenen Rechtecken und einem Pluszeichen an beiden Elektroden (abgebildet im Artikel Elektrolytkondensator). Viele Schaltpläne zeichnen ihn einfach als ungepolten Kondensator und schreiben „BP“ oder „NP“ zum Wert. Auf dem Bauteil stehen dieselben Kürzel: BP für bipolar, NP für non-polar. Ein Minusstreifen fehlt, bei axialen Typen sind beide Drähte gleich lang. Mehr Symbole findest du unter Schaltzeichen.

Kennwerte

Kennwerttypischer Bereich
Kapazität0,47 µF bis einige 1000 µF
Nennspannung6,3 V bis 100 V (Motoranlauf: 125–330 V AC)
Toleranz±20 %, Audio-Typen auch ±10 %
Temperatur85 °C oder 105 °C
Verlustfaktor tan δ bei 120 Hz0,1 bis 0,25
Leckstromwie gepolte Elkos, nach der Faustformel 0,01 · C · UR

Wichtig ist, was die Nennspannung bedeutet: Bei bipolaren Elkos für Elektronik ist sie eine Gleichspannung in beliebiger Richtung. Eine überlagerte Wechselspannung darf mit ihrem Scheitelwert die Nennspannung nicht überschreiten. Ein Dauerbetrieb an großer Wechselspannung ist trotzdem nicht vorgesehen, weil der ESR den Wechselstrom in Wärme umsetzt. Die Ausnahme sind Motoranlaufkondensatoren, die ausdrücklich für Netzwechselspannung gebaut sind – aber nur für Sekunden.

Bauformen

  • Radial und axial wie normale Aluminium-Elkos, meist mit einfarbiger Hülle und dem Aufdruck BP oder NP. Axiale Typen sind in Frequenzweichen beliebt, weil sie sich gut auf Lochrasterplatten und Holzbrettchen kleben lassen.
  • SMD-Becher für Audio-Koppelkondensatoren in Kopfhörerverstärkern.
  • Motoranlaufkondensatoren: große Kunststoffbecher mit Flachsteckern oder Litzen, beschriftet mit Kapazität, Wechselspannung und der zulässigen Einschaltdauer.
Radialer bipolarer Elko mit Aufdruck BP, axialer bipolarer Elko und schwarzer Motoranlaufkondensator mit zwei Litzen nebeneinander
Bipolare Elkos: radial, axial für Frequenzweichen und als Motoranlaufkondensator.

Typische Anwendungen

  • Lautsprecher-Frequenzweichen: In Reihe zum Hochtöner sperrt der Kondensator tiefe Frequenzen. Das Musiksignal ist eine Wechselspannung ohne feste Polarität.
  • Koppelkondensatoren in Audioschaltungen, wenn die Gleichspannung auf beiden Seiten nicht eindeutig ist, etwa zwischen zwei Stufen mit symmetrischer Versorgung oder am Eingang eines Geräts, an das beliebige Quellen angeschlossen werden.
  • Motoranlauf: Ein Einphasen-Asynchronmotor braucht beim Start eine phasenverschobene Hilfswicklung. Der Anlaufkondensator wird nach dem Hochlaufen durch einen Fliehkraft- oder Stromschalter abgetrennt.
  • Gegentakt- und Brückenendstufen, in denen ein Koppelkondensator je nach Betriebszustand mal positiv, mal negativ vorgespannt ist.

Frequenzweiche für einen Hochtöner

Ein einfacher Hochpass erster Ordnung besteht aus einem Kondensator in Reihe zum Hochtöner. Mit der Nennimpedanz R des Lautsprechers liegt die Trennfrequenz bei fg = 1 / (2π · R · C) (siehe RC-Glied), umgestellt:

C = 12π · fg · R

Den Zusammenhang zwischen Kapazität, Frequenz und Blindwiderstand rechnest du hier nach:

Rechner

Grenzfrequenz von RC-Tief- und Hochpass

Grenzfrequenz fg
1,59 kHz
Zeitkonstante τ
100 µs
uaus / uein
30,3 %
Dämpfung
-10,4 dB
Phase
-72,3°
R = 1 kΩC = 100 nFueinuaus|uaus / uein| in dB0−10−20−30−4010 Hz100 Hz1 kHz10 kHz100 kHzf (logarithmisch)fg = 1,59 kHz (−3 dB)5 kHz: −10,4 dB

Bei fg ist die Ausgangsspannung auf 70,7 % gesunken (−3 dB), die Phase um 45° verschoben.

Motoranlaufkondensator

Anlaufkondensatoren sind bipolare Elkos für 230 V Wechselspannung mit 50 bis einige 100 µF. Sie halten den Wechselstrom aber nur kurz aus. Die Beschriftung nennt deshalb eine Einschaltdauer, etwa „1,7 %“ bei 3 s Einschaltzeit. Bleibt der Fliehkraftschalter hängen, wird der Kondensator innerhalb von Sekunden bis Minuten heiß und platzt. Für den Dauerbetrieb (Betriebskondensator) nimmt man einen Folienkondensator.

Auswahl und Praxistipps

Ein bipolarer Elko ist die Wahl, wenn du viel Kapazität ohne feste Polarität brauchst und der Wechselstrom klein bleibt. Fließt nennenswerter Strom, wie in der Weiche einer großen Box oder am Motor im Dauerbetrieb, ist ein Folienkondensator besser: kleinerer ESR, kaum Alterung, engere Toleranz. Liegt an einer Stelle eine eindeutige Gleichspannung an, nimmst du einen normalen, gepolten Elko – er ist kleiner und billiger.

Häufige Fehler:

  • Bipolarer Elko als Ersatz für einen Betriebskondensator: Am Motor im Dauerbetrieb überhitzt er. Nur Anlaufkondensatoren dürfen Elkos sein.
  • Unnötig bipolar: Ein Koppelkondensator zwischen einem Ausgang mit 2,5 V und einem Eingang mit 0 V hat eine klare Polarität; ein gepolter Elko mit Plus an 2,5 V genügt.
  • Toleranz vergessen: ±20 % verschieben die Trennfrequenz einer Weiche um bis zu einem Viertel. Für eine fein abgestimmte Box misst du die Kondensatoren aus (siehe Kapazität messen) oder nimmst Folie.
  • Alterung in alten Lautsprecherboxen: Nach Jahrzehnten ist der Elektrolyt ausgetrocknet, die Kapazität gesunken und der ESR gestiegen. Die Höhen klingen dumpf. Tausch die Weichenkondensatoren gegen Folie oder neue bipolare Elkos.

Selbsttest

Was unterscheidet den bipolaren Elko im Aufbau vom gepolten?

Beide Aluminiumfolien sind formiert und tragen eine Oxidschicht; der Elektrolyt dazwischen ist die gemeinsame Gegenelektrode.

Warum ist ein bipolarer Elko bei gleicher Kapazität etwa doppelt so groß?

Er besteht aus zwei Kapazitäten in Reihe; für denselben Wert braucht er die doppelte Folienfläche.

Zwei gepolte Elkos mit je 220 µF werden Minus an Minus geschaltet. Welche Kapazität ergibt sich?

110 µF.

Welcher Kondensator ist für einen 6-Ω-Hochtöner mit 4 kHz Trennfrequenz nötig?

C = 1 / (2π · 4000 Hz · 6 Ω) ≈ 6,6 µF, also 6,8 µF.

Warum darf ein Motoranlaufkondensator nicht dauernd am Netz bleiben?

Der große Wechselstrom erzeugt am ESR so viel Wärme, dass er nur für wenige Sekunden ausgelegt ist.