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Wien-Brücken-Oszillator

Sinusgenerator für 1 kHz mit TL072: Wien-Glied berechnen, Verstärkung auf genau 3 bringen und die Amplitude mit zwei Dioden stabilisieren – mit simuliertem Anschwingen.

7 Min. LesezeitWien-Brücken-OszillatorWien-Robinson-OszillatorSinusgeneratorSinusoszillator OPV

Ein Rechteck liefern NE555 und Logikgatter im Handumdrehen. Für einen Prüfton am Verstärker, zum Messen eines Filters oder für ein Kalibriersignal brauchst du aber einen Sinus, und den bekommst du so nicht. Die bekannteste Schaltung für Sinusschwingungen im Tonfrequenzbereich ist der Wien-Brücken-Oszillator: ein Operationsverstärker, zwei Widerstände und zwei Kondensatoren als frequenzbestimmendes Wien-Glied und eine Gegenkopplung, die die Verstärkung auf genau 3 hält.

Die Schwierigkeit liegt nicht in der Frequenz, sondern in der Amplitude. Ist die Verstärkung etwas zu klein, schwingt nichts; ist sie etwas zu groß, wächst die Schwingung bis an die Versorgung und wird zum Trapez. Hier baust du einen 1-kHz-Generator, bei dem zwei Dioden die Verstärkung selbsttätig nachführen.

Schaltplan

Wien-Brücken-Oszillator mit TL072: Ausgang über R1 16 kΩ und C1 10 nF in Reihe auf den nichtinvertierenden Eingang Pin 3, von dort R2 16 kΩ parallel C2 10 nF nach Masse; Gegenkopplung vom Ausgang über R4 6,8 kΩ parallel zu D1 und D2 antiparallel und R3 15 kΩ auf den invertierenden Eingang Pin 2, Rg 10 kΩ nach Masse
Blau ist das Wien-Glied, die Mitkopplung. Oben die Gegenkopplung, deren Verstärkung die Dioden ab etwa 3 V Ausgangsspitze zurücknehmen.
  • IC1A, TL072: ein Operationsverstärker mit JFET-Eingängen an ±12 V, geschaltet als nichtinvertierender Verstärker.
  • R1, C1 (Reihe) und R2, C2 (parallel): das Wien-Glied, je 16 kΩ und 10 nF. Es koppelt den Ausgang auf den Pluseingang zurück und bestimmt die Frequenz. C1 und C2 sind Folienkondensatoren oder C0G-Keramik.
  • Rg, 10 kΩ, R3, 15 kΩ, R4, 6,8 kΩ: die Gegenkopplung. Sie legt die Verstärkung fest.
  • D1, D2, 1N4148: antiparallel über R4. Ab einer bestimmten Amplitude leiten sie und senken die Verstärkung.
  • Versorgung: Pin 8 an +12 V, Pin 4 an −12 V, je 100 nF nach Masse.

So funktioniert die Schaltung

Das Wien-Glied ist ein Bandpass aus einem Hochpass (C1 in Reihe, R2 nach Masse) und einem Tiefpass (R1 in Reihe, C2 nach Masse). Bei tiefen Frequenzen sperrt C1, bei hohen schließt C2 kurz. Genau bei

f0 = 12π · R · C

ist die Phasenverschiebung null, und am Pluseingang kommt ein Drittel der Ausgangsspannung an. Mehr zum Verhalten solcher Glieder im Bode-Diagramm und unter RC- und RL-Glied.

Der Operationsverstärker verstärkt nichtinvertierend, also ohne Phasendrehung. Die Schleife schwingt, wenn die Verstärkung das Drittel genau ausgleicht: V = 3. Bei anderen Frequenzen stimmt die Phase nicht, dort entsteht keine Schwingung. Der Name „Brücke“ kommt daher, dass Wien-Glied und Gegenkopplung zusammen eine abgeglichene Brückenschaltung zwischen Ausgang und Masse bilden.

Damit die Schwingung aus dem Rauschen heraus anläuft, muss die Verstärkung beim Einschalten etwas über 3 liegen. Dann wächst die Amplitude von Periode zu Periode. Ab etwa 0,5 V an R4 beginnen die Dioden zu leiten, der wirksame Widerstand sinkt, und die Verstärkung fällt. Die Amplitude pendelt sich dort ein, wo die Verstärkung im Mittel genau 3 ist.

Simulierter Verlauf: Die Ausgangsspannung wächst von 1 mV Startwert innerhalb von 13 ms auf 2,96 V Spitze und bleibt dann konstant; rechts zwei eingeschwungene Perioden bei 992 Hz, kaum vom reinen Sinus zu unterscheiden
Numerische Simulation mit den Werten aus dem Plan: Anschwingen in gut 10 ms, danach 2,96 V Spitze bei 992 Hz und etwa 3 % Klirrfaktor.

Dimensionierung

1. Frequenz. Für f0 = 1 kHz mit C = 10 nF:

R = 12π · f0 · C = 12π · 1 kHz · 10 nF ≈ 15,9 kΩ

Der nächste Wert der E24-Reihe ist 16 kΩ; damit ist f0 = 995 Hz.

Rechner

Grenzfrequenz von RC-Tief- und Hochpass

Grenzfrequenz fg
1,59 kHz
Zeitkonstante τ
100 µs
uaus / uein
30,3 %
Dämpfung
-10,4 dB
Phase
-72,3°
R = 1 kΩC = 100 nFueinuaus|uaus / uein| in dB0−10−20−30−4010 Hz100 Hz1 kHz10 kHz100 kHzf (logarithmisch)fg = 1,59 kHz (−3 dB)5 kHz: −10,4 dB

Bei fg ist die Ausgangsspannung auf 70,7 % gesunken (−3 dB), die Phase um 45° verschoben.

Der Rechner für die Grenzfrequenz eines RC-Glieds verwendet dieselbe Formel. Mit 1 % Widerständen und 5 % Kondensatoren liegt die Frequenz innerhalb von etwa ±6 %.

2. Verstärkung im Gleichgewicht. Für V = 1 + Rf / Rg = 3 muss Rf = 2 · Rg = 20 kΩ sein.

3. Startreserve. Ohne leitende Dioden ist Rf = R3 + R4 = 15 kΩ + 6,8 kΩ = 21,8 kΩ:

VStart = 1 + 21,8 kΩ10 kΩ = 3,18

Das sind 6 % Reserve, genug für Toleranzen der Widerstände. Leiten die Dioden voll, bleibt nur R3: V = 1 + 15 kΩ / 10 kΩ = 2,5. Irgendwo dazwischen findet die Schaltung ihr Gleichgewicht.

4. Amplitude abschätzen. Im Gleichgewicht ist Rf = 20 kΩ, R4 und die Dioden wirken zusammen also wie 5 kΩ. Durch die Gegenkopplung fließt bei der Ausgangsspitze Ua,max der Strom Ua,max / 3 / 10 kΩ; an R4 liegen damit

UR4,max = Ua,max3 · 10 kΩ · 5 kΩ = Ua,max6

Die Dioden halten diese Spitze bei etwa 0,5 V fest, also ist Ua,max ≈ 3 V. Die Simulation ergibt 2,96 V Spitze, 2,1 V effektiv.

Bauteilliste

BezeichnerWert/TypHinweis
IC1TL072zweiter OPV frei für einen Ausgangspuffer
R1, R216 kΩ, 1 %gleich groß, Metallschicht
C1, C210 nF, Folie oder C0G, 5 %kein X7R
Rg10 kΩ, 1 %
R315 kΩ, 1 %
R46,8 kΩ, 1 %bestimmt mit den Dioden die Amplitude
D1, D21N4148antiparallel
C3, C4100 nFAbblockung an Pin 8 und Pin 4

Varianten

Weniger Verzerrung. Die Dioden schneiden die Spitzen jeder einzelnen Periode leicht ab; das erzeugt die Oberwellen (Verzerrungen). Besser ist eine Regelung, die nur langsam nachführt: Ein JFET wie der J113 als steuerbarer Widerstand in der Gegenkopplung, dazu ein Gleichrichter mit Siebkondensator, der die Amplitude misst. So erreichst du Klirrfaktoren unter 0,01 %. Klassisch, aber schwer zu bekommen, ist eine kleine Glühlampe anstelle von Rg.

Durchstimmbar. Ersetze R1 und R2 durch ein Stereo-Potentiometer von 2 × 100 kΩ, jeweils mit 1,5 kΩ in Reihe. Bei C = 10 nF überstreichst du etwa 160 Hz bis 10 kHz. Die Gleichlauftoleranz des Potis darf dabei nicht zu groß sein, sonst ändert sich die nötige Verstärkung.

Einfache Versorgung. An 5 V arbeitest du mit einem Rail-to-Rail-OPV wie dem MCP6002 und legst R2, C2 und Rg statt an Masse an eine virtuelle Masse von 2,5 V.

Höhere Frequenzen. Über einige 100 kHz werden Operationsverstärker zu langsam. Dort arbeitet man mit Spule und Kondensator: LC-Oszillator nach Colpitts. Für Rechtecke genügt ein RC-Oszillator mit Schmitt-Trigger.

Typische Fehler

  • Schwingt nicht an: Die Verstärkung ohne Dioden liegt unter 3. Prüfe R3 + R4 gegen 2 · Rg; schon 1 % zu wenig genügt, und nichts passiert.
  • Ausgang ist ein Trapez an der Versorgungsgrenze: Die Dioden fehlen, sind gleich herum eingebaut oder R4 ist viel zu groß. Dann begrenzt erst der Ausgang des OPV.
  • Amplitude ändert sich mit der Temperatur: Die Durchlassspannung der Dioden sinkt um etwa 2 mV/K, die Amplitude folgt. Für eine stabile Amplitude ist die JFET-Regelung die bessere Wahl.
  • Frequenz weicht stark ab: C1 und C2 sind X7R-Typen oder ungleich. Ungleiche Werte verschieben außerdem die nötige Verstärkung von 3 weg. Miss die Frequenz mit dem Oszilloskop oder einem Frequenzzähler.
  • Messgerät verändert die Schwingung: Eine niederohmige Last am Ausgang belastet den OPV und damit die Gegenkopplung. Hänge Lasten an den zweiten OPV als Spannungsfolger.

Selbsttest

Warum muss die Verstärkung genau 3 sein?

Das Wien-Glied lässt bei f0 ein Drittel der Ausgangsspannung ohne Phasenverschiebung durch. Nur wenn der Verstärker das genau ausgleicht, bleibt die Amplitude konstant.

Welche Frequenz ergibt sich mit R = 10 kΩ und C = 10 nF?

1 / (2π · 10 kΩ · 10 nF) ≈ 1,59 kHz.

Was passiert, wenn R4 kurzgeschlossen ist?

Die Verstärkung ist dann 1 + 15 kΩ / 10 kΩ = 2,5, also kleiner als 3. Die Schaltung schwingt nicht an.

Wodurch wird die Amplitude begrenzt?

Durch die Dioden: Sobald an R4 etwa 0,5 V anliegen, leiten sie, der Gegenkopplungswiderstand sinkt und mit ihm die Verstärkung.

Warum ist der Sinus nicht perfekt?

Die Dioden greifen in jeder Periode an den Spitzen ein und verformen sie leicht. Daraus entstehen Oberwellen, hier etwa 3 % Klirrfaktor.