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Piezo-Summer und Buzzer

Wie Piezo- und Magnetsummer piepen, was aktive und passive Typen unterscheidet und wie du sie am Mikrocontroller laut und sicher ansteuerst.

7 Min. LesezeitPiezo-SummerBuzzerPiezosummerMagnetsummer

Die Mikrowelle piept, wenn das Essen fertig ist, der Rauchmelder schrillt, der 3D-Drucker meldet sich beim Druckende. In all diesen Geräten sitzt kein Lautsprecher, sondern ein Summer, englisch Buzzer: ein kleiner, billiger Schallgeber, der auf eine Frequenz zugeschnitten ist und dort mit wenig Leistung sehr laut wird. Für Sprache und Musik taugt er nicht, für Signaltöne ist er unschlagbar. Es gibt ihn in zwei Antriebsarten – piezoelektrisch und magnetisch – und jeweils als aktive und passive Ausführung.

Aufbau und Funktionsweise

Piezo-Summer: Das Herz ist eine dünne Messingscheibe, auf die eine Schicht Piezokeramik aufgebracht ist. Legst du eine Spannung zwischen Messing und Keramikoberfläche, dehnt sich die Keramik aus oder zieht sich zusammen. Weil sie fest mit dem Messing verbunden ist, biegt sich die Scheibe wie ein Bimetall – je nach Polarität nach oben oder unten (siehe Thermoelektrik und Piezo-Effekt). Eine Wechselspannung lässt sie im Takt schwingen. Die Scheibe sitzt in einem Kunststoffgehäuse mit Schallöffnung, dessen Hohlraum auf die Eigenfrequenz der Scheibe abgestimmt ist und den Ton verstärkt.

Magnetsummer: Eine kleine Spule mit Eisenkern zieht eine dünne Eisenmembran an, ein Dauermagnet hält sie vorgespannt. Ein Wechselstrom in der Spule bringt die Membran zum Schwingen – das Prinzip eines winzigen Lautsprechers oder Telefonhörers (siehe Elektromagnetismus).

Piezoscheibe, Piezo-Summer im Gehäuse, SMD-Piezo-Schallgeber und Magnetsummer im runden Gehäuse nebeneinander
Von links: nackte Piezoscheibe, Piezo-Summer mit Gehäuse, SMD-Schallgeber und Magnetsummer.

Unabhängig vom Antrieb unterscheidet man:

  • Aktive Summer (mit eingebautem Oszillator): Sie piepen, sobald Gleichspannung anliegt. Ein Pluszeichen oder ein langes Bein kennzeichnet die Polarität. Die Tonhöhe ist fest.
  • Passive Summer (Schallwandler, Transducer): Sie brauchen ein Wechselsignal, meist ein Rechteck vom Mikrocontroller. An Gleichspannung geben sie nur ein Klicken von sich. Dafür kannst du Tonhöhe, Melodie und Lautstärke frei bestimmen.

Schaltzeichen

Für Summer und Schallwandler gibt es mehrere Symbole. Nach IEC wird ein Summer als Halbkreis mit gerader Grundlinie gezeichnet, an der die beiden Anschlüsse liegen. Piezo-Schallwandler werden auch mit dem Symbol eines Piezokristalls dargestellt, ähnlich dem Quarz, oft mit Pluszeichen bei aktiven Typen. Das Kurzzeichen ist BZ oder LS. Mehr findest du unter Schaltzeichen.

Kennwerte

KennwertBedeutungTDK PS1240P02BT (passiv, Piezo)TMB12A05 (aktiv, magnetisch), typisch
NennfrequenzFrequenz des lautesten Tons4 kHzetwa 2,3–2,4 kHz
NennspannungBezugsspannung für den Schalldruck3 V (Rechteck), bis 30 V Spitze5 V DC (4–8 V)
Schalldruckpegelgemessen in 10 cm Abstand60 dB bei 3 Vetwa 85 dB
Stromaufnahmewenige mA, kapazitivetwa 30 mA
Durchmesser12,2 mm12 mm

Wie laut ein Summer ist, hängt stark von der Frequenz ab. Ein passiver Piezo hat einen ausgeprägten Resonanzbuckel; schon eine halbe Oktave daneben ist er deutlich leiser. Der Schalldruckpegel wird meist in 10 cm Abstand angegeben – in einem Meter Abstand sind es 20 dB weniger, weil der Schalldruck mit der Entfernung abnimmt (siehe Schallpegel und Dezibel).

Schalldruckpegel eines passiven Piezo-Summers über der Frequenz mit deutlichem Maximum bei der Resonanzfrequenz 4 kHz
Ein passiver Piezo-Summer ist nur nahe seiner Resonanzfrequenz richtig laut.

Ansteuerung am Mikrocontroller

Passiver Piezo: Er nimmt nur Umladestrom auf und kann direkt an einen GPIO-Pin. Du erzeugst ein Rechteck mit PWM oder einem Timer auf der Resonanzfrequenz. Lauter wird es, wenn du den Piezo zwischen zwei Pins legst, die gegenphasig schalten: Der Piezo sieht dann die doppelte Spannungsschwankung.

Zwei Ansteuerungen: links ein passiver Piezo zwischen zwei gegenphasigen GPIO-Pins, rechts ein aktiver Magnetsummer mit NPN-Transistor, Basiswiderstand und Freilaufdiode
Links ein passiver Piezo an zwei gegenphasigen Pins, rechts ein Magnetsummer mit Transistor und Freilaufdiode.

Magnetsummer und große aktive Summer: Mit 25 bis 40 mA überlasten sie einen GPIO-Pin. Ein NPN-Transistor schaltet sie gegen Masse. Weil der Magnetsummer eine Spule enthält, gehört eine Freilaufdiode parallel – sonst erzeugt jede Abschaltflanke eine Spannungsspitze, die den Transistor zerstört (siehe Spule im Gleichstromkreis).

Rechner

Transistor als Schalter

Kollektorstrom
100 mA
Nötiger Basisstrom
3 mA
Rechnerisch
867 Ω
Nimm (E12, abgerundet)
820 Ω
Basisstrom damit
3,17 mA
Übersteuerung damit
3,2
Verlust im Transistor
32,2 mW
Belastung des Pins
3,17 mA bei 3,3 V
µC3,3 VRB = 820 ΩIB = 3,17 mARPD2N2222AUCE = 300 mVUB = 12 VLastIC = 100 mA

IB = ü · IC / hFE,min und RB = (USt − UBE) / IB, abgerundet auf E12, damit eher etwas mehr Basisstrom fließt. Der Übersteuerungsfaktor ü treibt den Transistor sicher in die Sättigung: hFE sinkt bei großem Strom, in der Kälte und im gesättigten Betrieb. Verlust im Transistor P = UCE(sat) · IC + UBE · IB, nur im eingeschalteten Zustand ohne Schaltverluste. Vorgaben 2N2222A: hFE ≥ 100 bei 150 mA; UCE(sat) ≤ 0,3 V bei 150 mA, ≤ 1 V bei 500 mA (Datenblatt). Ein Pull-down RPD (10 bis 100 kΩ) hält den Transistor gesperrt, solange der Pin beim Start noch offen ist.

Typische Anwendungen

  • Signaltöne in Haushaltsgeräten: Waschmaschine, Mikrowelle, Thermostat – meist ein passiver Piezo, der Melodien spielen kann.
  • Alarmgeber: Rauch- und Gasmelder nutzen Piezo-Schallgeber mit drei Anschlüssen. Die dritte Elektrode liefert eine Rückmeldung für einen selbstschwingenden Oszillator, der genau auf der Resonanzfrequenz bleibt und so mit wenig Energie über 85 dB erreicht.
  • Tastenquittung und Fehlermeldungen: Kurze Pieptöne an Bedienteilen.
  • Lernprojekte: Ein passiver Summer an einem Timer NE555 oder Mikrocontroller ist oft das erste Bauteil, das „Musik“ macht.

Für Sprache, Musik und Klänge über einen weiten Frequenzbereich brauchst du einen Lautsprecher mit Verstärker.

Auswahl und Praxistipps

Entscheide zuerst zwischen aktiv (einfach, eine feste Tonhöhe) und passiv (Melodien, Lautstärke über Frequenz und Tastgrad steuerbar). Dann wählst du den Antrieb: Piezo braucht kaum Strom und verträgt hohe Spannungen, Magnetsummer sind bei kleinen Spannungen lauter, ziehen aber mehr Strom. Zuletzt prüfst du den Schalldruck bei deiner Betriebsspannung und den Abstand zum Hörer.

Häufige Fehler:

  • Aktiv und passiv verwechselt: Ein passiver Summer an Gleichspannung klickt nur einmal. Ein aktiver Summer an einem PWM-Signal ergibt ein schnarrendes Gemisch aus beiden Frequenzen.
  • Falsche Frequenz: Ein passiver Piezo mit 4 kHz Resonanz, angesteuert mit 1 kHz, ist viel leiser als erwartet. Lege den Hauptton auf die Resonanzfrequenz.
  • Magnetsummer ohne Freilaufdiode: Die Spule erzeugt beim Abschalten Spannungsspitzen, genau wie ein Relais.
  • Polarität aktiver Summer: Verkehrt herum angeschlossen, bleibt die eingebaute Elektronik stumm oder wird beschädigt.
  • Schallöffnung zugeklebt: Das Gehäuse des Geräts oder ein Aufkleber über der Öffnung dämpft den Ton stark. Plane eine Öffnung im Gerätegehäuse direkt über dem Summer ein.

Selbsttest

Was ist der Unterschied zwischen einem aktiven und einem passiven Summer?

Der aktive hat einen eingebauten Oszillator und piept an Gleichspannung; der passive braucht ein Wechselsignal, kann dafür beliebige Töne spielen.

Warum wird ein Piezo-Summer lauter, wenn du ihn zwischen zwei gegenphasige Pins legst?

Er sieht die doppelte Spannungsschwankung, das sind etwa 6 dB mehr Schalldruck.

Ein Summer erreicht 80 dB in 10 cm Abstand. Wie laut ist er in 1 m?

Etwa 60 dB, denn der zehnfache Abstand kostet 20 dB.

Warum braucht ein Magnetsummer eine Freilaufdiode, ein Piezo-Summer nicht?

Der Magnetsummer enthält eine Spule, die beim Abschalten eine Induktionsspannung erzeugt; der Piezo verhält sich wie ein Kondensator.

Ein passiver Piezo mit 20 nF wird mit 3,3 V und 2 kHz an einem Pin betrieben. Wie groß ist der mittlere Strom?

Q = 20 nF · 3,3 V = 66 nC je Flanke, 4000 Flanken pro Sekunde: I ≈ 0,26 mA.