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Lichtstrom, Lichtstärke und Beleuchtungsstärke

Lumen, Candela und Lux sauber unterschieden – mit Lichtausbeute, Abstandsgesetz und Rechenbeispielen für LEDs und Arbeitsplatzbeleuchtung.

5 Min. LesezeitLumenCandelaLuxLichtausbeute

Auf jeder LED-Lampe steht eine Zahl in Lumen, im LED-Datenblatt eine in Candela, und für den Schreibtisch empfiehlt die Norm eine Angabe in Lux. Alle drei beschreiben Licht, aber jeweils aus einem anderen Blickwinkel: wie viel Licht eine Quelle insgesamt abgibt, wie viel davon in eine bestimmte Richtung geht und wie viel auf einer Fläche ankommt. Wer Optoelektronik einsetzt, sollte die drei Größen auseinanderhalten können.

Lichttechnik bewertet mit dem Auge

Lichttechnische Größen messen nicht einfach Strahlungsleistung in Watt, sondern gewichten sie mit der Empfindlichkeit des menschlichen Auges. Das Tagsehen ist bei 555 nm (Gelbgrün) am empfindlichsten; zu Rot und Blau hin fällt die Kurve stark ab, Infrarot und Ultraviolett zählen gar nicht. Eine Infrarot-LED kann also viele Milliwatt abstrahlen und hat trotzdem praktisch null Lumen.

Deshalb gehört die Candela zu den sieben SI-Basiseinheiten: Sie ist über eine Strahlungsquelle bei 540 THz (≈ 555 nm) festgelegt, deren Strahlstärke 1/683 W pro Steradiant beträgt.

Lichtquelle mit Lichtstrom, Lichtstärke-Kegel und beleuchteter Fläche
Lichtstrom zählt alles Licht, Lichtstärke das Licht pro Richtung, Beleuchtungsstärke das Licht pro Fläche.

Die drei Größen

GrößeZeichenEinheitWas sie beschreibt
LichtstromΦvLumen (lm)gesamtes sichtbares Licht einer Quelle
LichtstärkeIvCandela (cd) = lm/srLichtstrom pro Raumwinkel, also in eine Richtung
BeleuchtungsstärkeEvLux (lx) = lm/m²Lichtstrom, der auf eine Fläche fällt

Der Raumwinkel in Steradiant (sr) ist das räumliche Gegenstück zum Winkel: Eine ganze Kugel umfasst 4π ≈ 12,57 sr. Eine Quelle, die gleichmäßig in alle Richtungen 1 cd abgibt, hat also einen Lichtstrom von gut 12,6 lm.

Die Beleuchtungsstärke ergibt sich aus dem Lichtstrom, der auf eine Fläche A trifft:

Ev = ΦvA

Für eine punktförmige Quelle gilt außerdem das fotometrische Abstandsgesetz: Die Beleuchtungsstärke nimmt mit dem Quadrat der Entfernung r ab (bei senkrechtem Lichteinfall):

Ev = Ivr2
Punktlichtquelle, deren Licht im doppelten Abstand die vierfache Fläche ausleuchtet
Abstandsgesetz: Im doppelten Abstand verteilt sich derselbe Lichtstrom auf die vierfache Fläche – die Beleuchtungsstärke sinkt auf ein Viertel.

Lichtausbeute: Lumen pro Watt

Wie effizient eine Lampe ist, beschreibt die Lichtausbeute ηv – der Lichtstrom geteilt durch die aufgenommene elektrische Leistung:

ηv = ΦvP

Eine klassische Glühlampe erreicht rund 12 lm/W, eine Halogenlampe etwa 15–20 lm/W, eine gute LED-Lampe 100–200 lm/W. Das theoretische Maximum liegt bei 683 lm/W – erreichbar nur mit rein gelbgrünem Licht, das niemand als angenehm empfände. Für weißes Licht liegt die Grenze je nach Spektrum bei etwa 250–350 lm/W. Mehr zu Verlusten und Wirkungsgrad steht unter Energie und Wirkungsgrad.

Balkendiagramm der Lichtausbeute von Glühlampe, Halogenlampe und LED-Lampe
Typische Lichtausbeute: Eine LED-Lampe holt aus jedem Watt rund zehnmal so viel Licht wie eine Glühlampe.

Lampen kaufen: Lumen statt Watt

Früher war die Wattzahl einer Glühlampe zugleich ein Maß für ihre Helligkeit – alle Lampen arbeiteten mit ähnlicher Lichtausbeute. Seit es Energiesparlampen und LEDs gibt, stimmt das nicht mehr: Watt beschreibt nur noch die aufgenommene Leistung, also den Stromverbrauch. Seit 2013 muss in der EU deshalb der Lichtstrom in Lumen auf der Verpackung stehen. Als grobe Umrechnung von der alten Glühlampe gilt:

GlühlampeLichtstrom etwa
25 W200–250 lm
40 W400 lm
60 W700–800 lm
100 W1400 lm

Zwei weitere Angaben beschreiben die Qualität des Lichts:

  • Die Farbtemperatur in Kelvin (K) sagt, ob das Licht gelblich oder bläulich wirkt. Etwa 2700–3000 K heißt warmweiß (viel Rotanteil, gemütlich), um 4000 K neutralweiß, über 5300 K tageslichtweiß – gut für Werkstatt und Arbeitsplatz.
  • Der Farbwiedergabeindex (CRI bzw. Ra, höchstens 100) gibt an, wie natürlich Farben unter der Lampe aussehen. Für Innenräume sollte er mindestens 80 betragen, für Farbarbeiten oder Fotografie eher über 90.
Farbverlauf von warmweiß bei 2700 K bis tageslichtweiß bei 6500 K
Farbtemperatur: Niedrige Kelvinwerte wirken gelblich-warm, hohe bläulich-kühl.

Dazu kommt das Energielabel, das die Lichtausbeute in Klassen einteilt (seit 2021 von A bis G).

Rechnen mit Candela und Lux

LED-Datenblätter geben bei engen Abstrahlwinkeln meist die Lichtstärke in Millicandela (mcd) an. Eine 5-mm-LED mit 20 000 mcd und 15° Abstrahlwinkel wirkt in Strahlrichtung sehr hell, gibt insgesamt aber nur wenige Lumen ab – das Licht ist eben stark gebündelt. Vergleichst du LEDs mit unterschiedlichem Abstrahlwinkel, achte deshalb auf die Lumenangabe.

Zwei LEDs mit 15° und 120° Abstrahlwinkel bei gleichem Lichtstrom
Gleicher Lichtstrom, anderer Abstrahlwinkel: Der schmale Kegel erreicht eine viel höhere Lichtstärke in Strahlrichtung.

Zur Orientierung: Eine Vollmondnacht hat etwa 0,2 lx, ein Wohnzimmer 100–300 lx, ein Büroarbeitsplatz 500 lx, ein bedeckter Tag rund 10 000 lx und direkte Sommersonne bis zu 100 000 lx. Ein Luxmeter misst die Beleuchtungsstärke mit einer Fotodiode hinter einem Filter, der die Augenempfindlichkeit nachbildet.

Logarithmische Skala der Beleuchtungsstärke von Vollmond bis Sommersonne
Beleuchtungsstärken im Alltag reichen über sechs Zehnerpotenzen – deshalb die logarithmische Skala.

Selbsttest

Was unterscheidet Lumen von Lux?

Lumen ist der gesamte Lichtstrom einer Quelle, Lux der Lichtstrom pro Quadratmeter auf einer beleuchteten Fläche.

Wie ändert sich die Beleuchtungsstärke, wenn du eine Lampe doppelt so weit entfernst?

Sie sinkt auf ein Viertel (Abstandsgesetz, Ev = Iv / r2).

Warum hat eine Infrarot-LED fast null Lumen?

Lumen bewerten Licht nach der Augenempfindlichkeit – Infrarot sieht das Auge nicht.